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2:1 gegen Freiburg : Bayerns eisige Herbstmeisterschaft

Bild: dpa

Freiburg geht gegen Bayern früh in Führung, kassiert aber noch vor der Pause den Ausgleich. Danach hat Bayern alles unter Kontrolle – findet aber gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Gastgeber nicht die richtigen Mittel. Bis Lewandowski kommt.

          Willkommen im deutschen Winter. Beim bisher wohl kältesten Einsatz seiner Karriere hat Carlo Ancelotti mit dem FC Bayern am Freitagabend mitten im Januar bei minus neun Grad eine eisige Herbstmeisterschaft feiern können. Am verspäteten letzten Vorrundenspieltag und im zugleich ersten Spiel des Bundesligajahres 2017 erreichten die Bayern beim SC Freiburg in letzter Minute einen nicht mehr für möglich gehaltenen 2:1-Sieg. Janik Haberer hatte den Außenseiter nach fünf Minuten in Führung gebracht. Bayern-Torjäger Robert Lewandowski erzielte nach 35 Minuten den Ausgleich und in der Nachspielzeit mit seinem fünfzehnten Saisontreffer auch das Siegtor.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          „Wir sind bereit“, hatte Bayern-Trainer Carlo Ancelotti vor dem Spiel erklärt. „Wir haben gut gearbeitet. Die Mannschaft ist physisch und mental in einer guten Verfassung. Ich habe ein gutes Gefühl.“ Dann waren es aber zunächst die Freiburger, die deutlich mehr Schwung ins Spiel brachten. Mit hoher Laufbereitschaft störten sie die Bayern so früh wie möglich, hemmten den Spielaufbau und erzwangen Fehler. Als Lewandowski in der eigenen Hälfte, nahe der Mittellinie, einen Einwurf zu kontrollieren versuchte, offenbar in dieser Szene als einziger Münchner in Reichweite des Einwerfers gezielt ungedeckt gelassen, um ihn dann ebenso gezielt überfallartig zu attackieren, umzingelten ihn rasch drei Gegenspieler. Der Ball ging verloren, und nach drei Direktpässen, von denen letzte nach Block durch Mats Hummels aber erst im zweiten Versuch gelang, kam Haberer in hohem Lauftempo in Schussposition vor Manuel Neuer und überwand den Nationaltorwart mit einem Flachschuss ins lange Eck.

          Franck Ribery saß zunächst auf der Bank. Bilderstrecke

          Die Bayern wirkten kalt erwischt. Erst als die Freiburger ihre enorme Sprintintensität drosseln mussten, kam der Meister zu seinem gewohnten Dominanz-Fußball – mit viel Ballbesitz, die Freiburger in deren Hälfte festnagelnd, aber zunächst nur selten in gefährliche Räume vordringend. Erst nach 27 Minuten gab es die erste Torchance des Tabellenführers, als die Freiburger ohne Erfolg ein Offensivfoul von Douglas Costa reklamierten und Arturo Vidal die kurze Unordnung für einen Flachschuss aufs lange Eck nutzte. Torwart Alexander Schwolow lenkte den Ball zur Ecke.

          Nach 35 Minuten brachte Costa, anstelle Franck Ribérys am linken Flügel spielend, den Ball scharf an den Fünfmeterraum, wo Lewandowskis Schuss aus der Drehung von Mike Frantz mit starkem Einsatz knapp über das Tor gelenkt wurde. Die darauf folgende Ecke brachte dann doch den Ausgleich durch Lewandowski, dem diesmal kein Freiburger in die Quere kam. Völlig frei konnte er Costas Ecke mit dem linken Fuß volley verwerten. Schwolow kam noch mit einer Hand an den Ball, konnte ihn aber nur knapp neben dem Pfosten ins Seitennetz lenken.

          Kurz nach der Pause forderte Thomas Müller in seiner ersten Toraktion vergeblich Elfmeter, nachdem ihn der Freiburger Pascal Stenzel bei der Ballannahme im Strafraum am Standbein traf. Die Bayern drängten weiter. Schwolow war bei einer typischen Robben-Aktion, nach innen gelaufen, mit links aufs lange Eck geschossen, auf der Hut. Danach zog es Robben überraschend vor, einmal zu flanken, er fand den kurz vor Weihnachten noch blondierten, inzwischen wieder verdunkelten Schopf von Mats Hummels, dessen Kopfball aber zu unplatziert geriet.

          Sieben Minuten vor dem Ende fiel Robben der Ball nach Fehler von Schwolow plötzlich einladend vor die Füße, aber vor den falschen der beiden – rechts neben dem Tor wählte er wie gewohnt den linken und fand keinen Schusswinkel. Ancelotti verdrehte die Augen. Im Gegenzug hätte Maximilian Philipp mit einem hauchdünn am langen Eck vorbeifliegenden Linksschuss fast sogar das Siegtor für die tapferen Freiburger erzielt – die dann in der Nachspielzeit durch Lewandowskis Weltklasse noch um den Lohn ihrer Mühen gebracht wurden. Der Pole kontrollierte eine eigentlich unbrauchbare Hereingabe in einer einzigen Rückwärtsbewegung erst mit der Brust, dann mit dem rechten Fuß, ehe er den Ball, der den Boden immer noch nicht berührt hatte, den Ball schließlich mit dem linken Fuß mit Hilfe des Innenpfostens ins Tor stocherte.

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