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Bundesliga-Medienrechte : Minus 240 Millionen

Die Sättigung des Medienmarktes wird sichtbar – das muss auch die bisher von märchenhaften Steigerungen verwöhnte Bundesliga erkennen. Bild: dpa

DFL-Chef Seifert kann bei der Medienrechtevergabe Verlässlichkeit bieten. Doch die Ungewissheiten bleiben groß. Die Liga steht vor einem „harten Sommer“ – mindestens.

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          Die Fußball-Bundesliga hat mitten in der globalen Pandemie leicht an Marktwert eingebüßt. Das ist das Ergebnis des mit Spannung erwarteten Abschlusses der nationalen Medienrechtevergabe für die vier bevorstehenden Spielzeiten von 2021/22 bis 2024/25.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Statt wie bisher im Durchschnitt 1,16 Milliarden Euro werden zukünftig an die Vereine der ersten und zweiten Liga jede Saison 1,1 Milliarden Euro verteilt werden können. Dies ist ein Rückgang um fünf Prozent, nachdem in der Versteigerung vor vier Jahren noch ein gewaltiger Sprung von mehr als 80 Prozent nach vorne vollzogen werden konnte.

          Bundesliga

          Die Corona-Krise, aber auch eine in der Fußballbranche unabhängig davon erkennbare Sättigung des Medienmarktes zeigen ihre Auswirkungen nun in der bisher von märchenhaften Steigerungen verwöhnten Bundesliga. „Wir haben ein ordentliches Ergebnis erzielt, das sich in diesen Zeiten sehen lassen kann“, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL), Christian Seifert, nach der Mitgliederversammlung der Klubs der Ersten und Zweiten Bundesliga, welche zuvor das Resultat der Auktion zu bestätigten hatten.

          18 Rechtepakete sind in den vergangenen zwei Wochen von der DFL versteigert worden, ein Bieterfeuerwerk ist jedoch ausgeblieben. Sieben Anbieter sind zum Zuge gekommen – und auch wieder die beiden öffentlich-rechtlichen Fernsehsender. Den überwiegend größten Teil des Gesamtbetrages werden die Käufer der vier wichtigsten Livepakete im Pay-Bereich – der langjährige Partner Sky und der Streamingdienst Dazn – an die DFL zahlen. Der Bezahlfernsehsender aus München, hinter dem inzwischen der amerikanische Kabelnetzbetreiber Comcast steht, wird die Partien an Samstagen und an Spieltagen in der Woche sowie die Konferenzen dazu übertragen. Zudem zeigt Sky die zweite Liga. Bisher hat das Unternehmen dafür fast 900 Millionen Euro im Jahr überwiesen.

          Sein Portfolio ausbauen konnte der Streamingdienst Dazn, der von der übernächsten Saison an alle Bundesligaspiele am Freitag und Sonntag direkt im Internet übertragen wird. Etwas überraschend ersteigerte sich der Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 das Recht für ein weiteres kleines Livepaket im frei empfangbaren Fernsehen. Es geht hierbei um das Auftaktspiel zum Saison- und Rückrundenstart, eine Partie am 17. Spieltag vor Weihnachten sowie auch die Relegationsspiele zwischen erster und zweiter, aber auch zwischen zweiter und dritter Liga – und dazu noch um den Supercup.

          Dass es im Vergabeverfahren zum Teil an Wettbewerb zum weiteren Hochbieten gefehlt haben könnte, ließ Seifert durchblicken. „Das Ergebnis bringt zum Ausdruck, dass es Wettbewerb gab, der unterschiedlich ausgeprägt war“, sagte er. Aus seiner Sicht hat der Sprung nach oben in der Auktion vor vier Jahren von mehr als 80 Prozent offensichtlich schon damals sehr viel vorweggenommen. Sowohl der Online-Gigant Amazon als auch die Deutsche Telekom, die zuletzt viele Millionen in Fußballrechte investiert hatten, hielten sich in der Bundesliga-Auktion ganz offensichtlich zurück. Das hatten Fachleute ganz anders prognostiziert. Amazon wird sogar die bisher gehaltenen Internetradiorechte an die ARD abgeben.

          „Sportschau“ und „Sportstudio“ bleiben erhalten

          Nicht mehr stattfinden werden von der übernächsten Saison an die im Amateurfußball ungeliebten Bundesligaspiele am Sonntagmittag (13.30 Uhr) und die von Fangruppen kritisierten Partien am Montagabend (20.30 Uhr). Stattdessen wird von der Saison 2021/22 an zehnmal am Sonntagabend um 19.30 Uhr angestoßen. Sonst ändert sich am Erstligaspielplan nicht viel. Das Freitagsspiel (20.30 Uhr) bleibt bestehen sowie die fünf Spiele am Samstagnachmittag (15.30 Uhr) und die Toppartie am Abend (18.30 Uhr). Am Sonntagabend wird die Anstoßzeit von 18 Uhr auf 17.30 Uhr wechseln. Das Topspiel der zweiten Liga soll künftig statt Montagabend am Samstagabend um 20.30 Uhr stattfinden. Dies übertragen Sky im Pay-TV und der Sender Sport 1 im frei empfangbaren Fernsehen.

