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Bundesliga-Relegation : Lasogga rettet den Hamburger SV

Der Matchwinner heißt Lasogga Bild: REUTERS

Der HSV rettet sich mit Ach und Krach und einem Tor von Mittelstürmer Lasogga in ein weiteres Jahr Bundesliga-Fußball. Nur das Auswärtstor lässt den Dino leben.

          3 Min.

          Es war ein Nervenspiel bis zur letzten Sekunde. Und als der Hamburger SV es tatsächlich überstanden hatte, packten die Profis ihre letzten Energien in einen Sprint in Richtung ihrer Fans und ließen ihrer Freude freien Lauf, wie noch nie in dieser Saison. Vor der Hamburger Bank kam es zu Rangeleien, an denen Pierre-Michel Lasogga seinen Anteil hatte. Der Angreifer war zuvor schon als Provokateur in Erscheinung getreten. Aber eben auch als Torschütze und somit personifizierte Überlebensgarantie des HSV im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga.

          Nach dem 1:1 bei der Spielvereinigung Greuther Fürth läuft die Bundesliga-Uhr der Hamburger also auch im 52. Jahr weiter. Eigentlich hatten die Zeichen ja schon auf Demontage gestanden. Aber ein beachtliches Lebenszeichen aus dem fernen Fürth sorgte dafür, dass diese Saison nicht mit dem ersten Abstieg des Liga-Gründungsmitglieds endete. Lasogga (14. Minute) brachte die Hamburger am Sonntag früh auf Kurs. Nach dem Ausgleich durch Stephan Fürstner (59.) war dann noch einmal erhebliches Zittern angesagt, doch alles in allem war zumindest das Remis in Fürth verdient – und was davor war, interessierte nun wirklich keinen Hamburger in diesem Moment. HSV-Abwehrspieler Heiko Westermann sagte: „Ich kann so eine Saison nicht noch mal mitmachen, sonst bin ich Selbstmord gefährdet. Wir haben wahnsinniges Glück gehabt.“

          Zur Ruhe kommen allerdings wird der HSV erst einmal nicht. Am kommenden Sonntag steht die Mitgliederversammlung auf der Agenda, bei der das Reformkonzept „HSVplus“ verabschiedet werden soll: mit einer Ausgliederung der Profiabteilung, der Öffnung für Investoren – und letztlich auch personellen Veränderungen in den leitenden Funktionen. Eine Dreiviertel-Mehrheit ist dafür nötig. Die Mannschaft aber soll weitgehend beisammen bleiben, auch wenn der hoch verschuldete HSV gegenüber der Deutschen Fußball Liga einen Überschuss von rund zehn Millionen Euro als Bedingung für die Lizenz erhalten hat. Es ist gerade nochmal gutgegangen, und man darf gespannt sein, ob man in Hamburg die Signale dieser Schreckenssaison nicht nur gehört, sondern auch wirklich verstanden hat. Erneuerung, ob mit oder ohne die Millionen des Unternehmers Klaus-Michael Kühne ist jedenfalls nötig, soll nicht alsbald wieder ein ähnliches Szenario drohen.

          Ein einziges Törchen von Lasogga reicht dem HSV (Mitte)

          Nach hitzigen zehn Minuten zu Beginn ließ sich sagen, dass die Hamburger viel besser im Spiel waren als die Franken. Westermann, Jansen und Arslan begannen für Mancienne, Tesche und Rincon. Es war angesichts der Vorgeschichte überraschend, wie stabil das HSV-Team insgesamt wirkte. Mit einer ordentlichen Struktur, präsent in den Zweikämpfen, und vor allem ohne das Nervenflattern aus dem Hinspiel. Diesmal wirkten eher die Fürther etwas nervös angesichts der großen Chance, die sich ihnen bot. Die 14. Minute dann raubte Beteiligten und Beobachtern den Atem. Nach Vorarbeit von Lasogga schoss Calhanoglu aus halbrechter Position - Pfosten. Jansens Nachschuss, mindestens genauso gefährlich, entschärfte Torwart Hesl. Was folgte, war ein Eckball. Bei dem wirkte die Fürther Defensive noch nicht wieder ganz bei Sinnen - Lasogga konnte den von van der Vaart getretenen Ball einköpfen. Befreiender Jubel erfüllte den HSV und seinen Anhang.

          Auch danach behielten die Hanseaten weitestgehend die Kontrolle gegen die am Donnerstag noch so forschen, diesmal aber fahrigen Fürther. Nach einer knappen halben Stunde bangten alle um die Gesundheit von Johan Djourou. Der Hamburger war mit Azemi im Luftduell zusammengeprallt und lag minutenlang regungslos am Boden, ehe er vom Platz getragen wurde. Für ihn kam Mancienne. Wenig später war es Lasogga, der mit einem wuchtigen Schuss die Chance zum 2:0 hatte, aber Hesl parierte. Erst in den letzten Minuten vor der Pause spielten sich dir Fürther die Last von der Seele und kamen ihrerseits zu den ersten beiden guten Möglichkeiten durch Azemi und Weilandt.

          „Mit Glück und Geschick“

          Nach der Pause sah es zunächst nach geklärten Verhältnisse aus. Hesl verhinderte gerade noch so Lasoggas zweiten Treffer. Doch ein Geistesblitz der Fürther änderte noch einmal alles. Nach klugem Zuspiel von Stieber vollendete Fürstner zum 1:1. Und jetzt war es Adrenalin pur. Mit einem Mal wirkten die Franken wie befreit, die Hamburger hingegen verloren ihre Souveränität und zitterten sich mehr über die Runden, als dass sie noch aktiv gestalteten. Es war ein Krimi, in dem Fürth die letzte Durchschlagskraft und vielleicht auch Qualität fehlte, um doch noch den zweiten Treffer zu erzielen. HSV-Sportdirektor Kreuzer sagte gegenüber der ARD: „Das war eine schwere Geburt. Greuther Fürth war in der zweiten Halbzeit dominant, wir haben den Faden verloren. Mit Glück und Geschick haben wir es aber über die Bühne gebracht.“

          SpVgg Greuther Fürth - Hamburger SV 1:1 (0:1) / Hinspiel 0:0

          SpVgg Greuther Fürth: Hesl - Brosinski (88. Mudrinski), Mavraj, Röcker, Baba - Fürstner, Sparv (78. Sukalo) - Weilandt, Stieber - Djurdjic (72. Füllkrug), Azemi
          Hamburger SV: Drobny - Diekmeier, Djourou (31. Mancienne), Westermann, Jiracek - Badelj, Arslan (64. Rincón) - Calhanoglu, van der Vaart (75. Tesche), Jansen - Lasogga
          Schiedsrichter: Kircher (Rottenburg)
          Zuschauer: 17 500 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Lasogga (14.), 1:1 Fürstner (59.)
          Gelbe Karten: - / -

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