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Neuer Trainer von Hoffenheim : Die Mutproben des Sebastian Hoeneß

  • -Aktualisiert am

Abgeklärter Auftritt: Sebastian Hoeneß bei seiner Vorstellung als Cheftrainer der TSG Hoffenheim. Bild: TSG Hoffenheim

Das ist der Neue bei der TSG Hoffenheim mit dem berühmten Namen: Sebastian Hoeneß will ein emotionaler wie cooler Leader sein. Der Trainer hat sich für seine erste Bundesliga-Saison drei Ziele gesetzt.

          3 Min.

          Seine ersten 45 Minuten als Öffentlichkeitsvorarbeiter der TSG 1899 Hoffenheim waren nicht schlagzeilenträchtig. Sebastian Hoeneß, der neue Cheftrainer des badischen Fußball-Bundesligaklubs, hatte nicht einmal auf alle Fragen eine Antwort parat – vor allem nicht, als es darum ging, ein Saisonziel tabellarisch zu formulieren. Dem 38 Jahre alten Münchner mit dem berühmten Nachnamen ging es erst einmal darum, sich verbal nicht zu weit nach vorne zu trauen.

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          Eine Strategie, die vermutlich richtig ist für einen Erstliga-Rookie, dessen Onkel Uli und Vater Dieter prägende Feuerköpfe der Bundesliga waren. In einem Atemzug mit den beiden berühmten Hoeneß-Brüdern genannt zu werden ist für ihn, der einmal gesagt hat, am liebsten als „Sebastian“ wahrgenommen zu werden, nicht nur das reinste Vergnügen gewesen. Inzwischen aber spricht auch der Erfolg des jüngsten Fußball-Aufsteigers aus der Hoeneß-Familie für sich, so dass Sebastian Hoeneß bei seiner Hoffenheimer Vorstellung am Montagmittag getrost bei sich selbst bleiben konnte.

          Hoeneß fühlt sich gerüstet

          Ruhig und konzentriert saß der dunkel- gekleidete Nachfolger des vier Spieltage vor dem Ende der vorigen Saison entlassenen Alfred Schreuder auf dem Podium des Presseraums im Zuzenhausener Hauptquartier der TSG und erweckte so den Eindruck, zuerst seiner Sache zu dienen und nicht so sehr auf die persönliche Note aus zu sein. Über seine Verankerung im Hoeneß-Clan habe er sich „in den vergangenen Tagen nicht so viele Gedanken gemacht“, sagte der Bundesliga-Trainernovize. Was ihn zwei Tage vor dem offiziellen Trainingsstart des Ligasechsten aus der Saison 2019/20 emotional bewegte, fasste er in einem Satz zusammen: „Ich freue mich total auf die Aufgabe.“

          Die ihm bevorstehende „herausfordernde Saison“ zu bewältigen – dafür sieht Hoeneß sich gerüstet. Nicht nur, weil er mit seiner vorigen Mannschaft, der Zweitvertretung des FC Bayern München, die Meisterschaft in der Dritten Liga gewonnen hat und spätestens mit diesem Aufsteiger-Kunststück in den Fokus der Bundesliga geriet. Wie er die Bayern-Talente vom zwischenzeitlich 15. Tabellenplatz mit sehenswertem Offensivfußball nach ganz oben katapultiert hat, ist in Hoffenheim schon seit Monaten sehr aufmerksam beobachtet worden. Dort informierte sich Alexander Rosen, der Direktor Profifußball der TSG, schon seit längerem über das Trainertalent des gebürtigen Münchners, der früher als gedacht ein erstklassiges Arbeitszeugnis auch in eigener Sache vorzuweisen hatte.

          Es hat nun zur Rückkehr des während der Saison 2006/07 mit mäßigem Erfolg für den damaligen Regionalligaklub Hoffenheim kickenden Hoeneß geführt. Was er aus der mit einem Dreijahresvertrag abgestützten Chance macht, wird sich zeigen. „Es ist ein mutiger Schritt von beiden Seiten“, hob Hoeneß bei seiner Vorstellung am Montag hervor. „Am Ende des Tages muss die Chemie passen“, sagte Rosen über seine Wunschbesetzung auf der Cheftrainerposition.

          „Das ist eine große Chance“

          Er habe Hoeneß schon in der Nacht nach dem ersten persönlichen Gespräch vor drei Wochen zu verstehen gegeben, dass er sich „sehr gut vorstellen könne“, mit ihm in die neue Saison zu starten. Wie karrierebewusst auch Hoeneß längst denkt, erhellte ein Satz. Beim Blick auf die Hoffenheimer Offerte habe er sich prompt gesagt: „Das ist eine große Chance, die man nutzen muss.“

          Nun muss er das Beste daraus machen und sollte dabei möglichst nichts von seiner Courage einbüßen. Dass gerade bei der TSG, die eine der besten Nachwuchsabteilungen im Land unterhält, auf die Jugend gesetzt wird, kommt dem früheren Nachwuchstrainer von RB Leipzig und des FC Bayern entgegen. Sein angriffslustiger Stil, beeinflusst vom Leipziger Pressingmodell und dem auf Ballbesitz gründenden Handlungsmuster beim FC Bayern, gibt Hoeneß viele Optionen an die Hand. Er scheint bereit, die vielen Mutproben, die ihm nun bevorstehen, offensiv anzunehmen. Als Anführer der von seinem Vorvorgänger Julian Nagelsmann auf die richtige Spur gebrachten Kraichgauer will Sebastian Hoeneß ein ebenso emotionaler wie cooler Leader sein.

          „Gerade die Mischung macht’s“, sagte der am Montag um einen abgeklärten Auftritt bemühte neue Trainer. Er gab aber auch zu, dass er „eine gewisse Anspannung, Vorfreude und Aufgeregtheit“ verspüre. Das seien „ganz menschliche Gefühlsregungen“, die ihm bei seinem ersten Auftritt als Bundesliga-Trainer auch zustanden. Ohne ins Detail zu gehen, definierte er drei vorrangige Ziele: „Potentiale ausschöpfen, Spieler entwickeln und am Ende erfolgreich Fußball spielen.“ Wenn er das erreicht, kann er Karriere machen und so die Hoeneß-Saga in der Bundesliga auf seine Weise fortschreiben.

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