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Karlsruher SC : Badisches Bollwerk

Torgarant: Rouwen Hennings hat bislang 17 Treffer erzielt. Bild: dpa

Der Karlsruher SC gibt sich selbstbewusst vor dem Relegationsspiel in Hamburg: Für den Dritten der Zweiten Liga soll es eine Reise in die Zukunft werden. „Irgendwann ist der HSV fällig.“

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          „Das wird ein Highlight für uns alle“, sagt Markus Kauczinski und verspricht: „Wir werden voll da sein.“ Am Mittwoch sind der Karlsruher Trainer und seine Mannschaft mit dem Zug nach Hamburg gefahren. Der KSC, glücklicher Dritter der zweiten Liga, will es wissen. In zwei Spielen gegen den Hamburger SV - das erste an diesem Donnerstag (20.30 Uhr / ARD, Sky und im Bundesliga-Liveticker von FAZ.NET) in Hamburg, das zweite am Montag daheim im Wildpark (19 Uhr) - haben es die Badener in der Hand, den Bundesliga-Dino zum ersten Mal seit 52 Jahren aus der erste Liga zu kicken und selbst in den Kreis der 18 besten Mannschaften zurückzukehren, nach sechs langen Jahren in Liga zwei und drei.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Für Jens Todt, seit 2013 Sportdirektor der Karlsruher, ist Hamburg eine Reise in die Vergangenheit, dort hatte er die ersten Schritte in eine Management-Karriere gemacht, als er 2008 die Leitung der Nachwuchsabteilung des HSV übernahm. Es war Dietmar Beiersdorfer, der jetzige Hamburger Sportchef, der ihm den Wiedereinstieg ins Profigeschäft ermöglichte. Todts Fahrt in die Vergangenheit soll für die Karlsruher zur Reise in die Zukunft werden. Trainer Kauczinski hat vor der ersten Partie darauf verzichtet, auf der Außenseiterrolle seiner Mannschaft herumzureiten. Warum auch? „Der HSV hat die besseren Einzelspieler“, sagt er, „aber wir haben eine gute und gefährliche Mannschaft.“ Auch aus dem schieren Größenunterschied der beiden Klubs - strukturell und finanziell - leitet der KSC-Trainer einen Vorteil für sein Team ab: „Wir haben viel zu gewinnen“, sagt er. „Und Hamburg hat viel zu verlieren.“

          Kauczinski hat seine ersten Sporen als Nachwuchstrainer beim FC Schalke 04 verdient, seit 14 Jahren arbeitet er beim Karlsruher SC, querbeet von der B-Jugend über die U 23 bis hin zu den Profis. Der 45-Jährige gilt als bodenständig, frei von Allüren, als Vorarbeiter mit Gespür auch für den technischen Fußball. Kauczinski ist unter den Karlsruher Anhängern beliebt, ein gern gesehener Mann, gerade jetzt, da es im Finale um alles oder nichts geht, um Liga eins oder zwei. „Die Begeisterung in Karlsruhe ist groß“, sagt der Trainer. „Es ist schön, dass die Stadt und die Leute hinter uns stehen - so ist alles möglich.“

          Der KSC ist eine selbstbewusste Truppe. Wie die Darmstädter, die als Zweiter direkt aufgestiegen sind, ziehen auch die Karlsruher ihre Stabilität und Sicherheit aus der Abwehr. In den 34 Zweitligaspielen der vergangenen Saison haben die Badener nur 26 Tore kassiert, Bestwert der Liga gemeinsam mit Darmstadt 98. Torhüter Dirk Orlishausen ist Kapitän und letzte Abwehrinstanz einer straff organisierten, taktisch gut eingestellten und kampfstarken Defensive, die den KSC nebenbei auch zur besten Auswärtsmannschaft der Liga gemacht hat.

          Die Unterstützung der eigenen Anhänger ist dem Karlsruher SC sicher.

          Kauczinski hat ein charakterstarkes Team zusammengebastelt, das nicht nur in Fragen der Selbstverteidigung überzeugende Antworten zu bieten hat, sondern auch spielerisches Potential besitzt. Der Japanar Hiroki Yamada und Reinhold Yabo können an guten Tagen einen feinen Ball im Mittelfeld spielen, und in vorderster Linie werkelt mit Rouwen Hennings ein robuster Angreifer mit Erstligaformat, seine Zweitligabilanz in dieser Saison: 17 Tore in 27 Einsätzen. Ironie der Relegation: Hennings ist in der Jugendabteilung des HSV groß worden und dort später für nicht gut genug befunden worden. Was den Karlsruhern Sorge macht: Hennings‘ Einsatz an diesem Donnerstag ist gefährdet. „Er hat eine Einblutung im Sprunggelenk, das ist schmerzhaft. Wir müssen, schauen, ob es geht“, sagt Kauczinski.

          Ob mit oder ohne ihren Torjäger - die Karlsruher kommen nicht als Zweitligamäuschen nach Hamburg, sondern mit breiter Brust. „Es ist an der Zeit, dass wir dem HSV die Bundesliga-Uhr abstellen“, sagt Verteidiger Philipp Marx. Das Rückspiel am Montag ist mit 27.000 Zuschauern längst ausverkauft. Das Schlusswort hat Kapitän Orlishausen: „Irgendwann ist der HSV fällig. Warum nicht jetzt?“

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