https://www.faz.net/-gtm-9twd2

Schalke besiegt Frankfurt : Für die Eintracht wird es ungemütlich

  • -Aktualisiert am

Mit Rot vom Feld: Alexander Nübel (hinten) nach seinem Foul an Frankfurts Mijat Gaćinović Bild: dpa

Schalke gewinnt gegen Frankfurt, verliert dabei aber zwei Spieler. Torhüter Nübel sieht nach einem Extremfoul Rot, zuvor wird der verletzte McKennie vom Feld getragen. Auch Eintracht-Profi Gaćinović muss ins Krankenhaus.

          3 Min.

          Es ist erst wenige Monate her, als Fredi Bobic eine Botschaft formulierte, die nicht jedem nachvollziehbar erschien. Auf die Frage, was sich die Eintracht für diese Saison des abermaligen Umbruchs vorgenommen habe, antwortete der Sportvorstand, dass es das vordringlichste Ziel sei, eine sorgenfreie Spielzeit zu absolvieren und sich früh fernab der Abstiegsränge einzuordnen. Das klang für einen Klub, für den es bis dahin seit Mitte 2016 stetig aufwärts ging und der im Mai bis ins Halbfinale der Europa League vorgestoßen war, nach Understatement.

          Bundesliga

          Nun, kurz vor Weihnachten, sieht es so aus, dass Bobic mit seinem zurückhaltend anmutenden Wunsch im Spätsommer die Dinge realistisch einschätzte. In der Fußball-Bundesliga sind die Hessen ein gutes Stück von den Spitzenrängen, die sie vor einem Jahr belegten, entfernt. Und zum Abschluss des 15. Spieltags verringerte sich der Abstand zum Tabellenkeller weiter. Mit dem 0:1 beim FC Schalke konnte Adi Hütters Auswahl ihre Ausbeute von 18 Punkten nicht verbessern und verharrte auf dem zwölften Platz. Schalke indes geht als Tabellenvierter vor dem FC Bayern München in die Englische Woche zum Jahresende – allerdings mit großen Defensivsorgen. In Aushilfs-Verteidiger Weston McKennie verloren die Gelsenkirchener einen weiteren Defensivspieler durch eine Verletzung, er kugelte sich die Schulter aus.

          Mit der nächsten Frankfurter Niederlage wurde die Serie der erfolglosen Liga-Spiele auf fünf verlängert. Jetzt bleiben in der abschließenden Englischen Woche nur noch zwei Gelegenheiten, die sportliche Situation so zu verbessern, dass nach der Winterpause die Rückrunde mit neuem Optimismus angegangen werden kann. An diesem Mittwoch präsentiert sich die Eintracht letztmals vor den Ferien vor eigenem Publikum gegen den 1. FC Köln, ehe am Sonntag beim SC Paderborn der Abschluss eines bewegten Jahres ansteht, in dem die Eintracht mit dann 53 Pflichtpartien ungewohnte Strapazen zu bewältigen hatte, die viele aus ihrem Kreis an die Grenze der Belastbarkeit führte. „Wir sind müde“, sagte Djibril Sow ehrlich.

          In der Arena auf Schalke reagierte Hütter vier Tage nach dem ernüchternden Abschluss der Gruppenphase in der Europa League (2:3 gegen Guimarães) mit sechs Veränderungen in der Startelf; vergleichbar umfassende Umbauarbeiten hatte es zuvor in dieser Saison noch nicht gegeben. Die Nominierung von Bas Dost, Lucas Torro und Timothy Chandler fiel besonders auf.

          Der holländische Angreifer war seit seiner Verpflichtung im August permanent mit Muskelbeschwerden ausgefallen, seine Rückkehr war eigentlich frühestens für Januar vorgesehen. Doch seine Behandlung bei Spezialisten schlug schneller an als gedacht und bereits nach einer kurzen Übungseinheit mit den Kollegen entschied sich Hütter dafür, ihn dem Duo André Silva/Gonçalo Paciência vorzuziehen.

