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Bundesliga-Relegation : Bloß nicht arrogant werden

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Die Spieler des VfL Wolfsburg sind bereit für das erste Relegations-Spiel gegen Holstein Kiel. Bild: dpa

Der teure Kader des VfL Wolfsburg wirkt im Gegensatz zu dem von Holstein Kiel wie eine lose Ansammlung von Berufskollegen. Dennoch schwören sich die Wölfe auf die beiden Partien ein. Das war in den vergangenen Tagen nicht immer so.

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          Kurz vor dem zweiteiligen Finale stapeln sich die Einsichten, was man alles besser machen könnte. „Wir haben ein paar Spiele abgeschenkt“, sagt zum Beispiel Cheftrainer Bruno Labbadia zur Misere des VfL Wolfsburg. „Unter dem Strich“, sagt Aufsichtsratschef Frank Witter, „ist nicht alles gut und richtig gewesen, was bei uns in der vergangenen Zeit passiert ist.“ Vielleicht reifen die selbstkritischen Ansätze gerade noch rechtzeitig, um den Abstieg aus der Fußball-Bundesliga zu verhindern.

          Bis vor ein paar Tagen waren beängstigend viele Spieler und Offizielle beim VfL immer noch der Meinung, man müsse sich gar nicht mit einem Rivalen wie Holstein Kiel beschäftigen. Wenn an diesem Donnerstag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga-Relegation und im Eurosport-Player sowie bei Eurosport 2 HD Xtra) in Wolfsburg das erste Relegationsspiel um den Klassenverbleib ansteht, wird sich zeigen, wie ernst das Bedürfnis nach Besserung und Aufarbeitung geworden ist.

          Viereinhalb Tage hatten die Profis des VfL Wolfsburg seit dem letzten Spieltag Zeit, um sich einen Spiegel vorhalten zu lassen. Während Außenseiter Holstein Kiel ständig dafür gelobt wird, dass sein Team bestens eingespielt und ein eingeschworener Haufen sei, wirkt der teure Spielerkader der Niedersachsen wie eine lose Ansammlung von Berufskollegen.

          Es gibt wenige Gründe, sich besser als Kiel zu fühlen

          Sich darauf einzulassen, dass Überstunden gegen einen frechen Herausforderer anstehen, fällt nicht leicht. Die Bereitschaft, sich mit Holstein im Detail auseinanderzusetzen, musste erst noch reifen. „Wir dürfen nicht arrogant sein“ – für die mit Abstand wichtigste Kernaussage beim VfL Wolfsburg war in diesen Tagen Mittelfeldspieler Joshua Guilavogui zuständig. Der Franzose ist ein energischer Abräumer vor der Abwehr und zugleich für die gute Stimmung in der Umkleidekabine zuständig. Aber Guilavogui klingt derzeit ausgesprochen ernst – als ob er signalisieren will, dass es wenig Gründe dafür gibt, sich größer und besser als der Konkurrent aus Kiel zu fühlen.

          Der VfL Wolfsburg kann nach mehreren Monaten mit verletzungsbedingten Ausfällen und dem Amtsantritt des dritten Trainers innerhalb einer Saison auf wenig Eingespieltes und Selbstverständliches zurückgreifen. Seine Spieler waren angesichts der Unruhe in ihrem Verein so stark mit sich selbst beschäftigt, dass tiefgründige Recherchen über die zweite Liga und den Höhenflug von Aufsteiger Kiel zwangsläufig vernachlässigt worden sind.

          „Ich habe nichts davon gesehen. Nur ein paar Spiele habe ich mitgekriegt“, sagte zum Beispiel Innenverteidiger Robin Knoche kurz nach dem 4:1-Heimsieg gegen den 1. FC Köln, der den Gang in die Relegation ermöglichte. Inzwischen hat sich an seinem Wissensstand und dem der Teamkollegen wie im Fall des völlig ahnungslosen Belgiers Divock Origi Grundlegendes geändert. „Meine Spieler wissen jetzt, wer Holstein Kiel ist. Dass es eine sehr eingespielte Mannschaft mit guten Automatismen ist“, versichert Trainer Labbadia.

          Und was ist der VfL? Die Wolfsburger sind der Favorit. Sie bringen die nötige Erfahrung aus dem Vorjahr mit, als die Relegation gegen Eintracht Braunschweig unbeschadet überstanden wurde. Mehr als 25 000 Zuschauer werden zum ersten Kräftemessen mit den Kielern erwartet. Mit einem ausverkauften Stadion ist nach einer sehr ernüchternden Saison 2017/18 eher nicht zu rechnen. Echte Vorfreude auf das kniffligste Heimspiel des Jahres bleibt in Wolfsburg verborgen. „Die Relegation“, so stuft es Abwehrspieler Knoche nüchtern und sachlich ein, „macht nie Spaß.“

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