https://www.faz.net/-gtm-a7ni7

Gegentor in Nachspielzeit : Nächste Pleite für Schalke 04

  • -Aktualisiert am

Verzweifelte Blicke bei den Schalkern nach der Niederlage gegen Köln. Bild: Reuters

Im Kellerduell der Bundesliga unterliegt Schalke den Kölnern mit 1:2. Die Zukunft der Königsblauen in der Bundesliga wird immer ungewisser. Doch Rückkehrer Klaas-Jan Huntelaar verbreitet Hoffnung.

          3 Min.

          In ihrer vollen Pracht zeigt sich die Poesie eines großen Abstiegskampfes normalerweise erst im Frühjahr. Wenn tatsächlich die unumstößlichen Entscheidungen fallen, wenn befreiende Siege gelingen und bittere Tränen fließen. Das 1:2 (0:1) des FC Schalke 04 gegen den 1. FC Köln hatte nun bereits im Januar fast alles, was ein echtes Drama um den Klassenerhalt braucht. Es gab keinen kunstvollen Fußball zu sehen in Gelsenkirchen, aber Kampf, Hingabe und einen dramatischen Schlussakt. Nachdem der Tabellenletzte aus dem Revier leidenschaftlich auf Sieg gespielt hatte, schoss Jan Thielmann in der dritten Minute der Nachspielzeit das Siegtor für die Gäste vom Rhein. Köln erlebte einen Moment süßester Fußballgefühle, und die Schalker sanken auf den Rasen. So einen schmerzlichen Moment hatten selbst diese an Niederlagen gewohnten Spieler schon lange nicht mehr erlebt.

          Bundesliga

          Der Schock saß so tief, dass sie sich unmittelbar nach dem Abpfiff erstmal in die Kabine zurückzogen, um die Emotionen zu sortieren, während Kölns Marius Wolf sagte: „Für den Kopf ist das unheimlich wichtig.“ Denn es war ein glücklicher Sieg gewesen. Schalke war in vielen Phasen überlegen gewesen – ein Befund, der wahrlich nur selten zutraf im bisherigen Saisonverlauf. „Ich habe viele gute Momente gesehen, das stimmt mich trotz der Niederlage zuversichtlich“, erklärte Trainer Christian Gross. Immer wieder fanden die Schalker Wege für Kombinationen durch das Mittelfeld, während der FC tief stand, auf Balleroberungen lauerte.

          „Mutig Männer, mutig“

          „Mutig Männer, mutig“, rief der extrem agile, mitunter aber etwas überdrehte Amine Harit Mitte der ersten Halbzeit, und das führte zu Strafraumpräsenz. Harit (26.) und Mark Uth (27.) kamen zu gefährlichen Abschlüssen. Aber auch die Kölner hatten ihre Angriffe und erspielten sich nach rund einer halben Stunde eine Flut an Ecken, von denen eine zum 0:1 führte. Am langen Pfosten schloss Dominick Drexler eigentlich zu ungenau ab, aber Rafael Czichos warf sich in den Ball und köpfte den ersten Kölner Treffer nach 516 Minuten ohne Tor (31.).

          In den 25 Minuten danach zeigte sich dann, wie fragil das Schalker Konstrukt nach all den bitteren Erfahrungen des Jahres 2020 noch ist. Der Spielaufbau wurde ungenauer, Köln kam zu mehreren gefährlichen Kontern. Es war nun ein unterhaltsames Fußballspiel ein Kampf auf tiefem Boden. Das Spiel sei „hin und hergeschwankt“, sagte der Kölner Trainer Markus Gisdol. Matthew Hoppe, der Schalker Stürmer der Stunde, hatte kurz vor der Pause noch eine gute Chance, agierte aber zu unentschlossen vor Kölns Torhüter Timo Horn.

          In diesem Moment stellte sich die Frage, was wohl Klaas-Jan Huntelaar mit dieser Möglichkeit angefangen hätte. Am Tag vor der Partie war ja die Rückkehr der königsblauen Sturmlegende ins Revier beschlossen worden. Doch an diesem Abend fehlte der 37 Jahre alte Niederländer noch im Kader, weil er leichte Wadenprobleme auskurieren musste. „Ich habe ihm gesagt, er soll sich als Coach fühlen heute“, hatte Gross vor dem Anpfiff über seinen Neuzugang gesagt, der ja nicht nur fußballerische Qualität, sondern auch Zuversicht ins Team hineintragen soll. In der Halbzeit hielt er eine kleine Ansprache in der Kabine.

          Huntelaars Worte wirken

          Offensichtlich haben Huntelaars Worte auf seinen künftigen Sturmpartner Hoppe gewirkt. Zunächst hatten die Schalker noch viel Glück, als Matija Nastasic bei einer Rettungsaktion den eigenen Pfosten traf (54.). Doch drei Minuten später kam Hoppe begünstigt durch eine nachlässige Abwehraktion von Sava Cestic an den Ball und traf aus sieben Metern zum 1:1. Es war der fünfte Treffer des Amerikaners in den jüngsten drei Partien. Der Ausgleich hatte einen verblüffenden Effekt. Plötzlich spielte Schalke wieder mutig und überlegen, während die Aktionen der Kölner von einer wachsenden Verunsicherung geprägt waren. Nur das Siegtor fehlte. „Wenn wir so weiterspielen, wie in der zweiten Halbzeit, kommen wir da raus“, sagte Huntelaar am Ende.

          Die Kölner hatten sich mit aller Kraft gegen den Schalker Sturmlauf gewehrt und setzten in der dritten Minute der Nachspielzeit den entscheidenden Konter. „Das wird der Mannschaft richtig gut tun“, sagte Gisdol, während die Schalker Wunden lecken müssen und nun bereits acht Punkte Rückstand auf den Konkurrenten aus Köln haben. Huntelaar, der am Sonntag gegen den FC Bayern sein Debüt geben wird, versuchte am Ende eines sehr emotionalen Abends dennoch einen nüchternen Blick in die Zukunft zu werfen: „Jetzt sind 17 Spiele vorbei und jetzt kommen die nächsten 17 Spiele.“ Noch wird gehofft beim FC Schalke.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Impfzentrum in Trier im Februar.

          Ungenutzter Corona-Impfstoff : Macht Gerechtigkeit beim Impfen Deutschland langsam?

          Die Kühlschränke der Impfzentren sind voll, doch die Impfquote bleibt mäßig. Wie stark bremst das Ziel der gerechten Impfstoffverteilung Deutschland gerade aus? Die Situation in den Bundesländern ist sehr unterschiedlich.
          Die Vorläufer der Greensill Bank sitzen seit 1927 in Bremen

          Finanzhaus Greensill in Not : Zitterpartie für deutsche Sparer

          Eine britisch-australische Finanzgruppe hat auch von deutschen Privatanlegern viel Geld erhalten. Nun gerät Greensill Capital in Schieflage – und beantragt Insolvenzschutz. Sparer sollten wissen, was auf sie zukommt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.