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Bundesliga : Nürnberger Wechselglück

Blitzstarter als Bundesligatrainer: Michael Wiesinger Bild: REUTERS

Als Erfolgstrainer Hecking den „Club“ verließ, schien der Aufschwung gefährdet. Doch mit Nachfolger Wiesinger wurde alles noch besser. An diesem Sonntag (15.30 Uhr) kommt es in Wolfsburg zum Wiedersehen mit Hecking.

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          Raphael Schäfer würde nicht nach Wolfsburg wechseln. Nicht wegen des Geldes, nicht wegen der sportlichen Perspektive, nicht wegen irgendetwas anderem. „Wenn Sie mich fragen, ob ich für den VfL Wolfsburg oder für den 1. FC Nürnberg spielen will, ob ich in Wolfsburg leben möchte oder in Nürnberg - ich würde Ihnen immer sagen, dass ich mich hier wohl fühle“, sagt er. „Auch wenn wir vielleicht die kleineren Mittel haben: Es ist immer besser, für den 1. FCN zu spielen, weil es ein Traditionsverein ist, und man das jeden Tag in den Gesichtern der Fans sieht und spürt.“

          So spricht ein Fußball-Traditionalist. Seit 2001 ist Schäfer - mit einem Jahr Unterbrechung - im Verein, zweimal ist er in die Bundesliga aufgestiegen, er hat den Pokalsieg 2007 gefeiert, einmal ist er auch abgestiegen. Schäfer, 34 Jahre alt, Torhüter und Kapitän, hat einiges erlebt mit seinem „Club“. Im vergangenen Winter aber hat er noch einmal eine neue Erfahrung gemacht. Dass sich der Trainer mitten in der Saison verabschiedet. Von heute auf morgen. Nach Wolfsburg.

          Schäfer ist auch Realist. „In erster Linie ist es ein Job“, sagt er. Und wer ein reizvolles Angebot habe, dürfe es auch annehmen. So gelassen wie Schäfer sprechen inzwischen die meisten in Nürnberg über Dieter Hecking und seinen Absprung kurz vor Weihnachten. Überall werden dessen Verdienste gepriesen, nirgendwo gibt es ein böses Wort. Höchstens ein bisschen Spott - schließlich hatte Hecking doch vor allem die bessere sportliche Perspektive als Grund für seinen Abschied angegeben.

          Zum Wiedersehen an diesem Sonntag (15.30 Uhr / Live im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) reist der FCN als viertbestes Rückrundenteam nach Wolfsburg, mit zwei Tabellenplätzen und drei Punkten Vorsprung vor dem VfL. Was aber wäre gewesen, wenn die Dinge ganz anders gelaufen wären? Wenn der „Club“ ohne Hecking den Halt verloren hätte, den ihm der Trainer zuvor erst gegeben hatte, mit den Plätzen sechs und zehn in den Abschlusstabellen der vergangenen zwei Spielzeiten und acht Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz nach der Hinrunde?

          Zusammen mit Armin Reutershahn (links) hält Wiesinger den FCN von den Abstiegsrängen fern

          Hecking selbst spricht in diesen Tagen immer davon, dass er eine stabile Mannschaft hinterlassen habe - und sonst auch nicht gegangen wäre. Ganz so abwegig ist das Gedankenspiel jedoch nicht. Schäfer jedenfalls ist überzeugt, dass der Abgang Heckings den „Club“ auch ganz schön hätte durcheinanderwirbeln können: „Wenn auf einmal der Chef weg ist, macht man sich natürlich Gedanken: Wie geht das weiter? Bricht das hier alles auseinander?“ Aus heutiger Sicht mag alles so einfach, so logisch, so richtig aussehen: Hecking geht, Michael Wiesinger kommt, die Mannschaft bleibt stabil.

          Ganz so war es aber nicht. „Man hat ja gesehen“, sagt Schäfer, „dass wir in den ersten zwei, drei Wochen Probleme hatten.“ Widerworte hier, Diskussionen da. Einige Profis seien aus der Gruppe „ausgeschert“ und hätten „ausgetestet, wie weit sie gehen können“. Einem neuen Trainer bleibt nicht viel Zeit, ehe eine Mannschaft das Urteil über ihn fällt - erst recht, wenn er noch ein unbeschriebenes Blatt in der Branche ist. Wiesinger hat eine respektable Profikarriere vorzuweisen, er hat lange das Trikot des FCN getragen und zwei Jahre bei den Bayern gespielt. Als Trainer aber standen lediglich Ingolstadt und die zweite Mannschaft des „Clubs“ in seiner Vita.

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