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1:1 gegen Hannover : Rückschlag für Schalke, Pfiffe für Goretzka

  • -Aktualisiert am

Leon Goretzka musste sich Pfiffe anhören beim Remis gegen Hannover. Bild: dpa

Der Empfang für den Nationalspieler, der zu den Bayern geht, fällt „auf“ Schalke frostig aus. Dazu gibt sich der Chef des Aufsichtsrats beleidigt. Und sportlich läuft es auch enttäuschend für die Königsblauen.

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          Für Leon Goretzka war es ein überaus anstrengender Abend, auch wenn er nur gut eine Stunde lang auf dem Rasen seinen Dienst verrichtete. Am Tag vor dem 1:1 gegen Hannover 96 hatte der FC Schalke 04 bekannt gegeben, dass der Nationalspieler zur nächsten Saison ablösefrei zum FC Bayern München wechseln würde. Wie zu erwarten war, fiel der Empfang des Mittelfeldstrategen in der Gelsenkirchener Arena frostig aus. Viele Fans des Revierklubs ließen ihrer Wut über die Entscheidung des Zweiundzwanzigjährigen freien Lauf. Aber Goretzka zeigte sich robust und versuchte, das Missfallen auszublenden, das ihm entgegenschlug. Natürlich sei es für ihn „kein normales Fußballspiel“ gewesen, sagte er, „da brauche ich mich selbst und andere nicht zu belügen. Wenn die eigenen Fans einen auspfeifen, tut das natürlich weh. Aber im Großen und Ganzen hat es sich im Rahmen gehalten, und die Mannschaft hat sich nicht ablenken lassen.“

          Bundesliga

          In Anlehnung an eine Zeile aus dem Vereinslied „Blau und Weiß, wie lieb‘ ich dich“ hatten verärgerte Anhänger ein Transparent aufgehängt, das mit einer rhetorischen Frage die Haltung vieler Anhänger ausdrückte. „1000 Freunde im Stich gelassen für emotionslose Titel und oberflächliche Lackaffen?“ Manche Schalker könnten offenbar sogar damit leben, wenn Goretzka den Klub noch während der Transferperiode dieses Winters verließe. „Weder Kohle noch Titel sind mehr wert als unser Verein! Wer das nicht schätzt, kann sich sofort verpissen!“, stand auf einem riesigen Spruchband zu lesen.

          In diese Richtung war auch eine Äußerung des Schalker Aufsichtsratsvorsitzenden gegangen. „Meine erste Reaktion war, dass er das Trikot von Schalke 04 nicht mehr tragen sollte. Aber es geht nicht um mich. Die Ideallinie wäre ja, dass Leon die Rückrunde seines Lebens spielt, wir Zweiter in der Liga werden und das Pokalfinale erreichen““ hatte Clemens Tönnies am Sonntagvormittag in einer Talkshow des Privatsenders Sky gesagt. „Da stecke ich auch zurück. Mir geht es um Schalke 04 und nicht um Leon Goretzka. Wir müssen nun das Beste für Schalke tun.“

          Einmal in Rage spielte Tönnies im Studio verschiedene Szenarien für den Fall durch, dass Goretzka von der skizzierten Ideallinie abweichen sollte. „Wenn es für die Mannschaft besser ist, dann kann es auch sein, dass Leon Goretzka bis zum Ende der Saison auf der Tribüne sitzt“, sagte Tönnies. Denkbar wäre auch, den Wechsel noch in der aktuellen Transferperiode vorzuziehen, falls die Bayern sich die vorzeitige Freigabe einiges kosten ließen. Christian Heidel, der Sportvorstand des FC Schalke hatte am Freitag gesagt, er würde den Hörer abnehmen, falls Karl-Heinz Rummenigge ihn deswegen anrufe. Vor dem Anpfiff zeigte sich Heidel allerdings überzeugt davon, dass Goretzka bis zum Ende der Saison mit vollem Einsatz für Schalke spielen. „Wir freuen uns, wenn er noch 16 überragende Ligaspiele und das eine oder andere gute Pokalspiel macht. Er kann zu Bayern München wechseln, das steht nicht unter Strafe.“

          „Weder Kohle, noch Titel sind mehr Wert als unser Verein! Wer das nicht schätzt, kann sich sofort verpissen“: Schalker Plakat gegen Goretzka. Bilderstrecke

          Die Reaktionen der vergangenen Tage und die Pfiffe, die fast jeden Ballkontakt des künftigen Bayern-Profis begleiteten, lassen darauf schließen, dass Goretzka für den Rest der Saison mehr geduldet als geschätzt ist. Noch ist er jedenfalls da – und kann seiner Mannschaft durchaus nützlich, wie sich unmittelbar vor dem Führungstor gegen Hannover zeigte. Als energischer Zweikämpfer setzte Goretzka sich gegen Matthias Ostrzolek durch und ermöglichte mit einem Körpereinsatz am Rande des Erlaubten Schalke den Angriff, den Marko Pjaca, Leihspieler von Juventus Turin, nach einem Steilpass von Amine Harit mit seinem ersten Bundesligator vollendete (16. Minute).

          Trainer Domenico Tedesco vertraut Goretzka weiterhin und nominierte den Mittelfeldmann nach dessen Verletzungspause zum ersten Mal wieder für die Startelf. Nach 63 Minuten war der Auftritt beendet. Er wurde gegen Weston McKennie ausgetauscht, und seine Mitspieler versuchten ohne ihn, den knappen Vorsprung zu verteidigen. Das gelang ihnen jedoch nicht. Am Ende zahlte sich die Hartnäckigkeit der Hannoveraner dank des späten Treffers von Niclas Füllkrug (86.) aus, der den Spielverlauf durchaus angemessen spiegelte. Schalke verpasste den Sprung auf Platz zwei, bleibt aber ein Kandidat für die Champions-League-Qualifikation. Auch zur Freude von Leon Goretzka. Er kündigte an, sich bis zum Schluss für Schalke „zu zerreißen“.

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