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Bundesliga-Relegation : Nürnberger Relegationsexperten bleiben erstklassig

  • -Aktualisiert am

Nürnberg bleibt dabei: Der Club üebrsteht die Relegationsspiele gegen Augsburg Bild: dpa

Nachdem der 1. FC Nürnberg im Vorjahr über den Umweg aus der Zweiten Bundesliga aufgestiegen war, verteidigt der „Club“ nun seinen Besitzstand gegen den Zweitliga-Dritten. Dem 1:0 im Hinspiel lassen sie ein 2:0 in Augsburg folgen.

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          Der 1. FC Nürnberg ist so etwas wie der deutsche Relegationsmeister. Im Vorjahr schaffte er in diesen 2009 wiedereingeführten Hopp-oder-Topp-Duellen um den letzten freien Platz in der ersten Fußball-Bundesliga mit zwei lockeren Siegen über Energie Cottbus (3:0/2:0) den Aufstieg. Diesmal blieb der „Club“ nach zwei ungefährdeten Erfolgen über den Zweitligadritten FC Augsburg erstklassig und kassierte beim Nachsitzen aufs neue kein Gegentor.

          Dem 1:0 im Hinspiel daheim ließ der Erstliga-Sechzehnte am frühen Sonntagabend ein 2:0 in Augsburg nach Treffern von Gündogan (34. Minute) und Choupo-Moting per Foulelfmeter (63.) folgen. Die in beiden Spielen bessere Mannschaft profitierte zusätzlich vom Platzverweis für den FCA-Linksaußen Traoré, der nach einer Tätlichkeit die Rote Karte sah (56.). Ein Abgang, der symbolisch war für den nervenschwachen Herausforderer, der in beiden Spielen nie zu seinem in der zweiten Liga gefürchteten Angriffsfußball fand.

          Die Nürnberger wahrten auch spielerisch den Klassenabstand - und das mit kühlem Kopf und heißen Herzen. 3000 mitgereiste Fans feierten ihre Mannschaft, aus der Ottl und Gündogan herausragten, frenetisch. Die Relegation, auf die der „Club“ anscheinend spezialisiert ist, möchte er ab sofort aber lieber anderen Klubs überlassen.

          Aufstiegsverbot für Augsburg: Traore (unten) sieht zudem Rot von Schiedsrichetr Gräfe

          Augsburg zu ängstlich

          Dem Nürnberger Trainer Dieter Hecking war von vornherein klar, worum es am Sonntag zuerst und immer wieder ging: um die besseren Nerven. „Jetzt“, sagte der coole Niedersachse voraus, „entscheidet der Kopf, nicht die Taktik. Die Mannschaft mit der größeren Siegermentalität wird am Ende feiern.“ Der FCA dagegen war diesmal anders als in Nürnberg gefordert, sein offensives Potential endlich zu zeigen. „Wir haben“, hob Trainer Jos Luhukay hervor, „mit 37 Heimtoren nach dem FC Bayern die meisten Heimtore im deutschen Profifußball erzielt“.

          Die bayrischen Schwaben, nur einmal im eigenen neuen Stadion besiegt, setzten diesmal auf Angriff und hofften dabei vor allem auf Treffer des Zweitliga-Torschützenkönigs Michael Thurk (23 Tore). Der löblichen Absicht ließen die Augsburger indes keine Taten folgen. Nürnberg bestimmte die erste Hälfte, in der der Klassenunterschied zwischen beiden Mannschaften jederzeit sichtbar war. Die „Club“-Abwehr stand en bloc sicher, Ottl und Gündogan prägten mit Übersicht und Ballgefühl die Aktionen im Mittelfeld, während der Dreimann-Angriff der Franken über ein paar zarte Offensivansätze nicht hinauskam.

          Der FCA dagegen, in der zweiten Liga gefürchtet, agierte überaus verkrampft und ängstlich. Torchancen gab es in den ersten 45 Minuten keine, dafür viele Szenen, in denen die Augsburger ihre Nervosität mit Härte zu überspielen versuchten. Das Unterfangen Aufstieg rückte in der 34. Minute in weite Ferne, als der 19 Jahre alte Gündogan, ein Deutsch-Türke aus der Fußball-Metropole Gelsenkirchen, nicht angegriffen wurde, einige Meter mit dem Ball am Fuß Anlauf nahm und dann aus 25 Metern das 1:0 für den 1. FC Nürnberg erzielte. Der ersehnte Klassenverbleib war jetzt ganz nah, sozusagen auf Sichtweite.

          „Nie mehr zweite Liga“

          Drei Tore musste die Elf von Luhukay nun schon erzielen, wollte sie die nach der Europapokal-Arithmetik ausgetragene Relegation (Auswärtstore zählen doppelt) noch zu ihren Gunsten wenden. Doch statt sich auf das eigene Spiel zu besinnen, blieb der Zweitligadritte auch nach dem Wechsel hektisch, fahrig, panisch. Ibrahima Traoré, der am Ball auffälligste Kicker des FCA, fiel auch noch aus der Rolle, als er sich gegen Judt eine Tätlichkeit erlaubte. Da waren es dann nur noch zehn wackere Schwaben, nachdem Schiedsrichter Gräfe den gefrusteten Franzosen des Platzes verwiesen hatte (56.).

          Aufsteiger FC Augsburg? Davon träumten nun nicht einmal mehr die eingefleischten Fans unter den 31.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena. Dieser Sonntag wurde zu einem „Club“-Fest, das kein Augsburger mehr störte. Um so mehr, als Nürnberg nach Möhrles Foul an Choupo-Moting (62.) auch noch die Elfmeterchance zum 2:0 nutzte. Der Gefoulte schoss selbst, und diesmal besaß Jentzsch im Gegensatz zum Hinspiel, als er Bunjakus Strafstoß parieren konnte, keine Chance zum Eingreifen. Das Lied, das anschließend zum Hit wurde, kam aus dem Nürnberger Fanblock. „Nie mehr zweite Liga“, sangen die Anhänger des Traditionsklubs aus vollem Herzen. Zumindest in der kommenden Saison hat der „Club“ nichts zu tun mit dem Profifußball der zweiten Kategorie, während der FC Augsburg noch einmal den beschwerlichen Aufstieg nach oben in Angriff nehmen muss.

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