https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/bundesliga/bundesliga-max-kruse-trainiert-bei-vfl-wolfsburg-mit-torhuetern-18313494.html

Ausbootung bei VfL Wolfsburg : Kovac und die kleine Retourkutsche gegen Kruse

  • Aktualisiert am

Max Kruse muss mit den Torhütern abseits der restlichen Mannschaft trainieren. Bild: dpa

Spielen darf Max Kruse für den VfL Wolfsburg nicht mehr. Der Fall sorgt für viel Aufregung. Nun nimmt der frühere Nationalspieler zumindest wieder am Training teil – in einer speziellen Rolle.

          2 Min.

          Nun also Nistkästen. Bundesligafußball darf Max Kruse beim VfL Wolfsburg nicht mehr spielen, aber bei fast allem anderen ist der bekannteste Spieler des Klubs seit Dienstag zumindest am Rande wieder dabei. Beim Training am Vormittag wurde er zeitweise zu den Torwartübungen geschickt. Am frühen Nachmittag unterstützte er dann ein besonderes soziales Engagement des VfL.

          Bundesliga

          Einmal im Jahr arbeiten die Spielerinnen und Spieler bei ausgewählten Projekten in der Region mit. Einige teilten im Wolfsburger Krankenhaus das Essen mit aus, andere verschönerten das Außengelände einer Kita. Kruse gehörte gemeinsam mit Nationalstürmerin Alexandra Popp und dem kroatischen Neuzugang Bartol Franjic zu der Gruppe, die in einer Tierheilpraxis in dem kleinen Örtchen Bokelberge im Landkreis Gifhorn einen Zaun und Nistkästen für Vögel bauten.

          Der VfL und der frühere Nationalspieler befinden sich in einer Art Schwebezustand, seit der Trainer Niko Kovac und die Sportliche Leitung ihm am Tag vor dem 1:0-Sieg bei Eintracht Frankfurt mitteilten, dass er ab sofort kein Spiel mehr für den Klub bestreiten werde. Innerhalb Deutschlands oder in eine andere Spitzenliga darf er bis zum Winter nicht wechseln. Nach Griechenland oder Saudi-Arabien will Kruse nicht. Und Verhandlungen über eine Auslösung seines bis einschließlich Sommer 2023 gültigen Vertrags lassen sich auch nicht in wenigen Minuten abschließen, denn es geht dabei um eine Millionen-Abfindung.

          Retourkutsche von Kovac

          Also gehört der 34-Jährige weiter formal zum Team und hat deshalb auch ein Anrecht, am Training dieser Mannschaft teilzunehmen. Dass er dort nur noch eine Randfigur ist, machte der Trainingsleiter Kovac am Dienstag schnell klar. Die Aufwärmübungen und das Abschlussprogramm durfte Kruse mit allen anderen absolvieren. Spielformen und taktische Inhalte dagegen nicht. In dieser Zeit half er als einziger Feldspieler beim Torwarttraining mit – und das vor zahlreichen Medienvertretern, die vor allem seinetwegen gekommen waren.

          „Das war nichts Außergewöhnliches“, versicherte Kovac. „Heute hatten wir 21 Feldspieler, dann hat es einen erwischt. Das war der Max, das ist leider so. Hätten wir heute eine andere Übungsform gehabt, wäre er dabei gewesen.“ So aber müsse er „in erster Linie mit denen arbeiten, die wir am Wochenende brauchen.“

          Max Kruse beim Spiel gegen Köln. Nun plant Trainer Niko Kovac ohne ihn.
          Max Kruse beim Spiel gegen Köln. Nun plant Trainer Niko Kovac ohne ihn. : Bild: dpa

          Kruse, wie er die Ersatztorhüter warm schießt: Diese Bildsprache ist, ob nun bewusst oder unbewusst, auch eine kleine Retourkutsche von Kovac. Denn zu den Hauptvorwürfen des Klubs an Kruse gehört auch, dass dieser sich in den Sozialen Netzwerken sonst selbst ständig inszeniert.

          Als er zusammen mit seiner Frau eine Videoshow bei Youtube startete oder offen darüber plauderte, für sein Millionengehalt quasi nur vier Stunden am Tag zu arbeiten, nahm er zum Ärger von VfL und Hauptsponsor Volkswagen auch keine Rücksicht auf die angespannte Situation bei seinem Klub und dessen Mutterkonzern.

          Der frühere Wolfsburger Trainer Felix Magath hält Kruses Ausbootung deshalb auch für richtig. „Ein Spieler kann so gut sein, wie er will: Wenn er sich nicht einfügen will, dann kann er für den Verein nicht spielen“, sagte der 69-Jährige in einem Interview von ran.de. „Ich denke, Niko Kovac wird jedem Spieler das Angebot gemacht haben, mit ihm zu arbeiten und mit ihm erfolgreich zu sein. Wenn dann Spieler im Kader stehen, die eigene Vorstellungen haben und glauben, so gut zu sein, dass sie nur das machen müssen, was sie für richtig halten, hat der Trainer ein Problem.“ Kovac habe „alles richtig gemacht“ und die Wolfsburger müssten „in so einem Fall den Trainer stärken“.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Corona in China : Xi könnte zum Verlierer der Pandemie werden

          Unter dem Druck der Straße hat Xi Jinping einen Kurswechsel in der Corona-Politik eingeleitet. Es droht eine chaotische Öffnung mit vielen Toten. Noch dazu hat er viele Bürger gegen sich aufgebracht.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.