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Bundesligaklub in der Krise : Die Ideenlosigkeit des FSV Mainz 05

  • -Aktualisiert am

Mainzer Malaise: Danny Latza hat genug vom Fußball. Bild: dpa

In Mainz plätschert der Kampf um den Klassenverbleib in der Fußball-Bundesliga dahin: Auch der 1. FC Köln profitiert von der großen Schwäche der Rheinhessen.

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          Die Hände wahlweise vors Gesicht oder über dem Kopf zusammenschlagen: Das waren am Samstagabend die Gesten des Tages beim FSV Mainz 05. „Es ist ein schreckliches Gefühl“, sagte Jeremiah St. Juste nach dem 0:1 gegen den 1. FC Köln, das seine Mannschaft im Kampf um den Klassenverbleib ein weiteres Stück zurückwarf. Als hätten die Rheinhessen in den Begegnungen mit den direkten Konkurrenten im Tabellenkeller nicht schon genügend Punkte liegenlassen. Abgesehen vom Mut machenden Sieg in Freiburg waren das in den vergangenen Wochen das Unentschieden gegen Schalke sowie die Niederlagen in Bielefeld und nun gegen den FC. So treten die Mainzer nicht nur auf der Stelle, sondern verlieren an Boden. Was sie an den jüngsten beiden Bundesligaspieltagen zustande brachten, konterkariert den Aufwärtstrend, der sich unter Trainer Jan-Moritz Lichte abgezeichnet hatte.

          Bundesliga

          Frustriert waren alle, die das 05-Trikot trugen. Allerdings hatten sie auch so gespielt, dass sie befürchten musste, frustriert zu sein. Und verärgert, „sehr verärgert“, wie Daniel Brosinski sagte. Für den Außenverteidiger, der auf der linken Außenbahn den Spanier Aarón wieder ablöste, war das Ganze womöglich noch ein bisschen ärgerlicher als für seine Kollegen, schließlich absolvierte er am Samstag sein 200. Bundesligaspiel. 182 davon für seinen jetzigen Verein, und die ersten 18 für: den 1. FC Köln. Jenseits der artikulierten Enttäuschung und Selbstkritik, was die Zahl der herausgespielten Torchancen betraf, sprach aus den Statements der Mainzer Spieler eine gewisse Hilflosigkeit. „Jeder muss sich einmal selbstkritisch hinterfragen“, benutzte Brosinski eine Floskel – als ob sie das nicht schon häufiger vorgehabt hätten.

          Wollte der Jubilar damit bei sich selbst anfangen, könnte er sich beispielsweise mit der unterirdischen Qualität seiner Flanken und Standards in der ersten Halbzeit auseinandersetzen. Angesichts der Regelmäßigkeit, mit der die Bälle bei Gegenspielern landeten, hätten Brosinskis Mitspieler gar nicht aufrücken müssen, sondern direkt zur Kontersicherung übergehen können.

          Gedanken machen müssen sich die Rheinhessen auch darüber, wie es möglich sein kann, dass Brosinski die erste Halbzeit als „ein Dahingeplätschere“ bezeichnen konnte. Nicht, weil es im Wiederspruch zu Danny Latzas Einschätzung stand, „vom Engagement, vom Zweikampfverhalten, von der Leidenschaft her, können wir uns heute nichts vorwerfen lassen“ – sondern weil Brosinski deutlich näher an der Realität war als sein Mannschaftskapitän. Und weil es im sportlichen Überlebenskampf niemals plätschern darf, schon gar nicht in einer Auseinandersetzung mit einem Klub, der sich bei Spielbeginn noch in Schlagdistanz befand. In leidenschaftlichen Zweikämpfen darf es auch mal krachen, das war nur selten der Fall, das Plus an Aggressivität verzeichneten die Kölner.

          Hinzu kam der Punkt, den der Trainer zuvorderst bemängelte. „Dass wir gegen einen sehr kompakt stehenden Gegner zwar an der ersten Reihe vorbeigekommen sind – aber kaum einmal weiter.“ Jan-Moritz Lichte vermisste das Spiel in die Tiefe, „auch wenn die Kölner uns nicht viel Tiefe angeboten haben“. Sein Kollege Markus Gisdol hingegen konnte zufrieden feststellen, dass sein Plan aufgegangen war: „Wir wollten dem Gegner durchaus mehr den Ball geben“, sagte der FC-Coach – spätestens nach der Analyse der Mainzer Partie in Bielefeld dürfte er gewusst haben, wie schwer sich die 05er tun, Lösungen gegen eine tiefstehende Abwehr Ideen zu entwickeln. Lichtes Erkenntnis: „Wir haben es nicht geschafft, die Kölner Kompaktheit auseinanderzuspielen, an diesen Situationen müssen wir arbeiten.“

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