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Hertha BSC in der Krise : Dardai ist beliebt, aber erfolglos

  • -Aktualisiert am

Pal Dardai steht unter Druck. Wie lange darf er die Hertha noch trainieren? Bild: Imago

Das Verhältnis von Trainer Dardai zum Team ist gut – die Tabellensituation ist schlecht. Hertha BSC kassiert zu viele Gegentore. Es fehlen nicht nur die verletzten Spieler, sondern auch die Punkte.

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          Zählen macht Pal Dardai gerade keinen Spaß. Am Sonntag kam der Trainer von Hertha BSC aus der Kabine und berichtete von gerade mal sieben Spielern, die er in den kommenden Tagen zur Verfügung hätte. Verletzte, Abstellungen zu Länderspielen, das geplante Testspiel gegen Erzgebirge Aue steht vor der Absage. Noch unerfreulicher als in Sachen Personal sieht es beim Blick auf die Punkteausbeute aus.

          Bundesliga

          Den möglichen siebten Punkt verschenkte Hertha durch inkonsequentes Abwehrverhalten, nach zwei Gegentoren im Anschluss an Ecken hieß es gegen den SC Freiburg 1:2. Es war Herthas fünfte Niederlage im siebten Spiel. Was automatisch den Blick auf Dardai lenkte. Sportchef Fredi Bobic sprach dem Trainer nach Spielschluss Vertrauen aus. „Die Leistung und die Art und Weise waren insgesamt in Ordnung, auch von der Körpersprache“, sagte Bobic. Das Ergebnis stimme zwar nicht, der Blick richte sich aber nach vorn.

          „Wir sind jetzt ein, zwei Spiele im Rückstand und müssen alles tun, um den Rückstand im Herbst aufzuholen“, so Bobic. Am Samstag hatte der ehemalige Nationalspieler Lothar Matthäus in seiner Rolle als TV-Experte beim Sender Sky behauptet, er wisse von Gesprächen zwischen Vertretern von Hertha BSC und Edin Terzic. Terzic hatte Borussia Dortmund vergangene Saison zum Sieg im DFB-Pokal geführt, war dann aber durch Marco Rose ersetzt worden. Aktuell ist Terzic beim BVB als Technischer Direktor tätig.

          „Wir führen einen ehrlichen Dialog“

          Dardai gab sich von den Diskussionen um seine Person unbeeindruckt. Er ist sich sicher, auch beim kommenden Spiel gegen Eintracht Frankfurt als Trainer auf der Bank zu sitzen. „Das wird von außen hereingetragen. Ich habe noch nie gespürt, dass ich kein Vertrauen habe von diesem Verein. Hier ist immer Vertrauen“, sagte er. Das Verhältnis zu Manager Bobic sei gut. „Wir führen einen ehrlichen Dialog miteinander“, so Dardai.

          Vor der ersten Länderspielpause Anfang September hatte das noch anders geklungen. Nach dem 0:5 beim FC Bayern hatte Dardai gesagt, der Klub träume womöglich von „einem großen Trainer“, anschließend war er von Bobic öffentlich gerügt worden. Seitdem haben sich die atmosphärischen Spannungen gelockert, wozu auch die Siege gegen Bochum (3:1) und Fürth (2:1) beigetragen haben.

          Nach zwei Niederlagen in Folge haben die Diskussionen um Dardai nun aber wieder zugenommen, die Erwartungshaltung ist in Berlin trotz zwei schwacher Spielzeiten immer noch gewaltig. Dardai hat darüber mehrmals sein Unverständnis geäußert, aber die Zuschauer werden ungeduldiger. Nach dem Spiel wurde die Mannschaft mit Pfiffen vom eigenen Publikum Richtung Kabine geschickt, das Verständnis des Publikums ist aufgebraucht.

          Torwart Schwolow und die Berliner Verteidiger staunen: Petersen findet die Lücke für den Freiburger Siegtreffer.
          Torwart Schwolow und die Berliner Verteidiger staunen: Petersen findet die Lücke für den Freiburger Siegtreffer. : Bild: Imago

          Für den Trainer spricht hingegen dessen gutes Verhältnis zur Mannschaft. Dardai ist beim großen Teil des Kaders beliebt, in der Leistung drückte sich die Zuneigung gegen Freiburg aber nicht aus. Zwar zeigte sich Hertha im Vergleich zum 0:6 in Leipzig deutlich verbessert, es fehlte aber immer noch vieles. Vor allem der unbedingte Wille, das eigene Tor zu verteidigen.

          Beide Gegentore fielen im Anschluss an Eckbälle. Zuerst traf Philipp Lienhart per Kopf, zwölf Minuten vor Spielende war der eingewechselte Nils Petersen gedankenschneller als die gesamte Berliner Abwehr. Dadurch verkam der Ausgleich durch Krzysztof Piatek, der dem schönsten Berliner Angriff entstammte, zur Randnotiz.

          Zu viele Gegentore

          Nach Spielschluss zeigte sich Dardai über das zögerliche Verhalten der eigenen Hintermannschaft grantig. „Ich kann nicht selbst hingehen und die wegköpfen“, sagte er. Das Thema schlug ihm hörbar aufs Gemüt. „Ihr könnt euch sicher sein, dass wir das im Training üben.“ Einen positiven Effekt haben die Einheiten bisher aber nicht. Keine Mannschaft in der Bundesliga hat mehr Gegentore nach ruhenden Bällen hinnehmen müssen als Hertha BSC. Entsprechend schwelte der Frust einen Tag später weiter. „Es ist einfach schade, so ein Spiel durch zwei Standards zu verlieren“, so Dardai.

          In vielerlei Hinsicht glich der Plot dem ersten Heimspiel gegen den VfL Wolfsburg. Auch da verlor Hertha spät 1:2, auch seinerzeit agierte die Hintermannschaft zu zögerlich. „Beide Spiele müssen wir nicht verlieren. Wenn wir dort punkten, würde es jetzt anders aussehen“, sagt Dardai. Nicht nur nach ruhenden Bällen, auch aus dem Spiel heraus bekommt Hertha zu viele Gegentore (20), kein anderes Bundesligateam ist in dieser Kategorie schlechter.

          Gerade die Defensive war einst Dardais Spezialität, an der aktuellen Mannschaft müht er sich aber schon länger erfolglos ab. Zeit zum Üben hat Dardai in den kommenden Tagen zwar genug, aber mit nur sieben Spielern lassen sich selbst Eckbälle kaum trainieren.

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