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Fußballklub ist außer sich : „Mainzer Weltklasse“

Jubelschreie in den Abend: Mainz-Trainer Achim Beierlorzer in Köln Bild: dpa

Die 05er besiegen in einem Abstiegskrimi Werder Bremen und bleiben so in der Bundesliga. Trainer Achim Beierlorzer ist froh, „dem Psychoterror“ entkommen zu sein. Für die Zukunft gibt es eine Botschaft.

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          Wie feiert man einen Klassenverbleib im eigenen Stadion ohne Fans? Am Samstagnachmittag spürte Mainz 05 die Absurdität dieser vom Coronavirus geprägten Zeiten. Als der 3:1-Sieg gegen Werder Bremen besiegelt und der Abstieg aus eigener Kraft auch rechnerisch verhindert war, fielen sich die Spieler in die Arme, selbst dies etwas gehemmt angesichts der Abstandsregeln.

          Bundesliga

          Der Betreuerstab verteilte vorbereitete T-Shirts, auf denen der Slogan „8 X Meister. Langweilig? 11 X drin bleiben. Mainzer Weltklasse“ geschrieben stand. Es wirkte alles steril. Aber dann sorgte Sportvorstand Rouven Schröder doch noch für ein wenig Gänsehaut-Atmosphäre. Er ergriff im Kreis der Spieler das Wort und schrie mit heiserer Stimme hinaus: „Wir sind in der Liga geblieben. Alle haben gesagt: Wir sind weg! Gar nichts sind wir. Wir sind in der Bundesliga, weil wir es verdient haben. Ich bin stolz auf euch.“

          Emotionaler Höhepunkt

          Die Ansprache dürfte vorerst der emotionale Höhepunkt gewesen sein. Die anschließende Feier musste schließlich im Rahmen bleiben, da auch die Mainzer an die strengen Regeln des Hygienekonzepts gebunden sind. Das Team wollte noch einmal zusammen ins Mannschaftshotel fahren und dort nach Worten Beierlorzers „auf Abstand zusammensitzen“.

          Auf Abstand hielten die Mainzer am Samstag auch Werder Bremen und Fortuna Düsseldorf – wieder einmal also hat Mainz 05 einen Existenzkampf bestanden, der in diesem Jahr das Wort vermutlich mehr verdient hat als sonst. Ein Abstieg hätte den Verein unweigerlich besonders belastet in den unsicheren Zeiten der Corona-Krise, auch wenn der am Freitag vorzeitig mit einer Vertragsverlängerung belohnte Kaufmännische Vorstand Jan Lehmann dem Vernehmen nach selbst für die zweite Bundesliga solide wirtschaftliche Zahlen hätte präsentieren können.

          Gegen Werder profitierten die Mainzer von ihrem Geschwindigkeitsvorteil, zu dem auch vier frische Spieler beitrugen, die beim 2:0-Sieg in Dortmund noch geschont wurden. Nach von Mateta und Onisiwo vergebenen Chancen half dann ein Standard: Nach einer Brosinski-Flanke köpfte Onisiwo über Werder-Schlussmann Jiri Pavlenka hinweg, Davy Klaassen konnte den Ball noch am Überschreiten der Torlinie hindern, Robin Quaison drückte den Ball aber dann so deutlich hinter die Linie (25. Minute).

          Fünf Minuten später tankte sich Danny Latza dann mit einem Solo durchs Mittelfeld, bediente Jean-Paul Boetius mit einem Kabinettstückchen per eingesprungenen Hackenpass, und der Niederländer schoss so traumwandlerisch sicher ein wie in seiner besten Phase in Mainz vor einem Jahr. Werder erzielte zwar noch den Anschlusstreffer durch Osako (58.), als sich die Mainzer im eigenen Strafraum eine Nachlässigkeiten leisteten. Edimilson Fernandes sorgte dann aber fünf Minuten vor Ende für klare Verhältnisse.

          „Die englische Woche war intensiv. Nach Augsburg gab es den medialen Abgesang auf uns, obwohl wir drei Punkte Vorsprung auf unsere Konkurrenten hatten. Und nun sind wir nicht mal eine Woche später gerettet“, sagte Trainer Achim Beierlorzer. „Ich bin froh, dass wir nicht in diesen Psychoterror des letzten Spieltags kommen.“ Erstmals seit dem 17. Spieltag verließen die Mainzer zudem wieder den Tabellenrang 15. Nun könnten sie mit einem Sieg in Leverkusen gar noch bis auf Rang elf hinaufklettern, was die passende Pointe am Ende der elften Bundesliga-Spielzeit in Serie wäre, die die Mainzer wegen der in der Fastnacht so bedeutsamen Zahl vor der Saison besonders beworben hatten.

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