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Frankfurter Bundesliga-Oldie : Darum ist Hasebe das Hirn der Eintracht

„Er sieht viele Schnittstellen, dribbelt immer wieder ins Mittelfeld, da hat er wenig Scheu“, sagt Trainer Oliver Glasner über Hasebe. Bild: Huebner

Auch mit 37 Jahren prägt Makoto Hasebe das Frankfurter Spiel. Noch mag Trainer Oliver Glasner deshalb nicht auf ihn verzichten. Setzt der Japaner seine Karriere auch nach dieser Saison fort?

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          Wieder gab Makoto Hasebe dem Eintracht-Spiel die richtige Richtung. Als am Donnerstagabend in der Europa-League-Partie gegen Antwerpen (2:2) 19 Minuten gespielt waren, passte der 37 Jahre alte Japaner den Ball auf Höhe der Mittelfeldlinie zielgerichtet zu Filip Kostic auf die linke Seite. Für die technisch anspruchsvolle Aufgabe erhielt der Spielstratege Sonderapplaus vom Publikum. Seinen Trainer Oliver Glasner konnte Hasebe, der für die zentrale Rolle in der Dreierabwehrkette nominiert worden war, mit dieser raumgreifenden Aktion nicht überraschen.

          Bundesliga
          Jörg Daniels
          Redakteur in der Sportredaktion

          Der Senior in Reihen der Frankfurter sei ein „sehr erfahrener Mann. Man erkennt, dass Makoto lange Zeit auf der Sechserposition gespielt hat, wo man tendenziell die besten Fußballer auf dem Platz stehen hat.“ Aus Sicht von Glasner ist Hasebe „außergewöhnlich gut in seiner Wahrnehmung“ und hat zudem einen Blick für die Offensive: „Er sieht viele Schnittstellen, dribbelt immer wieder ins Mittelfeld, da hat er wenig Scheu.“ Was der Trainer auch hätte sagen können: Der ehemalige Kapitän der japanischen Nationalmannschaft, der der älteste aktive Bundesligaspieler ist, ist der Dreh- und Angelpunkt. Sportvorstand Markus Krösche sagt: „Makoto ist ein wichtiger Anker gerade für die jungen Spieler.“

          Einsatz in voller Länge

          Stammspieler ist Hasebe in dieser Saison unter dem neuen Trainer Glasner nicht mehr. Von Anfang an lief er in der Bundesliga „nur“ viermal auf. Sechsmal blieb er im Kader ohne Einsatz. In den drei zurückliegenden Europa-League-Begegnungen ging Hasebe jedoch über die volle Länge. Dabei hatte der Trainer vor dem Antwerpen-Spiel noch den Eindruck vermittelt, dass er diesmal wegen des neuerlichen Ausfalls von Martin Hinteregger für die Besetzung des Postens Stefan Ilsanker favorisiere. Denn als Gegenspieler für den Antwerpener Sturmhünen Michael Frey (1,89 Meter, 86 Kilogramm) wäre der Österreicher aufgrund seiner Statur und Robustheit besser geeignet gewesen.

          „Da hat Makoto körperliche Nachteile, und die werden sich auch nicht ändern, weil er nicht mehr wachsen wird“, sagte Glasner im Spaß. Größe zeigte Hasebe dann auf seine Art. Als Kopf und Anführer wertete er mit seiner Routine, seiner fußballerischen Klasse, seinem Auge und seiner Übersicht das Frankfurter Spiel auf. Nur beim Gegentreffer zum 1:2 war er nicht auf der Höhe. Seinen Einsatz hatte sich Hasebe durch seinen starken Auftritt beim 2:0 der Eintracht in Freiburg verdient.

          64-mal war er in dieser Begegnung am Ball gewesen – deutlich häufiger als die Mittelfeldspieler Kristijan Jakic (50) und Djibril Sow (41) oder der Offensivspieler Jesper Lindström (29). Außerdem hatte Hasebe die beste Passquote aller Eintracht-Profis. Mit seiner Ruhe und Abgeklärtheit verhalf der abgezockte Japaner seinen Mitspielern zu mehr Stabilität. „Makoto coacht die Jungs, hilft ihnen mit seiner Erfahrung und ist deshalb so wichtig“, sagt Krösche: „Da spielt sein Alter keine Rolle.“

          Der 29 Jahre alte Hinteregger ist zwar zweikampf- und kopfballstärker als Hasebe. In Sachen Spieleröffnung kann der Österreicher mit dem Japaner allerdings nicht mithalten. Hasebe gibt dem Spiel von hinten heraus Struktur und Linie, selbst in Drucksituationen lässt er sich nicht nervös machen. Insofern ist der Altmeister ein Gewinn, wenn er auf dem Platz steht. Bisher hat Hasebe, der seit 2008 in der höchsten deutschen Spielklasse aktiv ist, in seinen 19 Jahren als Fußballprofi 345 Bundesligaspiele für die Eintracht, Nürnberg und Wolfsburg bestritten. Nur fünf Spieler aus dem Ausland kommen seit Gründung der Liga auf mehr Einsätze: Claudio Pizarro, Robert Lewandowski, Naldo, Halil Altintop und Lewan Kobiaschwili.

          Ein paar Partien kommen bei Hasebe bis zum Rundenende noch dazu. Es könnten noch mehr werden, wenn er seinen Vertrag wieder um eine Saison verlängert. Dreimal hatte Hasebe in den zurückliegenden Jahren davon gesprochen, dass er seine Karriere beenden werde: Jedes Mal überlegte er es sich anders. Nun will Hasebe in Absprache mit der Eintracht im April des kommenden Jahres über seine Zukunft entscheiden. Nach jetzigem Stand ist es denkbar, dass der Japaner seinen Status beibehält und die Frankfurter, die an diesem Sonntag (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga und bei DAZN) zu Hause Union Berlin empfangen, weiter aktiv unterstützen wird. Noch können sie auf ihn mit seinen Stärken und seiner Verlässlichkeit nämlich nicht verzichten. Und seine Fitness dürfte bei ihm mit einer klugen Belastungssteuerung und der einen oder anderen Spielpause weiter mitspielen.

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          Langweilig wird es Hasebe so oder so nicht. Er ist Teil des neuen „Players Pathway“-Programms des Deutschen Fußball-Bundes, das auf aktive Profis und Spieler zielt, die gerade ihre Karriere beendet haben. Mit der Ausbildung ist der Erwerb einer „Trainer B+“-Lizenz möglich, zudem erhalten die Absolventen Einblick in die Management-Tätigkeiten im Profifußball. Teamkollege Timothy Chandler sagte zuletzt über Hasebe: „Wer Makoto kennt, weiß, dass eine Karriere als Trainer zu ihm passt.“

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