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Mainzer Profi Moussa Niakhaté : Mit Wille und Herz

  • -Aktualisiert am

Niakhaté kann es auch anders: Dank seiner beiden Tore siegt Mainz gegen Leipzig. Bild: dpa

In mehreren Spielen fällt Moussa Niakhaté mit einer hohen Fehlerquote negativ auf. Gegen Leipzig betreibt der Franzose als Doppeltorschütze Wiedergutmachung und zeigt, warum er im Mainzer Gefüge eine wichtige Rolle einnimmt.

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          Nach seinem ersten Streich lief er lachend die Grundlinie entlang und schüttelte wie im Vorbeigehen die Hand des Kollegen Karim Onisiwo. Nach dem zweiten war kein Platz für eine kleine Ehrenrunde, weil die Mitspieler ihn sofort umringten. Und obschon den entscheidenden Treffer ein anderer erzielte, nämlich Leandro Barreiro, durfte sich beim 3:2-Sieg des FSV Mainz 05 gegen RB Leipzig doch Moussa Niakhaté als Mann des Spiels fühlen. Auch und gerade, weil er in den vergangenen Wochen maßgeblich an den Punktverlusten der Rheinhessen mitgewirkt hatte.

          Bundesliga

          Zur Erinnerung: Gegen Eintracht Frankfurt verursachte er die beiden Elfmeter, die zur 0:2-Niederlage führten. In Dortmund ließ er sich vom jungen Youssouffa Moukoko übertölpeln, was den Treffer zum 1:1-Endstand nach sich zog. Und beim 0:2 gegen den VfL Wolfsburg am vorigen Dienstag war er nicht der Alleinverantwortliche für den ersten Treffer, aber derjenige, der den Torschützen Bartosz Bialek laufen ließ. Nein, es waren keine gelungenen anderthalb Wochen für den Franzosen, der für eine solche, fast schon chronische Fehlerquote eigentlich zu hoch veranlagt ist. Am Samstag aber, zum Rückrundenauftakt gegen den Tabellenzweiten, in einem Spiel, in dem es nach allgemeiner Einschätzung nur um die Höhe der Niederlage gehen würde, trat Niakhaté auf, als trommele er für den Aufstand im Tabellenkeller. Seine persönliche Wiedergutmachung gelang ihm nicht nur mit einer starken Defensivleistung – auch wenn er vor dem 1:2 das Kopfballduell gegen seinen Landsmann Dayton Upamecano verlor –, sondern erstaunlicherweise auch auf der anderen Seite des Feldes.

          „Wir wollten alles geben“

          „Uns war klar, dass es ein schweres Spiel gegen eine der besten europäischen Mannschaften werden würde“, sagte er. „Aber wir sind mit großem Willen reingegangen, wir wollten alles geben, wir wollten unser Herz auf dem Platz lassen.“ Diese Vorgabe des Trainers Bo Svensson geschlossen zu 100 Prozent umgesetzt zu haben, stellte die Basis für die stabile Abwehrarbeit dar, die den Leipzigern außer den beiden Treffern nur noch zwei Torchancen gestattete, die Schlussmann Robin Zentner zunichtemachte.

          Und aus der aggressiven wie erfolgreichen Arbeit gegen den Ball zogen die 05er das Zutrauen für eigene Offensivaktionen – und das Selbstverständnis, trotz zweimaligen Rückstands nicht einzubrechen. Allein die Art und Weise, wie dies geschah, kam für Mainzer Verhältnisse schon einer Sensation gleich. „Durch zwei Standardtore zurückzukommen, das gehört einfach dazu“, sagte Trainer Svensson so leicht dahin, als wüsste er nicht, dass er mit diesem Satz in einer coronafreien Welt auf Mainzer Fastnachtsbühnen reüssieren könnte. Schließlich waren die 05er mit Standardtoren zuletzt nur in Berührung gekommen, wenn die zu eigenem Anstoß führten. Diesmal aber schlug Niakhaté zu. Zum 1:1 nach Freistoß von Latza, Flugkopfball des ehemaligen Frankfurters Kohr und zu kurzer Abwehr von Torwart Gulacsi. Zum 2:2 nach Ecke von Latza und einem Kopfballaufsetzer von Bell. Beide Male schob der Franzose aus kurzer Distanz ein. „Es ging einfach nur darum, den Ball reinzumachen, der Mannschaft zu helfen.“ Nach mehr als zweieinhalb Jahren in Mainz trage er mehr Verantwortung als in der Anfangszeit, sagte der 24-Jährige. „Entsprechend geht es darum, dem Verein etwas zurückzugeben. Das kann ich auch mit Toren machen.“ Vier hat er in der Bundesliga erzielt, drei davon gegen RB Leipzig.

          Der intelligente junge Mann, der auch der deutschen Sprache mächtiger ist, als es den Anschein hat, wenn er zu Interviews nur mit Dolmetscher erscheint, nimmt im Mainzer Gefüge eine wichtige Rolle ein. Weil er nicht nur Talent, sondern auch Leidenschaft hat, weil er nicht von ungefähr stellvertretender Kapitän ist. „Moussa war an einigen Gegentoren beteiligt, aber seine Leistung ist nicht nur anhand der Fehler zu beurteilen“, sagte Svensson. „Ich sehe sein Potential, er ist eine Persönlichkeit und wird auch in Zukunft ein sehr wichtiger Spieler für uns bleiben. Wir brauchen ihn.“

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