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Bundesliga-Kommentar : Schneckenrennen im Tabellenkeller

  • -Aktualisiert am

Es bewegt sich schon seit einiger Zeit nicht viel im Tabellenkeller Bild: dpa

Hamburg, Nürnberg und Braunschweig holten nach dem 6. April keinen Punkt mehr in der Bundesliga. Im Schneckenrennen gegen den Abstieg deutet nichts darauf hin, dass einer noch mal beschleunigen kann.

          So einen müden Abstiegskampf hatten wir auch schon lange nicht mehr in der Fußball-Bundesliga. Nach dem 29. Spieltag schien die Bühne für ein opulentes Drama in fünf Akten bereitet. Bis zum damaligen Zwölften, Werder Bremen, erstreckte sich das Schreckenszenario Zweite Liga. Seitdem hat sich eine Mannschaft nach der anderen gerettet, allerdings ohne allzu großes Zutun. Denn auf drei Hinterbänkler war Verlass. Weder der HSV, noch Nürnberg, noch Braunschweig gewannen nach dem 6. April noch einen Punkt.

          So durfte sich Huub Stevens am Samstag nach der 1:2-Heimniederlage gegen Wolfsburg als Stuttgarter Retter feiern lasen. Seine Bilanz aus den neun Spielen seit seinem Einstieg für Thomas Schneider lautet: drei Siege, drei Unentschieden, drei Niederlagen. Das klingt nicht überwältigend, ist aber angesichts der Schwäche der Konkurrenz eine ganze Menge. Nun gilt der knorrige Holländer auch weiterhin als erste Wahl für den Stuttgarter Trainerposten, nachdem man sich zunächst einig war, dass es sich nur um einen Feuerwehrmann-Einsatz bis zum Saisonende handeln sollte.

          Denn eigentlich steht Stevens für den Gegenentwurf des Konzeptes, das der VfB im vergangenen Sommer verkündete und den der erfolgreiche Juniorencoach Schneider verkörperte: jung, frisch, offensiv – auf den eigenen Nachwuchs bauend. Kommt nun der 60 Jahre alte Niederländer wieder für länger ans Ruder, werden bei der Kaderzusammenstellung Werte wie Erfahrung, Verteidigungsfähigkeit und Zweikampfstärke größere Bedeutung erhalten. Und was werden die Stuttgarter tun, wenn sie sich gezwungen sehen, Stevens zu entlassen? Wieder zurück zur Jugend? Oder weiter auf Erfahrung setzen?

          Aus dieser Hü- und Hott-Situation (in Verbindung mit übersteigerten Erwartungen) ist das Hamburger Dilemma entstanden. Da durfte der jeweilige Trainer seine Favoriten dazuholen, was nicht nur einen aufgeblähten Kader zur Folge hatte, sondern einen unharmonisch zusammengesetzten.

          Wer kann nochmal beschleunigen?

          Auch ein Trainer wie Mirko Slomka, der seine Fähigkeiten nicht mehr nachweisen muss, schaffte mit diesem HSV keine Wende. Drei Siege, zwei Unentschieden und sieben Niederlagen sind ein ernüchterndes Ergebnis aus zwölf Spielen. Vielleicht wäre Slomka beim hektischen HSV auch schon wieder entlassen worden, wenn es nicht Nürnberg und Braunschweig gäbe. Die Franken sind völlig auseinandergebrochen – in der Zeit, in der Slomka für Hamburg elf Punkte holte, gewannen sie gerade sechs. Das Zwischenhoch unter Trainer Verbeek löste sich in Luft aus, weil das Verletzungspech unbarmherzig zuschlug. Und irgendwann verloren die Nürnberger den Glauben an sich selbst.

          Das passierte den Braunschweigern nicht, aber dem Tabellenletzten fehlt es schlichtweg an Qualität, weil er für die Chance auf den Bundesligaverbleib nicht in teure Spieler investierte. Dass die Eintracht noch am letzten Spieltag die Möglichkeit hat, den HSV vom Relegationsplatz zu vertreiben, kann man beim Vergleich der Lizenzspieleretats nur als Sensation bezeichnen. Aber dazu müsste Braunschweig in Hoffenheim gewinnen. Und in diesem Schneckenrennen gegen den Abstieg deutet nichts darauf hin, dass ein Teilnehmer noch mal beschleunigen kann.

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