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0:2 gegen Hannover : Nürnberg kurz vor dem Abstieg

Und nun? Nürnberg und Drmic stehen vor dem Abstieg Bild: dpa

Ist der „Club“ noch zu retten? Die Nürnberger Aussichten werden immer schlechter. Das letzte Heimspiel der Saison verlieren die Franken. Im Saisonfinale muss das Team „auf“ Schalke ran.

          Wer ein echter „Club“-Fan ist, den kostet es schon mehr als nur ein  bisschen Überwindung, den Bayern die Daumen zu drücken. Die besondere  Konstellation vor dem vorletzten Spieltag hatte allerdings genau das  erfordert. Und immerhin: Über die Bayern beschweren konnten sich sie Nürnberger  diesmal nicht.

          Deren 4:1-Sieg beim Hamburger SV war genau das, was die Franken  brauchten, um sich noch Hoffnung im Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga  machen zu können. Der eigene Beitrag allerdings deutete eher auf eine  Verlängerung des Elends um eine Woche hin - und nicht im geringsten auf eine  Rettung in die Relegation. Das 0:2 gegen Hannover 96 war ein Trauerspiel, und  der „Club“ mit den Gegentoren von Szabolcs Huszti (5. Minute) und Manuel  Schmiedebach (51.) angemessen bedient.

          Etwas anderes als der achte Abstieg nach  dem letzten Saisonspiel beim FC Schalke ist angesichts einer Horrorbilanz von  zehn Niederlagen aus den vergangenen elf Spielen und dem weitgehend desolaten  Auftritt gegen Hannover eigentlich nicht vorstellbar. Der Frust beim Publikum  entlud sich schon während des Spiels in Pfiffen, die sich auch gegen Sportchef  Martin Bader richteten, und darüber hinaus dem einen oder anderen Frust-Böller  aus der Fankurve. Alles in allem war es aus Nürnberger Sicht niederschmetternd,  wie wehr- und hilflos die Mannschaft die Chance gegen die seit letzter Woche  aller Abstiegssorgen ledigen Hannoveraner verspielte. 

          Rhetorisch war der Abstiegskampf ja höchst präsent gewesen in den letzten  Tagen. Verteidiger Chandler wollte den „Rasen umpflügen, bis nichts mehr zu  erkennen ist“, Trainer Prinzen kündigte an, dass „der Boden im Stadion  lichterloh brennen“ werde. Was man eben so sagt in so einer Situation. Misslich  nur, dass die Mannschaft zuletzt einen ganz anderen Eindruck hinterlassen hatte  - unabhängig davon, wer auf der Trainerbank saß. Blutleer und ohne den Glauben  an ein gutes Ende schien der „Club“ dem Abstieg entgegenzudämmern. Und genau so  ging es auch am Samstag los.

          Nürnberg ist eine verunsicherte Mannschaft

          Gerade einmal vier Minuten waren gespielt, als  Frantz sich im Mittelfeld einen ebenso sorglosen wie folgenschweren Fehlpass  leistete. Hannover schaltete blitzschnell in den Eroberungsmodus, und Huszti  vollendete das Zusammenspiel mit Rudnevs zur Führung. Kurz danach war der FCN  dem Ausgleich noch einmal sehr nah: als Hlousek nach Zuspiel von Kiyotake aus kurzer Distanz am großartig reagierenden Torwart Zieler scheiterte. Doch danach  war wenig zu sehen, was den Franken Hoffnung machen konnte. Eine tief  verunsicherte Mannschaft, die nicht nur fußballerisch hilflos wirkte, sondern  nicht einmal richtig im den Abstiegskampf-Modus fand.

          Anfang mit Schrecken: Huszti trifft, Schäfer leidet.

          Argumente für den  Klassenverbleib: Fehlanzeige. Und auch das Publikum schien diesen „Club“  aufgegeben zu haben. Murren statt Mut machen, hadern statt helfen, das war die  triste Begleitmusik zum trostlosen Geschehen auf dem Rasen.  Trainer Roger Prinzen hatte während der Woche auf besondere Maßnahmen  verzichtet: Es gab kein Kurztrainingslager wie noch in der Vorwoche, dafür  verbrachten die „Club“-Profis mehr Zeit als sonst gemeinsam auf dem  Vereinsgelände. Sein sichtbares Zeichen des Angriffs war ein zweiter Stürmer in  der Startelf: Pekhart neben Drmic. Und an der Seitenlinie tat Prinzen, ein Mann  mit klarer Ansprache und breitem Kreuz, wirklich alles, um seinem Team den Weg  zu weisen - doch es fand ihn nicht.

          Ein hoffnungsloser Fall

          Es war spielerisch einfach zu dünn, als  dass so etwas wie Druck auf das Hannoveraner Tor hätte entstehen können. Der  nach langer Verletzungspause zurückgekehrte Innenverteidiger Nilsson schien das  eine oder andere Mal zu verzweifeln, wie sich seine Mitspieler versteckten,  anstatt den Ball zu fordern. Die Hoffnung auf Besserung nach der Pause währte nur kurz. Wieder dauerte es  keine fünf Minuten, ehe der Ball im Nürnberger Tor lag. Nach Zuspiel von  Rudnevs umkurvte Schmiedebach Torwart Schäfer und schob ein. Spätestens jetzt  war der „Club“ ein hoffnungsloser Fall.

          1. FC Nürnberg - Hannover 96 0:2 (0:1)

          1. FC Nürnberg: Schäfer - Chandler, Nilsson, Pinola, Plattenhardt - Kiyotake (56. Pachonik), Balitsch, Frantz (67. Stark), Hlousek - Drmic, Pekhart (71. Colak)
          Hannover 96: Zieler - Rajtoral, Avevor, Schulz, Pander - Schmiedebach, Andreasen (86. Dierßen) - Bittencourt, Stindl, Huszti (78. Prib) - Rudnevs (88. Sulejmani)
          Schiedsrichter: Gräfe (Berlin)
          Zuschauer: 46.014
          Tore: 0:1 Huszti (5.), 0:2 Schmiedebach (51.)
          Gelbe Karten: Chandler (5), Pinola (5), Plattenhardt (5) / Schmiedebach (1)

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