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Hertha BSC : Trainer Dardai muss gehen – und darf wiederkommen

  • -Aktualisiert am

Im Sommer ist Schluss: Hertha-Trainer Pal Dardai Bild: EPA

Nach viereinhalb Jahren als Trainer des Bundesliga-Teams ist Schluss: Pal Dardai muss seinen Posten zum Ende der Saison bei Hertha BSC aufgeben. Der Ungar bleibt dem Verein allerdings erhalten. Folgt ein großer Name?

          Von Pal Dardai ist die Einschätzung überliefert, jeder Bundesliga-Trainer besitze nur einen Vertrag über sechs Wochen. Wer sechs Mal infolge verliert, sei seine Anstellung sicher los, so der Ungar einst. Egal, welches Datum auf dem Arbeitspapier fixiert sei. Wie sich nun zeigt, war Dardai zu optimistisch, was die Halbwertzeit seines Berufsstandes angeht. Für ihn selbst kommt bereits nach der fünften Niederlage das Aus. Am Dienstag gab Hertha BSC die Trennung von seinem langjährigen Cheftrainer zum Saisonende bekannt. Die verbleibenden fünf Spiele darf Dardai noch auf Abschiedstournee gehen, danach wird jemand anderes an der Seitenlinie stehen.

          Viereinhalb Jahre war Dardai für die Profimannschaft verantwortlich, nur der Freiburger Christian Streich ist länger im Amt. „Viereinhalb Jahre sehr guter und konstruktiver Zusammenarbeit sind eine sehr lange Zeit im Profigeschäft“, ließ sich Geschäftsführer Michael Preetz zitieren: „Nun sind wir jedoch gemeinsam zu dem Entschluss gekommen, dass ein neuer Impuls im Sommer der richtige Schritt für Hertha BSC ist.“ Erst in der Winterpause hatte Preetz die Zusammenarbeit mit Dardai bis einschließlich 30. Juni 2020 verlängert, jetzt folgt die Kurskorrektur.

          Negativserie in Endlosschleife

          Zuletzt schwache Auftritte wie gegen RB Leipzig (0:5) oder Fortuna Düsseldorf (1:2) und der Umstand, dass man in der Rückrunde nur elf Punkte geholt hat, gaben den Ausschlag. In allen Jahren unter Dardai hatte Hertha im Frühjahr stets deutlich schlechter abgeschnitten als im Herbst. Dass diese Negativserie wie die Rückkehr eines Films in Endlosschleife wirkt, wurde Dardai zum Verhängnis. Im Niemandsland der Tabelle verhaftet, haben die Berliner längst keine Chance mehr, sich für einen internationalen Wettbewerb zu qualifizieren. Den hatte die Klubführung zwar nicht ausdrücklich gefordert, dass die Mannschaft aber so früh vor dem Ablauf der Saison abgeschlagen ist, gilt als Enttäuschung. Erst Recht, weil Hertha im Herbst angedeutet hatte, was dieser Kader imstande ist zu leisten. Die Berliner erwischten einen hervorragenden Start, besiegten zu Hause den FC Bayern München (2:0) und drangen im DFB-Pokal bis ins Viertelfinale vor, wo erst nach großem Kampf gegen die Münchner Schluss war.

          Mehr noch als ihre Ergebnisse beeindruckte der erfrischende Offensivfußball, den Dardai plötzlich spielen ließ. Dem Trainer war lange nachgesagt worden, in erster Linie ein Pragmatiker zu sein, der vor allem auf defensive Stabilität aus ist. Vor allem in den ersten Jahren seiner Amtszeit wurde die Berliner Mauer im Olympiastadion öfter wieder hochgezogen, als es so manchem Fan lieb war. Mit diesem Stil gelang es Dardai zwar, Hertha von den Abstiegsrängen ins Mittelfeld zu führen und einmal sogar nach Europa, aber die Stadionbesucher goutierten seinen Fußball nicht immer.

          Als die Zahlen in der vergangenen Saison rückläufig waren, klang der Wunsch der Klubführung nach attraktiverem Fußball immer lauter nach außen. Dem kam Dardai nach, aber schon vor der Saison war eine latente Unzufriedenheit im Umfeld spürbar. Manager Michael Preetz forderte vom Trainer ausdrücklich eine fußballerische Weiterentwicklung und eine ansprechende Rückrunde. Die war nun auch aufgrund vieler Verletzter nicht mehr möglich. In Hoffenheim hatte Dardai auf neun Spieler verzichten müssen. Er selbst hatte in den vergangenen Tagen immer wieder betont, nicht die Entwicklung behindern zu wollen. „Wenn man der Auffassung ist, ich blockiere hier jemanden, dann ist es besser, wenn ich gehe. Ich will nur das Beste für Hertha BSC“, sagte Dardai unlängst.

          Ihm ist das durchaus abzunehmen. Er ist Rekordspieler des Klubs in der Bundesliga mit 286 Einsätzen und seit 1997 ununterbrochen im Verein. Nach der aktiven Karriere begann er als Jugendtrainer, als die Profimannschaft im Februar 2015 in akuter Abstiegsnot schwebte, übernahm er und führte sie zum Klassenverbleib. Es ist angedacht, dass er von 2020 an wieder im Nachwuchs trainiert.

          Kommt ein großer Name?

          Manager Preetz steht nun vor der schwierigen Aufgabe, einen Nachfolger finden zu müssen. Vor Dardai war er für seine Auswahl stark in die Kritik geraten. Während der Abstiege 2010 und 2012 heuerte er Michael Skibbe, Otto Rehhagel oder den in Berlin glücklosen Friedhelm Funkel an, auch die Anstellungen von Markus Babbel oder Jos Luhukay währten nicht lange.

          Dem Vernehmen nach würde sich Herthas Führung nach Dardai einen großen Namen wünschen, jemanden mit Strahlkraft, der dem in der Außendarstellung oft blass wirkenden Klub ein Gesicht gibt. Diese Anforderung würde ein ehemaliger Bundestrainer erfüllen. Jürgen Klinsmann ist eng mit Preetz befreundet und war in den vergangenen Jahren immer wieder in Berlin zu Gast. Sein Sohn Jonathan spielt als Torwart bei der U 23. Auch Domenico Tedesco oder der Kieler Tim Walter werden gehandelt. Namen, die dann schon etwas realistischer erscheinen.

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