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Frankfurt besiegt Hoffenheim : Ein perfekter Auftakt für die Eintracht

Der Mann des Tages: Martin Hinteregger gelingt schon nach 36 Sekunden ein Volltreffer. Bild: Imago

Das zweitschnellste Tor der Vereinsgeschichte beschert der Eintracht den verdienten 1:0-Sieg über Hoffenheim. 36 Sekunden nur dauerte es, dann war die Entscheidung schon gefallen. Nun geht der Blick nach Frankreich.

          Am Ende überwogen Erleichterung und Zufriedenheit. „Ich bin mit dem 1:0 sehr happy“, sagte Adi Hütter. Auftrag ausgeführt. Auf diese kurze Formel lässt sich der Bundesligastart der Eintracht bringen, über den sich der Frankfurter Trainer gemeinsam mit seiner Mannschaft freuen konnte. „Das war ganz wichtig heute gegen Hoffenheim“, sagte Hütter. „Wir haben zu null gespielt“, was dem Fußballlehrer auch im Hinblick auf den Donnerstag gefiel. Dann erwartet die Eintracht ein „heißer Tanz“, wie Kevin Trapp mutmaßt. Der abermals verlässliche Eintracht-Keeper erwartet im ersten Play-off-Spiel auf dem Weg in die angestrebte Gruppenphase der Europa League eine starke französische Mannschaft vom Racing Club Straßburg.

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          Ein ähnliches Kaliber also, wie es auch die TSG Hoffenheim am Sonntag darstellte, die von der Eintracht eine konzentrierte Leistung forderte. Am Ende war es ein knapper, aber auch verdienter 1:0-Sieg, wie auch der neue Hoffenheimer Trainer Alfred Schreuder anerkennend in Richtung seines Frankfurter Kollegen sagte. Um den Nachbarn aus dem Kraichgau auf Distanz zu halten, genügte eine blitzschnelle Aktion. 36 Sekunden nur dauerte es, dann war die Entscheidung schon gefallen.

          Nach einer schnell ausgeführten Ecke spielte Daichi Kamada den Ball zu dem direkt neben ihm stehenden Filip Kostic, und als der Serbe in den Strafraum flankte, war der aufgerückte Martin Hinteregger so frei, unbedrängt mit links zu vollenden. Später, als sich auch in den Katakomben der Frankfurter Arena weitere Schulterklopfer um Hinteregger scharten, erzählte der Österreicher von seinem wundersamen Arbeitstag. Vor allem berichtete er von der Aktion eine Viertelstunde vor dem Ende, als er plötzlich mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden sank und dem Trainerteam auf der Bank seine gewünschte Auswechslung signalisierte.

          Was war geschehen? Der Verteidiger hatte in der rechten Wade einen Krampf erlitten. „Den ersten meines Lebens“, wie der 26-Jährige sagte. „Ich habe einen richtigen Stich gespürt und gedacht, jetzt ist was kaputt.“ Und einen zweiten Stich spürte er noch dazu, denn als ihm der Mannschaftsarzt eine Spritze gab, tat es ein weiteres Mal weh – mit der positiven Folge, dass Hinteregger bis zum Schluss weiter seinen Mann stehen konnte. „Der Schreck war schon riesig“, sagte Hinteregger, der nun fast auf einer Stufe mit der Eintracht-Ikone Alexander Meier steht. Der langjährige Torjäger und Kapitän nämlich ist nach wie vor Rekordinhaber des schnellsten erzielten Tores der Vereinsgeschichte. Gegen die Spielvereinigung Greuther Fürth brauchte Meier einst nur 21 Sekunden, um zu vollenden.

          Glaubt man Eintracht-Torhüter Trapp, dann war dieser 18. August „ein perfekter Tag, denn wir haben gewonnen“. Es sind überhaupt bislang nur Siege, die die Eintracht in ihren bisherigen sommerlichen Pflichtspielen erreicht hat. Vor einem Jahr, nach dem frühen Aus im Pokal in Ulm sowie dem deutlichen 0:5 im Supercup gegen Meister Bayern München, sah das noch ganz anders aus. Auch deshalb ist dieses 1:0, das live in der Frankfurter Arena 50 200 Zuschauer verfolgten, eine positive Kehrtwende mit Signalwirkung.

          „Es ist wichtig, dass wir gut gestartet sind“, sagte Gelson Fernandes. Der robuste Mittelfeldabräumer, der gegen Hoffenheim nach einer harmlosen Aktion wieder einmal Gelb sah, war nicht der Einzige aus dem Tross der Eintracht-Profis, der nach vollbrachtem Tagwerk von einem „verdienten Sieg“ sprach, „denn wir hatten ja auch mehr Chancen“. Kostic beispielsweise hätte seinen starken Auftritt als bester Eintracht-Spieler mit einigen Toren garnieren können. Doch der ungemein sprintstarke Serbe, der für viele Sololäufe Szenenapplaus erhielt, verfehlte sowohl vor der Pause (25., 28., 37.) als auch nach dem Seitenwechsel sein Ziel (70., 75.). Und weil auch der stürmische Ante Rebic zu weiteren gefährlichen Aktionen kam (45., 45.+1), war der knappe 1:0-Erfolg wirklich mehr als verdient. „Frankfurt hat eine gute Mannschaft“, lobte TSG-Trainer Schreuder das Team seines österreichischen Kollegen.

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          In diese „gute Mannschaft“ wird Bas Dost stoßen. Der Niederländer, noch in Diensten von Sporting Lissabon, soll sich zeitnah der Eintracht anschließen und schon am Donnerstag in Straßburg sein Debüt geben. „Die Bundesliga ist nicht einfach“, sagte Fernandes. „Gut, dass Dost weiß, was auf ihn zukommt.“ Der einstige Torjäger des VfL Wolfsburg, in Portugal sogar zum Torschützenkönig aufgestiegen, ist zwar nicht der absolute Frankfurter Wunschkandidat für die freie Planstelle in der Offensive. Doch auch von ihm erhofft man sich mehr Durchschlagskraft. „Das ist ein bulliger Stürmer, der uns sofort hilft“, sagte sein zukünftiger Mitspieler Trapp.

          Mehr oder weniger hilfreich war auch die zweite Entscheidung des Tages. Denn nach dem 1:0 gegen Hoffenheim durfte sich die Eintracht auch über das Los in der zweiten Runde des DFB-Pokals freuen. Ende Oktober, am 29. oder 30., muss sich die Hütter-Elf beim zweitklassigen FC St. Pauli vorstellen. Eine lösbare Aufgabe am Hamburger Millerntor.

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