https://www.faz.net/-gtm-9vl5a
 

Ärger um Schiedsrichter : Das ist kein „Irrsinn“

  • -Aktualisiert am

Signalfarbe Rot: Felix Brych verweist Moisander des Feldes. Bild: dpa

Eine neue Vorgabe an die Schiedsrichter erhitzt die Gemüter in der Fußball-Bundesliga enorm. Dabei war dieses Vorgehen längst überfällig. Sonst hätten woanders wohl noch schlimmere Verhältnisse gedroht.

          2 Min.

          Der Bremer Trainer Florian Kohfeldt hat sich in den vergangenen Jahren als kluge Stimme der Vernunft in der Bundesliga etabliert. Er gilt als progressiv und modern, ist keiner, der sich an den Traditionen früherer Jahrzehnte festklammert. Das verlieh seinen Worten ein besonderes Gewicht, als er sich am Samstag zu einem kleinen Wutausbruch hinreißen ließ. Kohfeldt sprach von „Irrsinn“, nachdem sein Kapitän Niklas Moisander aufgrund verschärfter Vorgaben bei der Regelauslegung die Gelb-Rote Karte gesehen hatte.

          Bundesliga

          Der Verteidiger hatte auf Schiedsrichter Felix Brych eingeredet, was ab sofort mit einer Karte geahndet werden soll, woraufhin Kohfeldt fragte: „Warum machen Leute die Regeln, die nie dieses Spiel gespielt haben und überhaupt nicht verstehen, was auf dem Platz passiert?“ Viele Menschen haben sich diese Frage in den vergangenen Monaten gestellt.

          Konsequenz als Signal

          Seit der Einführung des Videobeweises, dem verbissenen Umgang mit der kalibrierten Abseitslinie und den orientierungslos wirkenden Versuchen, die Handspielregel in den Griff zu bekommen, deutet manches tatsächlich darauf hin, dass die Herren über das Regelwerk mehr Technokraten als Sportler sind.

          Aber im konkreten Fall liegen Kohfeldt und die anderen Skeptiker falsch. Wahrscheinlich wissen die Verbandsleute, die in der Winterpause neue Auslegungskriterien festgelegt haben, sogar besser, was auf den Plätzen los ist als der Bremer Fußball-Lehrer. Nicht in der Bundesliga, aber dort, wo viel mehr Menschen betroffen sind: in den Bezirks- und Kreisligen.

          Weil es dort immer brutaler zugeht, weil Schiedsrichter mitunter um ihre Gesundheit fürchten müssen, soll unsportliches Verhalten wie das Wegschlagen des Balles, Zeitspiel durch Ballblockaden, Rudelbildungen und Schwalben in der Rückrunde konsequent mit Gelben Karten geahndet werden. Denn die traditionelle Toleranz gegenüber solchen Aktionen, die beim Handball, Basketball, Hockey oder Rugby undenkbar wäre, hat ganz grundsätzlich die Autorität der Spielleiter erodiert. Allerdings greifen die neuen Vorsätze – und hier liegt der interessante Punkt an Kohfeldts Anmerkung – tiefer in das Spiel ein, als auf den ersten Blick sichtbar ist.

          Amateure eifern Profis nach

          Fußball ist ein Sport, der nicht nur von Emotionen geprägt ist. Emotionen werden auch bewusst erzeugt, gesteuert und als Treibstoff auf dem Weg zum Erfolg benutzt. Trainer halten mitreißende Ansprachen, Zuschauer singen oder brüllen, und Spieler motivieren sich. Eine andere Quelle emotionaler Kräfte ist die Auseinandersetzung mit den Schiedsrichtern, der Mechanismus ist bekannt: Streitbare Entscheidungen werden verwendet, um den Zorn anzuheizen und so die eigene Widerstandskraft zu vergrößern. Konflikte werden ganz bewusst benutzt, um Energieflüsse zu verstärken und zu steuern.

          Auch das meint Kohfeldt, wenn er davon spricht, „was auf dem Platz passiert“. Er möchte, dass hier kein Ventil verlorengeht, keine Kraftquelle versiegt. Und in der Bundesliga bleibt dieses Spiel mit den Gefühlen ja auch meist im Rahmen, in der Kreisliga und im Jugendfußball, wo den professionellen Vorbildern nachgeeifert wird, sind aber viele Leute unterwegs, die sich nicht so gut kontrollieren können wie die Profis.

          Der Plan, unsportliches Verhalten klarer zu unterbinden, ist daher überfällig. Auch dem Spiel der Profis wird es guttun, dass Spielverzögerungsstrategien und Täuschungsversuche fortan effizienter bekämpft werden. Wenn nur noch seltener Emotionen durch Schiedsrichterkonflikte geschürt und gelenkt werden können, mag manchen Trainern und Spielern tatsächlich ein probates Instrument verlorengehen. Aber dieses Opfer ist es wert, wenn es zum Frieden im Amateurfußball beiträgt.

          Weitere Themen

          Bryants Witwe rührt zu Tränen Video-Seite öffnen

          Abschied von Ex-NBA-Star : Bryants Witwe rührt zu Tränen

          „Ich werde niemals sehen, wie mein kleines Mädchen den Weg zum Traualtar beschreitet.“ Das sagte die Witwe des ehemaligen NBA-Stars Kobe Bryant in ihrer Trauerrede über ihre 13-jährige Tochter. Diese war zusammen mit ihrem Vater und sieben anderen Menschen Ende Januar bei einem Hubschrauberabsturz ums Leben gekommen.

          Topmeldungen

          Er wedelt noch, sie merkelt schon: Habeck, Baerbock und die „Merkel-Raute“

          Heimlich für Merz? : Die Grünen hoffen auf Merkel-Stimmen

          Die Grünen wollen regieren. Das ginge mit einer Laschet-CDU leichter als mit einer Merz-CDU. Vor allem wollen sie jedoch stärkste Partei werden. Den Platz dafür in der politischen Mitte könnte eher Merz als Laschet schaffen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.