https://www.faz.net/-gtm-8hd80

Bundesliga-Relegation : Warum Nürnberg und Frankfurt sich nicht mögen

  • -Aktualisiert am

Im Hinspiel der Relegation und überhaupt: Zwischen Franken und Hessen gibt es beim Fußball Meinungsverschiedenheiten. Bild: dpa

Die Sicherheitsvorkehrungen vor dem Rückspiel zwischen Nürnberg und Frankfurt sind enorm. Ein großer Teil der Abneigung der Fangruppen rührt aus dem Jahr 1999.

          3 Min.

          Die Gründe liegen in der Vergangenheit, erfahren aber in der Gegenwart ihre Bestätigung: Eintracht Frankfurt und 1. FC Nürnberg, das passt einfach nicht. Die beiden Gegner in der Relegation zur Fußball-Bundesliga verbinden Animositäten, die sonst nur zwischen Derby-Rivalen herrschen. Vor und nach dem 1:1 hatten Trainer René Weiler und Torwart Raphael Schäfer die Frankfurter durch unbedachte Äußerungen gegen sich aufgebracht. Weiler sprach von einer Inszenierung im Fall Marco Russ, und Schäfer legte sich fest: „Ich glaube, wenn einer wirklich schwer krank ist, dann kann er heute keinen Fußball spielen.“

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die Aussagen bezogen sich auf den Einsatz des Frankfurter Innenverteidigers im ersten Relegationsspiel (1:1), der bei der medizinischen Untersuchung nach einem positiven Doping-Befund die Diagnose Tumor-Erkrankung erhalten hatte. Das alles war 24 Stunden vor dem Anpfiff publik geworden, hatte für helle Aufregung gesorgt und die Begegnung überschattet. Später entschuldigten sich die Nürnberger für ihre Sätze, aber bei den Frankfurtern waren die Kommentare nicht gut angekommen.

          Weiler sagte am Sonntag: „Meine Aussage war: Der Zeitpunkt der Kommunikation kommt einer Inszenierung gleich, und man sollte nicht die Bühne Fußball dafür nutzen. Ich wünsche dem Spieler nur das Beste.“ Seine Statements seien anfänglich noch seriös behandelt worden, später seien sie von Teilen der Medien skandalisiert worden. „Ich bin ehrlich gesagt schockiert, wie man mit Aussagen umgeht“, sagte Weiler. Das sei „Verunglimpfung, das ist rufschädigend. ,Die Krankheit von Russ wäre eine Inszenierung‘ entspricht null Komma null meiner Aussage.“ Eintracht-Trainer Niko Kovac wollte keinen Kommentar mehr dazu abgeben: „Wir konzentrieren uns jetzt auf das Sportliche.“ Der Kroate hatte Weiler schon unmittelbar nach der ersten Begegnung in den Stadion-Katakomben auf sein Zitat angesprochen.

          Schon während der Begegnung waren die Emotionen bei einigen Spielern hochgekocht, es kam zur Rudelbildung. Auf den Rängen lieferten sich die Ultras der beiden Klubs ein Fernduell beim Abbrennen von Pyrotechnik. Die Nürnberger gewannen diesen Zweikampf deutlich, sie fühlten sich von den Lautsprecherdurchsagen des Frankfurter Sicherheitsleiters in breitestem Hessisch offenbar animiert, immer weiter zu zündeln, während die Frankfurter nicht mehr nachlegen konnten oder wollten.

          Ein großer Teil der Abneigung der Fangruppen rührt aus dem Jahr 1999. Vor dem letzten Spiel der Bundesligasaison schien der 1. FC Nürnberg als Tabellenzwölfter gerettet, doch am Ende stiegen die Franken ab, nachdem die Eintracht gleichzeitig 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern gewann. Auch beim letzten Nürnberger Abstieg 2014 hatte die Eintracht einen gewissen Anteil. Der 5:2-Auswärtssieg im direkten Duell am 26. Spieltag stellte die Weichen auf Klassenverbleib der Hessen und den Abstieg der Franken. Im Hinspiel hatten die Frankfurter Ultras Pyrotechnik gezündet und versucht, den Nürnberger Fan-Block zu stürmen. Im Rückspiel wollten die fränkischen Fußball-Chaoten Revanche. Bei Prügeleien mit der Polizei gab es 19 Verletzte.

          Die Sicherheitsvorkehrungen vor der entscheidenden Begegnung an diesem Montag (20.30 Uhr / Live in der ARD, bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) in Nürnberg sind groß, mehr als 5000 Frankfurter Zuschauer werden in der fränkischen Metropole erwartet. Das Frankfurter Kartenkontingent war innerhalb weniger Minuten ausverkauft.

          Unbenanntes Dokument

          Die neue digitale Zeitung F.A.Z. PLUS

          Die ganze F.A.Z. in völlig neuer Form, mit zusätzlichen Bildern, Videos, Grafiken, optimiert für Smartphone und Tablet. Jetzt gratis testen.

          Zu Hause bleiben wird Marco Russ, die beherrschende Figur des Hinspiels. Der 30 Jahre alte Abwehrspieler hatte trotz der Tumor-Diagnose gespielt, dabei ein Eigentor erzielt und die zehnte Gelbe Karte erhalten. Deshalb ist er in Nürnberg gesperrt, ansonsten würde er wohl wieder antreten. Der Termin für seine Operation wurde auf Dienstag gelegt. „Marco soll sich auf seine Gesundheit und die Operation konzentrieren, das ist viel wichtiger“, sagte Eintracht-Trainer Kovac am Sonntag auf die Frage, ob der stellvertretende Mannschaftskapitän zur moralischen Unterstützung mit nach Nürnberg reise.

          Kovac ist daran gelegen, Druck aus der Begegnung zu nehmen. „Am Ende ist es nur ein Fußballspiel, vor allem, wenn man sieht, wie es Marco geht.“ Der Eintracht-Trainer sagte, dass sich seine Mannschaft ein wenig Lockerheit bewahren müsse, um ihre Leistung abrufen zu können. Dann werde der Klassenverbleib gelingen. „Wir sind die bessere Mannschaft, wir können auch in Nürnberg gewinnen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Brexit-Deal : Kein Tag der Entscheidung

          Auch Boris Johnson ist nicht immun gegen das, was seiner Vorgängerin Theresa May widerfahren war. Mehr als drei Jahre nach dem Referendum liegt der Austritt des Vereinigten Königreichs weiter im Nebel. Vielleicht kann das bei einem Thema von dieser Bedeutung nicht anders sein.
          Berlin regelt das Wohnen neu.

          Mietendeckel und mehr : Vermieter, hört die Signale!

          Was der rot-rot-grüne Senat in Berlin ausgeheckt hat, ist der wohl drastischste Eingriff in die deutsche Eigentumsordnung seit Jahrzehnten.

          Zukunft der Menschheit : Eine Batterie für alles!

          Mit einem Handy fing alles an, inzwischen geben Autohersteller jährlich dutzende Milliarden dafür aus: Lithium-Ionen-Akkus treiben heute zahllose Geräte an. Die größte Zeit der Batterien steht aber noch bevor.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.