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Hannover 96 : Der härteste Job des Thomas Schaaf

  • -Aktualisiert am

„Mir fehlen die Leute, die mit Lust das Klavier anpacken“: Thomas Schaaf. Bild: dpa

Bei Werder Bremen prägte Thomas Schaaf eine Ära. Nun soll er den Tabellenletzten Hannover 96 retten. Doch eigentlich kann die Mission nur mit dem Abstieg enden. Dafür gibt es mehrere Gründe.

          Den Status der Unantastbarkeit hatte Thomas Schaaf in Hannover schnell verloren. Es war das 0:1 gegen den FSV Mainz 05 vor zwei Wochen, in dem der neue Trainer der abstiegsbedrohten Niedersachsen Fehler gemacht und Situationen falsch eingeschätzt hatte. Er ließ den schwierigen, aber immer zupackenden Salif Sané auf der Bank und probierte Zugang Hotaro Yamaguchi links in der Raute aus. Nach 35 Minuten korrigierte er seinen Irrtum, nahm den überforderten Japaner vom Feld und brachte: Sané.

          Seinem ohnehin verunsicherten Fußballteam eine offensive Rautenform zu verordnen, statt auf zwei „Sechser“ zu vertrauen, war wenigstens mutig. Im Angriff setzte der Trainer-Routinier auf die namhaften Neuen Adam Szalai und Hugo Almeida. Die beiden ließen von Minute zu Minute nach, wirkten am Ende wie Seniorenspieler unter Profis. Dass Almeida später zugab, er sei erst „bei 50, 60 Prozent“ Fitness, warf ein schlechtes Licht auf Schaaf und seinen Einsatzplan.

          Eingestanden hat Schaaf seine Fehleinschätzungen nicht. Am Freitag sagte er rückblickend auf das Mainz-Spiel: „Damals war die Erwartungshaltung riesengroß. Das hat zu einer Lähmung geführt. Die Spieler waren innerlich blockiert.“ Wie auch immer – eine Woche später beim vorzeigbaren 0:1 in Dortmund korrigierte sich Schaaf, stellte deutlich defensiver auf. Die Niederlage bei den Westfalen war das erste halbwegs ordentliche Spiel des Tabellenletzten unter dem Mann, der die „Roten“ doch retten sollte.

          Die Defensive stand, es wurde gerannt und gekämpft, die Grundtugenden waren im vierten Schaaf-Spiel endlich da. Mit Wehrhaftigkeit und etwas mehr Spielwitz soll an diesem Sonntag der FC Augsburg (17.30 Uhr / Live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) besiegt werden. Intern gilt die Partie als letzte Chance. Hannover 96 steht bei 14 Punkten, kein weiterer Patzer kann mehr verziehen werden. „Solange alles möglich ist, wird hier entschieden weitergemacht“, sagt hingegen Schaaf – er weiß, wie das klingt.

          Schaafs Hoffnung: Rückkehrer Hiroshi Kiyotake

          Man hatte viel mehr von ihm erwartet. Ein Ruck sollte durch die schlecht zusammengestellte Mannschaft ohne Anführer gehen. Ein harter Job. „Mir fehlen die Leute, die mit Lust das Klavier anpacken“, sagte Schaaf im Trainingslager befremdet über sein braves, neues Team. Wenn die Klavierträger fehlen, muss der Trainer vorangehen. Er kann das, er konnte es in Bremen. Aber selbst die Werder-Mannschaften der letzten Schaaf-Jahre 2012 und 2013 waren spieltaktisch strukturierter und individuell besser als Hannovers Jahrgang 2015/2016. Vielleicht hat sich Schaaf einfach überschätzt.

          Denn er hat sich einer Mission verschrieben, die unter solch schlechten Vorzeichen steht, dass sie eigentlich nur mit dem Abstieg enden kann. Manchmal wirkt Klubchef Martin Kind, als erwarte er vom hochgeschätzten Trainer gar nicht wirklich, dass er das reparieren könne, was in den vergangenen beiden Jahren zerbrochen ist. Da war der Sportchef Dirk Dufner, der den Kader im Sommer mit vergleichsweise viel Geld noch zusammenstellen durfte, obwohl er den Klub im August 2015 verließ.

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          Da war der Trainer Michael Frontzeck, der auf Verstärkungen verzichtete, obwohl Kind sie ihm angeboten hatte. Schaaf übernahm im Dezember eine Mannschaft ohne Selbstvertrauen und Automatismen. Im zweiten Transferfenster kamen sechs Neue, sechs Profis gingen, der neue Manager Martin Bader hätte gern noch fünf weitere Profis verkauft. Professionelle Kaderplanung sieht anders aus. Die Managementfehler der Hannoveraner sind verheerend. Genug Geld war da, und kurzfristig schien es, als kämen tatsächlich Kevin Großkreutz und Stefan Kießling nach Hannover. Das hätte etwas bewirken können.

          Kind wollte Schaaf schon oft. Dass er ihn nun bekam, wo die Not am größten ist und der Name Schaaf längst nicht mehr so glänzt wie vor sechs, sieben Jahren, ist wiederum typisch für Hannover96. Hier stimmt sehr oft das Timing nicht. Schaaf hat bis 2017 unterschrieben. Aber nicht für die zweite Liga. Das nimmt ihm in Hannover keiner übel.

          Schwere Zeiten für Thomas Schaaf

          Der Verein hat sich diesem Trainer verschrieben, es gilt als ausgeschlossen, dass noch einmal gewechselt wird, alle loben seine Arbeit, besonders Bader und Kind. Sich selbst sieht Schaaf als Trainer, der Werder in die Elite führte. Nicht als Mann, der in Frankfurt hinschmiss. Schon gar nicht als Feuerwehrmann. Und doch war es so, dass es ruhig geworden war um ihn. Junge Trainer, innovative Trainer drängen nach. Das ist ein Trend der Zeit, gegen den der 54 Jahre alte Schaaf nicht ankommt.

          Versprochen hat er nichts. Nicht mal bei seiner Vorstellung. Er arbeitet seriös und ausdauernd mit der Mannschaft an den Grundlagen. Erst lange geduldig und väterlich, in dieser Trainingswoche nun hart und zupackend. Langsam weiß er, wem er vertrauen und was diese Mannschaft spielen kann. Nur: So viel ist da nicht. Torwart Zieler, André Hoffmann, und ein Verletzter, der an diesem Sonntag wiederkommen dürfte und auf den alle Fans der „Roten“ hoffen: Hiroshi Kiyotake. Sein Spielwitz soll den Offensiven helfen, endlich wieder Torgefahr auszustrahlen. Kiyotake soll auch Schaaf helfen. Ein Abstieg aus der Bundesliga würde seinen nach wie vor guten Ruf erheblich beschädigen.

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