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Bundesliga-Pause wegen Corona : Geisterspiele als einzige Option fürs Überleben

Derzeit geht es nicht um die Meisterschale, sondern um viel mehr in der Bundesliga. Bild: dpa

Bis mindestens 2. April ruht die Fußball-Bundesliga. DFL-Chef Christian Seifert spricht über die Folgen der Corona-Krise und erklärt, was auf dem Spiel steht. Der DFB hat für seine Ligen bis 30. April abgesagt.

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          Die Klubs der Fußball-Bundesliga setzen in der Corona-Pandemie nur noch auf sogenannte „Geisterspiele“ in dieser Saison, um das Überleben der meisten Klubs zu sichern. Einstweilen setzte die Deutsche Fußball-Liga (DFL) – erstmals in der Fußball-Historie in Nachkriegsdeutschland – den laufenden Spielbetrieb aus, bis einschließlich des 2. Aprils. „Das heißt nicht“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert nach der Sitzung des DFL-Präsidiums mit Vertretern der 36 Klubs der Ersten und Zweiten Bundesliga am Montag in Frankfurt, „dass wir am 3. April wieder spielen.“ Das verhindern derzeit schon gesundheitspolizeiliche Verfügungen in diversen Bundesländern sowie die Ausrufung des Katastrophenfalls im Freistaat Bayern.

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          Angesichts der eigentlich anstehenden Länderspiele Ende März in Spanien und gegen Italien, die beide nicht stattfinden, ist pro forma von der Aussetzung nur der 27. Spieltag der laufenden Saison betroffen. Es sei noch zu früh, sagte Seifert, darüber zu sprechen, ob am „19. April, am 26. April, im Mai oder Juni“ wieder gespielt werde dürfe. Die Bekämpfung der Ausbreitung des Virus sei auch für die Bundesliga-Klubs „Priorität A, B und C“. Seifert geht von einer Verlegung der ab 12. Juni geplanten Europameisterschaft durch die Europäische Fußball-Union (Uefa) an diesem Dienstag aus. Das würde den nationalen Ligen womöglich einen Zeitraum eröffnen, ihre Spiele nachzuholen. Zu Fragen, ob er eine Verlegung der EM in den Spätherbst oder Winter 2020 oder den Sommer 2021 präferiere, wollte Seifert, der an der Telefonkonferenz der Uefa teilnehmen wird, keine Stellung nehmen.

          Für die letzte Märzwoche sei ein weiteres Treffen der DFL-Klubs angesetzt, dann seien „die Klubs im Bilde“ – Seifert bezog das vor allem auf ihre wirtschaftliche Lage: „Jeder Klub ist in der Pflicht festzustellen: Wer hält wie lange ohne Spiele durch?“ Ohne „Geisterspiele“ aber werde es in Deutschland keine 20 Profiklubs mehr geben, skizzierte Seifert. Ohne Zuschauereinnahmen, vor allem aber ohne TV-Bilder gebe es weniger Sponsorengelder. „Das geht eine Weile gut, aber nicht sehr lange.“ Derzeit sei es zu früh, zu beurteilen, ob die Saison tatsächlich zu Ende gebracht werden könne. „Wir arbeiten an Antworten in naher Zukunft“, sagte der DFL-Geschäftsführer. Fanvertreter hatten vor der Sitzung den Verzicht auf Geisterspiele gefordert – das lehnen die Vereine aus wirtschaftlichen Erwägungen ab.

          „Solidargemeinschaft Bundesliga“

          Die Stimmung unter den Klubvertretern sei „sehr konstruktiv und kollegial“ gewesen, sagte Seifert: „Vor der Sitzung gab es unterschiedliche Stimmen, jetzt gehe ich davon aus, dass es nur noch eine gibt.“ Jetzt zeige sich, was mit der „Solidargemeinschaft Bundesliga gemeint ist“. Der Ligaverband wolle sich auch die für die Lizenzierung maßgeblichen Rahmenbedingungen ansehen, um, sofern erforderlich, „Klubs oder die Liga zu retten“ – eine entsprechende Satzungsänderung ist aber von der Zustimmung der Mitglieder abhängig. Noch am Sonntag hatte Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer von Borussia Dortmund in der ARD gesagt: „Am Ende des Tages können nicht die Klubs, die ein bisschen was angesetzt haben in den letzten Jahren, die Klubs belohnen, die das nicht gemacht haben.“ Sollte die wirtschaftliche Existenz einzelner Vereine bedroht sein, wird sich herausstellen, wird sich das Ausmaß der Solidarität und der Kollegialität unter den Vereinen erweisen.

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