          Dost mühte sich über die komplette Spielzeit, viel glückte ihm nicht. Für den ins zweite Glied abgerutschte Torro war es erst der dritte Einsatz in der Hinrunde, während es für Chandler zur Bewährungsprobe kam, nachdem er in der Liga bis dahin zuletzt im Oktober ran durfte. „Viel Aufwand, wenig Ertrag. So kann man es zusammenfassen“, sagte Chandler hinterher. „Wir wollten unbedingt punkten, aber im letzten Drittel hat ein bisschen was gefehlt.“ Sow klang in seiner Bewertung ebenso eindringlich: „Im Moment fehlt uns völlig die Leichtigkeit. Wir stecken in einer schwierigen Phase.“

          Ihre erkennbare Absicht, zunächst die Reihen dicht zu halten und den Schalkern durch ein massiertes Mittelfeld das Vorwärtskommen zu erschweren, trug nicht zu einem die Zuschauer mitreißenden Spektakel bei, erfüllte anfangs den gewünschten Zweck: Die erste Halbzeit überstand die Eintracht ohne Gegentor. Wobei sie kurz vor der Pause, als sich feststellen ließ, dass auch den ersatzgeschwächten Gelsenkirchener beizukommen ist, wenn es schnell geht, ihre Zurückhaltung ablegte. Almamy Touré scheiterte mit einem Kopfball (39.) und Mijat Gaćinović setzte die Kugel ans Außennetz (45.). Auch bei einem strammen Schuss von Filip Kostic nach dem Seitenwechsel hielten die Schalker Anhänger die Luft an (50.), ehe es für sie kurz darauf Grund zum Jubeln gab.

          Eindeutige Entscheidung: Schiedsrichter Felix Zwayer schickt Schalkes Alexander Nübel (links) vom Feld.

          Ein Ballverlust von Touré, der zum Sololauf Richtung Mittellinie ansetzte und ausgebremst wurde, leitete das 1:0 ein: Amine Harit bediente Benito Raman, der an Frederik Rönnow vorbei einschob (53.). Ein Foul des Schalker Torwarts Alexander Nübel, der Gaćinović beim Rauslaufen ohne Rücksicht auf Verluste umcheckte, ahndete Referee Felix Zwayer mit der Roten Karte für den Übeltäter (67.). „Das war ein fürchterliches Foul“, sagte Hütter. In der anschließenden Überzahl gelang es den Frankfurtern nicht, das Blatt zu wenden, lediglich der eingewechselte Erik Durm besaß eine passable Möglichkeit (87.).

          „Das Ergebnis ist enttäuschend“, bilanzierte Rönnow. Mit einem Akteur mehr auf dem Rasen „hätten wir mehr Chancen kreieren müssen“, meinte der Däne selbstkritisch. Die Einschätzung, dass die Eintracht in der Krise stecke, wollte er nicht teilen. „Klar ist aber, dass wir es besser machen müssen. Gegen Köln und Paderborn brauchen wir sechs Punkte“, legte Rönnow die Latte ungeachtet der angespannten Lage hoch. Ob Gaćinović mithelfen kann, dass es zu einem Happy End 2019 reichen wird, ist nicht absehbar. Er erlitt ersten Erkenntnissen nach eine schwere Rippenprellung, wie in Gelsenkirchen im Krankenhaus diagnostiziert worden war. „Aber wir müssen wohl ein oder zwei Tage warten, bis wir eine klare Diagnose haben“, meinte Eintracht-Coach Hütter.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Von wegen sibirische Kälte: So weichen die mittleren Temperaturen im bisherigen Januar 2020 vom Mittelwert 1981 bis 2010 ab.

          Kalte Jahreszeit : Winterhitze

          Vergangene Woche war es zwar endlich etwas kälter, doch mit einem richtigen Winter wird es in diesem Jahr wohl nichts mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.