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Bundesliga : Schlaudraff: Der Star, den Darmstadt 98 nicht wollte

  • -Aktualisiert am

In Darmstadt verkannt: Nun geht Jan Schlaudraff zu den Bayern Bild: REUTERS

Die Darmstädter, heute in den Niederungen der Regionalliga Süd zu Hause, haben den Mantel des Schweigens über diese Geschichte ausgebreitet. Ein gewisser Jan Schlaudraff kickte einst für die „Lillien“. Doch der vom SV 98 angebotene Kellerwohnraum gefiel ihm nicht. Er ging wieder.

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          Nennt man das Pech? Widrige Umstände? Mangelnder Weitblick? Ganz bestimmt ist das aber ein Fall aus der Rubrik „Dumm gelaufen“. Im Sommer 2000 kickte beim SV Darmstadt 98 ein junger Mann, der heute einer der gefragtesten Bundesligastürmer ist, demnächst von Alemannia Aachen zu Bayern München wechseln wird und als einer der deutschen Sturmhoffnungen für die Europameisterschaft 2008 gilt: Jan Schlaudraff.

          Was hätten sie beim Darmstädter Regionalligaklub von diesem neuen Dribbelkönig profitieren können - wenn dieser es seinerzeit länger als sechs Wochen am Böllenfalltor ausgehalten hätte. Denn welches Talent der junge Mann aus Bingen besitzt, hatte vor sechseinhalb Jahren bereits ein Darmstädter Trainer erkannt. Gernot Lutz, damals Coach der A-Jugend der „Lilien“, war das Bürschlein aus dem Rheinhessischen bei einem Hallenturnier in Mainz aufgefallen. Der Wechsel von Hassia Bingen nach Darmstadt verlief wunschgemäß, dummerweise stieg 2000 die A-Jugend der „Lilien“ aus der höchsten deutschen Spielklasse ab.

          Vergebliches Warten auf Bleibe in Darmstadt

          Lutz übergab den Trainerjob an Michael Müller. Und Schlaudraff wartete derweil darauf, dass ihm sein neuer Verein eine gescheite Wohnung in Darmstadt vermittelte, in der er mit seinem Bruder wohnen wollte. Und sie sollte bitte schön besser sein als der kühn mit Souterrainwohnung bezeichnete Kellerraum im Stadtteil Arheilgen, der ihm zunächst angeboten wurde. Schlaudraff legte sich vorerst zum Schlafen auf die Couch bei Müllers Assistenztrainer - und wartete weiter auf eine richtige Bleibe. Die kam jedoch nicht. Darmstadt 98 hatte kein Geld. Damals wie heute.

          Im Pokal erzielte der frühere Darmstädter jüngst ein sehenswertes Tor gegen die Bayern

          Nach sechs Wochen verließ Schlaudraff das Sofa - und sagte zum Abschied leise servus. Um in der Amateurmannschaft von Borussia Mönchengladbach begrüßt zu werden. Dort gab es zwar Wohnungen, aber keinen wie Lutz und Müller, der die großen Fähigkeiten Schlaudraffs registriert hätte. Sein weiterer Karriereverlauf ist bekannt. In Darmstadt hat man über die Sache Schlaudraff dann kein Wort mehr verloren. Vielleicht raufen sie sich heute die Haare ob der Chance - die sie wegen einer nicht vorhandenen Wohnung verpasst haben.

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