https://www.faz.net/-gtm-79fmf

Bundesliga-Relegation : Hoffenheim löst die Sache nach Standard-Methode

  • -Aktualisiert am

Geschafft! David Abraham (Mitte) köpft das 1:0 für Hoffenheim , später macht Vestergaard (2.v.r.) den Klassenverbleib klar Bild: REUTERS

Die Bundesliga ist wieder vollzählig: Als letzter Klub sichert sich Hoffenheim ein weiteres Jahr Erstklassigkeit. In der Relegation setzt sich der Bundesliga-Drittletzte gegen den Zweitliga-Herausforderer Kaiserslautern durch.

          3 Min.

          Von allen letzten Prüfungen, die man sich denken kann, gehörte  diese gewiss zu den unangenehmsten. Ein Spiel um alles oder nichts auf dem  Betzenberg, das ist bei aller Abgebrühtheit, die man sich als Fußballprofi so  aneignet, eine Form von Nervenkitzel, die es in sich hat. Und die man erlebt  haben muss, um wirklich zu wissen, wovon man redet.

          Wer dabei so kühlen Kopf  behält wie die TSG Hoffenheim am Montagabend und dabei sogar den Rückschlag  eines verschossenen Elfmeters überwindet, der darf sich dann völlig zu Recht  das Prädikat „bestanden“ dick ins Abschlusszeugnis setzen lassen. Das 2:1 im  Relegations-Rückspiel beim 1. FC Kaiserslautern brachte der Mannschaft von  Markus Gisdol nach dem 3:1 aus dem Hinspiel am Donnerstag tatsächlich das vor gar nicht so langer Zeit für nahezu unmöglich gehaltene Traumergebnis ein: den  Verbleib in der deutschen Eliteklasse. David Abraham (44. Minute) und Jannik  Vestergaard (74.) erzielten die Tore für die Hoffenheimer, die sich über beide  Spiele verdient durchsetzten, weil sie einfach über die weit größeren  spielerischen Mittel verfügen und sich unter Trainer Markus Gisdol auch mental  so stabilisiert haben, dass sie dem Abstiegskampf gewachsen waren. „Wir waren sehr fokussiert und wussten, was uns hier erwartet“, sagte Gisdol. „Wir sind über die zwei Spiele der verdiente Sieger.“

          Der Weg zur Sonne ist nur einem offen: Der Betzenberg rüstet sich fürs Relegationsspiel Bilderstrecke

          Bei den  vorbildlich rackernden aber alles in allem zu harmlosen Lauterer hatte Alexander Baumjohann mit seinem Ausgleichstor noch einmal für Hoffnung bei  gesorgt (65.) - mehr war aber war für den Zweitliga-Dritten bei aller  frenetischen Unterstützung des Publikums nicht drin. „Wir haben wieder zwei Standardtore bekommen und es vorne nicht geschafft, uns Chancen herauszuspielen“, sagte FCK-Kapitän Albert Bunjaku. „Das ist ganz bitter für den Verein und unsere Fans.“

          Die Hoffenheimer hätten das Ärgste sogar schon früher hinter sich bringen  können: als Sejad Salihovic in der 38. Minute zum Elfmeter antrat. Doch anders  als am letzten Ligaspieltag, an dem Salihovic gleich in doppelter Ausführung  vom Punkt getroffen und damit den 2:1-Sieg in Dortmund ermöglicht hatte, saß  sein Schuss diesmal nicht. Salihovic fand mit seinem durchaus ordentlichen  Versuch seinen Meister in Lauterns Torwart Tobias Sippel. Und mit dem  Ur-Schrei, der sich daraufhin auf den Rängen des Fritz-Walter-Stadions entlud,  schien für ein paar Minuten tatsächlich alles möglich.

          Doch nach Abrahams Tor  zum Hoffenheimer 1:0 kurz vor der Pause standen die Zeichen recht eindeutig auf  Vorteil für den Bundesliga-Sechzehnten.

          Jederzeit hitzig

          Die erste Hälfte bot so ziemlich das Spiel, das man erwarten durfte. Die  Lauterer betrieben erheblichen Aufwand, um - möglichst frühzeitig - zu einem  Wirkungstreffer zu kommen. Dabei aber sprang, wie schon im Hinspiel, trotz aller Mühen nicht allzu viel heraus. Lediglich ein Plus an Eckbällen konnte Fodas Mannschaft für sich verbuchen.

          Natürlich  ging es jederzeit hitzig zur  Sache, und Schiedsrichter Florian Meyer hatte einiges zu tun. Doch die  Hoffenheimer ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Im Spiel nach vorn  allerdings hielten sie sich lange Zeit vielleicht ein bisschen zu sehr  zurück. Der Spielzug, der zum Elfmeter führte, war der erste wirklich  sehenswerte Angriff der TSG. Über Johnson und Salihovic kam der Ball zu  Volland, der an Sippel vorbeizog und vom Lauterer Torwart von den Beinen geholt  wurde. Zu Recht gab es Elfmeter - mit dem bekannten Ergebnis. 

