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Borussia Dortmund : Der seltsame Abschied des Mario Götze

  • Aktualisiert am

Abschied ohne Zuschauer: Mario Götze (Mitte) wird bei Borussia Dortmund verabschiedet. Bild: dpa

Mario Götze verlässt Borussia Dortmund zum zweiten Mal und erlebt ein skurriles Ende. Danach verhagelt eine peinliche Leistung dem BVB die Laune. Die Niederlage gegen Hoffenheim sorgt für einigen Frust.

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          Für Mario Götze ist das Kapitel Borussia Dortmund zu Ende. Vier Jahre nach seiner Rückkehr aus München wurde der 28 Jahre alte Mittelfeldspieler beim Meisterschaftszweiten offiziell verabschiedet. „In der Summe waren es viele Jahre, die ich in Dortmund verbracht habe, die mit vielen positiven und negativen Gefühlen bestückt waren“, sagte Götze vor dem letzten Saisonspiel seiner Borussen gegen die TSG Hoffenheim. Schon 2013 hatte er den BVB gen Bayern verlassen. Damals sorgt sein Abgang für große Emotionen und Anfeindungen der Fans. Diesmal war alles ganz anders – nicht nur, weil keine Zuschauer im Stadion waren.

          Bundesliga

          „Es ist eine spezielle Situation mit Corona. Ich bin eh nicht der Typ, der großen Augenmerk darauf legt, gerade was den Abschied betrifft“, sagte Götze in Anbetracht seines stillen wie seltsamen Abschieds im Dortmunder Signal-Iduna-Park. „Ich habe das Stadion oft in sehr guter Stimmung erlebt.“ Vor dem Anpfiff überreichten Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, Sportdirektor Michael Zorc, BVB-Präsident Reinhard Rauball und Lizenzspielerchef Sebastian Kehl dem „Helden“ der Fußball-WM 2014 im leeren Stadion eine gerahmte Foto-Collage und Blumen. Für die Verabschiedung unterbrachen seine Mitspieler das Aufwärmprogramm und spendeten lauten Applaus.

          Nach den gescheiterten Gesprächen mit der BVB-Spitze um eine Verlängerung seines in diesem Sommer auslaufenden Vertrages ist Götze auf Vereinssuche. Dem Vernehmen nach sind mehrere Klubs aus Italien an einer Verpflichtung interessiert. Nach den ersten Jahren beim Revierklub (2009 bis 2013) mit zwei Meistertiteln (2011/2012) hatte es der Edeltechniker in seiner zweiten BVB-Zeit nie geschafft, an seine alte Form anzuknüpfen. So kam er unter der Regie von Trainer Lucien Favre nur selten über die Rolle des Edelreservisten hinaus. In dieser Saison stand er nur beim Hinspiel in Hoffenheim (1:2) in der Startelf.

          Als die Hoffenheimer im Mittelkreis nach dem Rückspiel am Samstag tanzten und lauthals Europapokal-Lieder anstimmten, waren die Dortmunder schon längst in der Kabine verschwunden. Das peinliche 0:4 (0:2) zum Saisonabschluss verhagelte allen Beteiligten mächtig die Stimmung. Nur eine Woche nach dem imponierende Auftritt beim 2:0 im Spitzenspiel bei RB Leipzig bezog das Team von Favre eine denkwürdige Niederlage, die neue Zweifel an der Charakterstärke des Teams schüren dürfte. „Vielleicht haben wir einfach manchmal die falsche Mentalität“, klagte Torhüter Roman Bürki im ersten Frust bei Sky.

          Zum Leidwesen der Borussen lief Andrej Kramaric zu großer Form auf. Mit seinen vier Treffern besiegte der Kroate den Revierklub fast im Alleingang. Damit gelang seinem Team noch der Sprung auf Tabellenrang sechs, der den direkten Weg in die Europa League ebnete. Die ungeliebten Qualifikationsspiele bleiben den Kraichgauern erspart. „Es ist ein wunderbares Gefühl. Schließlich passiert einem das ja nicht so häufig“, schwärmte Kramaric, dem als erstem Hoffenheimer Profi in einem Bundesliga-Spiel vier Tore gelangen.

          Sportdirektor Alexander Rosen geriet angesichts der famosen Vorstellung des zuletzt vom Verletzungspech geplagten Profis ins Schwärmen: „Die TSG mit Kramaric ist eine andere Mannschaft als ohne Kramaric. Er hat nicht nur diese Scorer-Qualität, sondern arbeitet auch sehr viel. Wir sind froh, dass er uns zum Saisonabschluss wieder zur Verfügung stand.“ Mit leuchtenden Augen ließ Rosen die Spielzeit Revue passieren: „Das war ein grandioser Abschluss einer anspruchsvollen Saison. Und das war nach einem solchen Umbruch im Sommer nicht unbedingt zu erwarten.“

          Ein solch begeistertes Fazit kam beim BVB niemandem über die Lippen. Mit einem Mal schien die Freude über den respektablen zweiten Platz und die beste Torausbeute der Vereinsgeschichte verflogen. „Es war nicht gut von uns und wir haben zu viele Geschenke verteilt. Das war zu wenig“, klagte Favre. Bleibende Schäden befürchtet der BVB-Coach jedoch nicht: „Wir werden das ziemlich schnell vergessen. Wir haben trotzdem unser Ziel erreicht und sind am Ende die Nummer zwei. Wir haben eine gute Saison gespielt.“

          Wie sehr die normalerweise inspirierende Atmosphäre des eigenen, vollen Stadions der Borussia fehlt, dokumentiert die ernüchternde Bilanz in den Geisterspielen seit der Corona-Pause. Drei der fünf Partien endeten mit einer Niederlage.

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