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Enttäuschung in der Relegation : Bremen steht im Regen

  • -Aktualisiert am

Durchnässt und ohne den erhofften Erfolg: Bremens Trainer Florian Kohfeldt beim Relegations-Hinspiel Bild: dpa

Gegen den Zweitligaklub 1. FC Heidenheim findet Werder im Hinspiel der Relegation kein Erfolgsrezept. Im alles entscheidenden Rückspiel droht dem Bundesliga-Traditionsverein nun ein Debakel.

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          Erstliganiveau besaß dieses Spiel der Nerven nur ganz selten. Dafür bekämpften sich Werder Bremen und der FC Heidenheim im ersten der beiden Relegationsspiele zumindest hingebungsvoll an diesem Donnerstagabend, nach dem alle wichtigen Fragen offen blieben. Die abwehrstarken Schwaben verdienten sich das 0:0 bei den in dieser Spielzeit extrem heimschwachen Norddeutschen, weil sie von vornherein furchtlos auftraten und Werder über neunzig Minuten in eine Vielzahl von Zweikämpfen verwickelten. Darüber verloren die Bremer ihre spielerische Linie mehr und mehr. Nach dem 0:0 im Hinspiel droht Werder beim Rückspiel an diesem Montag (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga-Relegation sowie bei DAZN und Amazon Prime) der zweite Bundesligaabstieg nach 1980.

          Bundesliga

          Eine Horrorvorstellung für die Fans des in ganz Deutschland beliebten Klubs, der auf eine miserable Saison zurückblickt. Andererseits ist Werder auswärts in dieser Spielzeit besser als bei den Auftritten im Weserstadion gewesen, und außerdem geht alles beim Stand von 0:0 weiter. Allerdings ohne den Bremer Kapitän Moisander, der in der 87. Minute die Gelb-Rote Karte sah. Ein weiteres Handikap für die Bremer auf dem Weg zum entscheidenden Spiel in Heidenheim.

          Bremens Trainer Florian Kohfeldt sprach anschließend von einem „schlechten Spiel“. Seine Mannschaft habe nicht den Plan umgesetzt. Trotzdem gab sich der Coach noch zuversichtlich: „Der einzige Vorteil ist, dass es 0:0 zur Halbzeit steht. Heidenheim hat kein Auswärtstor geschossen. Wir haben am Montag ein Finale. Wir müssen ein Auswärtstor schießen.“ So sah es auch Werder-Stürmer Niclas Füllkrug: „Wir können mitnehmen, dass wir heim schwach und auswärts stark sind.“ Zufrieden war dagegen Heidenheims Trainer Frank Schmidt, der von einer „sehr disziplinierten Leistung“ sprach. Es habe ein Rädchen ins andere gegriffen. „Wenn wir eins können, ist es hinfallen und wieder aufstehen. Das haben wir heute bestätigt. Mit Druck muss man umgehen können, das gehört dazu.“

          Alte Größe ist vergänglich

          Alte Größe ist vergänglich, und ein Duell mit einem heranwachsenden Gegner deshalb besonders tückisch, wenn es um zwei Zitterspiele geht. Hier der SV Werder: vor Jahren gesegnet mit vier deutschen Meisterschaften, sechs DFB-Pokalsiegen und einem Triumph im Europapokal der Pokalsieger – heute aber in höchster Absturzgefahr. Dort der aufstrebende FCH, unter Trainer Schmidt dreimal aufgestiegen, von der fünften in die vierte, von der vierten in die dritte und von der dritten Liga in die zweite Bundesliga. Während die Bremer sich am Samstag in einem letzten Bundesliga-Kraftakt durch den sehenswerten 6:1-Sieg über den 1. FC Köln fürs erste vor dem Absturz in die Zweitklassigkeit retteten, deuteten die Heidenheimer als Tabellendritte bei der 0:3-Niederlage in Bielefeld gegen den Zweitligameister Arminia nicht einmal ansatzweise so etwas wie Erstligaformat an.

          Der Fußball aber ist wetterwendisch und ein Tagesgeschäft, und so hatte Schmidt vor der Dienstreise zum ersten Relegationsspiel an der Weser gesagt: „Die Uhren sind auf Null gestellt, wir wollen die Sensation und wollen alles dafür probieren.“ Der seit 2007 am stetigen sportlichen Wachstum der Heidenheimer werkelnde Schwabe sprach sogar von einer „Lebenschance“ für seine Spieler, die er zu frischem Mut mit der Losung, „manchmal muss man das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen“, aufrief. Auf der anderen Seite registrierte dessen Bremer Kollege Florian Kohfeldt den späten Aufschwung seines Teams und die gegen Köln bestandene Nervenprobe zufrieden, beugte aber sogleich dem Gefühl vor, womöglich das Ärgste überstanden zu haben. Letztlich würden „keine taktischen Sachen entscheiden, sondern Mentalität, Intensität und die Bereitschaft, dem Druck stand zu halten“.

          Chancen kurz vor Schluss

          An der passenden Mentalität fehlte es in den ersten 45 Minuten vor allem den Heidenheimern nicht. Immer wieder verwickelten sie ihren noch höherklassigen Gegner in Pressingmomente und setzten Werder so konsequent zu, dass die Bremer so gut wie nie über harmlose Ballstafetten hinaus kamen. Stimmiger wirkte das aggressivere Auftreten des FCH in einem 3-3-2-2-System, durch das Räume vor dem eigenen Tor verdichtet und Platz für das Spiel nach vorn gefunden wurde. Nennenswerte Chancen aber bot der erste Durchgang nicht, weil sich hüben wie drüben die Lücke zum Torschuss nicht öffnete.

          Das setzte sich nach der Pause fort, so dass selbst der Himmel ob dieses mehr und mehr zerfaserten, minütlich niveauärmeren Spiels grollte und mit Donner, Blitz und Starkregen schauerliche Zeichen setzte. Die Nervosität bei Werder wuchs weiter, was eine Reihe von Fehlpässen belegten. Daraus erwuchs bis zum Ende keine wirklich befreiende Tat mehr, auch wenn die Bremer dann doch noch ihre Großchance hatten, als Heidenheims Keeper Kevin Müller den Ball nicht festhalten konnte. Der Schuss von Josh Sargent wurde aber knapp vor der Torlinie geklärt. Auf der Gegenseite setzte Timo Beermann einen Kopfball knapp neben das Tor.

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