          Gisdols Aufbauarbeit

          Man konnte sich gut vorstellen, wie die Hoffenheimer noch vor ein paar Wochen  an so einer Szene zerbrochen wären. Doch mit der Mischung aus Selbstvertrauen  und Lockerheit, die sie sich dank Gisdols Aufbauarbeit und der daraus  resultierenden Erfolge angeeignet haben, hielten sie dem erhöhten Druck stand. Es folgten zwei Standards, die auf fast identische Weise zur Gefahr fürs  Lauterer Tor wurden. Beide Male trat Rudy den Freistoß scharf nach innen, beide  Male köpfte Salihovic und beide Male parierte Sippel - beim zweiten Mal jedoch  konnte er den Ball nicht festhalten, und der anstürmende Abraham vollendete aus  kurzer Distanz. 

          Nach der Pause ging es mit ähnlicher Intensität weiter. Beide Teams hätten gern  einen Elfmeter für sich gehabt, Lautern wegen einer Armberührung des Balles im  Strafraum, Hoffenheim wegen eines Zweikampfs, in dem Weis zu Boden ging. Doch  Meyer ließ beide Male weiterspielen. Als Volland frei vor Sippel auftauchte,  hätte die Sache für Hoffenheim erledigt sein können, doch wieder stellte sich  der Lauterer Torwart in den Weg. Nach gut einer Stunde sorgte der direkt  verwandelte Freistoß von Baumjohann noch einmal für einen Ausbruch der  Emotionen auf dem Betzenberg.

          Doch wieder antwortete Hoffenheim kühl: mit dem  Kopfballtor durch Vestergaard. „Ich habe das Gefühl, dass es der richtige Sieger ist“, sagte der Siegtorschütze. „Der Trainer ist sehr gut, was das Mentale angeht. Er hat uns wieder Selbstbewusstsein gegeben. Wir haben Herrn Gisdol sehr viel zu verdanken. Das war eine schwierige, teilweise miserable Saison.“ Kaiserslauterns Trainer Franco Foda sprach derweil davon, dass seine Mannschaft „zweimal auf Augenhöhe war.“  Im kommenden Jahr muss sie dennoch abermals eine Klasse tiefer als Hoffenheim in der Zweiten Bundesliga antreten.

          1. FC Kaiserslautern - 1899 Hoffenheim 1:2 (0:1)

          1. FC Kaiserslautern: Sippel - Dick, Torrejón, Orban, Löwe - Borysiuk, Zellner - Drazan (55. Hoffer), Baumjohann - Bunjaku (64. Weiser), Idrissou
          TSG Hoffenheim: Casteels - Beck, Abraham (60. Süle), Vestergaard, Thesker (30. Rudy) - Polanski, Weis - Salihovic, Johnson, Roberto Firmino (86. Schipplock) - Volland
          Schiedsrichter: Meyer (Burgdorf)
          Zuschauer: 49 780 (ausverkauft)
          Tore: 0:1 Abraham (44.), 1:1 Baumjohann (65.), 1:2 Vestergaard (74.)
          Gelbe Karten: Borysiuk, Dick, Idrissou, Sippel / Casteels,
          Thesker, Weis

          Weitere Themen

          Mit Zielscheibe ins Tor

          Fifa 20 : Mit Zielscheibe ins Tor

          Fifa 20 flankt auch in der neuen Saison wieder frische Pässe auf die Spielekonsole. In der Standardversion, Champions-Variante oder im Ultimate-Paket. Lohnt sich der Kauf?

          Topmeldungen

          Donald Trump und Liu He, Vizepremier von China, gemeinsam in Washington. Infolge des Handelskriegs mit Amerika habe die Korruption in Chinas Privatwirtschaft wieder zugenommen, berichtet Philipp Senff von der Wirtschaftsanwaltskanzlei CMS in Schanghai.

          Vorfälle der Deutschen Bank : In China lauert die Korruption bis heute

          Mit teuren Geschenken an chinesische Politiker wollte sich die Deutsche Bank Vorteile verschaffen. Der Fall lenkt den Blick auf ein Land, das trotz Mühen immer noch unter Bestechung leidet – auch wegen des Handelskriegs mit Amerika.
          Andreas Scheuer am Mittwoch in Berlin

          Verkehrsminister Scheuer : Im Porsche durch die Politik

          Verkehrsminister Andreas Scheuer hat einen Vorteil, der ihm beim Streit über die Pkw-Maut zum Nachteil gereichen könnte: eine gewisse Lockerheit.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.