          „Ich glaube, dass die erste und zweite Liga gut durch die Krise kommen werden. Aber es kommt ein harter Sommer“, sagt Christian Seifert, der Geschäftsführer der DFL.

          Erhalten bleiben die ARD-„Sportschau“ und das „Aktuelle Sportstudio“ im ZDF mit den Zusammenfassungen der Höhepunkte des Spieltags. Zugleich hat der Medienkonzern Axel Springer wieder in die Bundesliga investiert. Das Unternehmen kann direkt nach Spielschluss die Höhepunkte der Partien im Bezahlangebot seiner Internetplattformen (wahrscheinlich „Bild“-Zeitung) zeigen. Zudem hat sich Axel Springer das Recht für ein neues DFL-Paket zur Nutzung von kürzeren zusammenfassenden Spielszenen auf Außenwerbeflächen in Städten ersteigert.

          Die Vereine der Bundesliga müssen nun in den nächsten Jahren erstmals mit einer Stagnation der Einnahmen kalkulieren. „Für einige wird es bedeuten, dass sie den Gürtel enger schnallen müssen“, sagte Seifert. Auch für die Spieler, ihre Berater und das Gesamtsystem Fußball würde aufgrund der aktuellen Situation vieles anders werden. Die Rahmenbedingungen würden nach unten korrigiert werden. Trotzdem merkte der Ligachef an: „Ich glaube, dass die erste und zweite Liga gut durch die Krise kommen werden. Aber es kommt ein harter Sommer.“ Es deutet sich schon an, dass manche Vereine in Zahlungsschwierigkeiten kommen könnten, was vor allem erhebliche Auswirkungen auf den Transfermarkt hätte.

          Derweil kündigte Seifert an, dass die DFL im September die neue Bundesligasaison starten will. Ein genauer Termin wurde allerdings nach der Mitgliederversammlung nicht genannt. „Wir gehen alle davon aus, dass wir im September starten werden. Kann ich Ihnen das mit Sicherheit sagen? Kann ich nicht“, sagte der DFL-Chef. Der Wiederanpfiff soll möglichst mit Fans in den Stadien erfolgen. Man versuche dafür die Rahmenbedingungen zu schaffen. Großveranstaltungen mit vielen Zuschauern sind nach den Vorgaben der Politik bis Ende Oktober verboten, Ausnahmen sind aber möglich.

          Sky kauft Formel-1-Rechte exklusiv

          Der Großteil der Formel-1-Rennen wird von der kommenden Saison ab nur gegen zusätzliche Bezahlung zu sehen sein. Der Pay-TV-Sender Sky hat sich nach eigenen Angaben die Medienrechte für die Motorsport-Serie gesichert und muss nur vier Rennen frei zugänglich machen. Der Free-TV-Sender RTL zeigt die Formel nur noch bis zum Ende der diesjährigen Saison, die am 5. Juli beginnen soll. Sky überträgt bisher parallel zu RTL und hat sich nun „langfristig die exklusiven Übertragungsrechte“ gesichert.

          Der Pay-TV-Sender will alle Rennwochenenden der Formel 1 live übertragen, vom ersten freien Training bis zum Rennen am Sonntag. Über den Kaufpreis wurden keinen Angaben gemacht. Mit Sky Sport F1 will das Unternehmen, das zum amerikanischen Konzern Comcast gehört, „den ersten linearen Formel-1-Sender im deutschen Fernsehen an den Start bringen, der täglich 24 Stunden ausschließlich Motorsport-Content zeigt“. Sky muss vier Rennen pro Saison frei empfangbar zeigen – oder zeigen lassen. Die Grand-Prix-Läufe könnten auf dem hauseigenen Free-TV-Sender Sky Sport News HD laufen oder per Sub-Lizenz weiterverkauft werden.

          „Wir werden unseren Zuschauern das beste Motorsport-Erlebnis aller Zeiten bieten“, sagte Sky-Boss Devesh Raj in einer Mitteilung. Der Free-TV-Sender RTL hatte am Vortag bekanntgegeben, dass er die Formel-1-Berichterstattung nach 30 Jahren zum Ende der Saison einstellt und finanzielle Gründe genannt. „Wenn Konkurrenten im Spiel sind, die bereit sind, das Doppelte zu bieten, muss man sich mit einem Ausstiegsszenario zwangsläufig auseinandersetzen“, sagte RTL-Sportchef Manfred Loppe. (dpa)

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