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Leipziger Auswärtssieg : Gulácsi ist zu gut für den VfB Stuttgart

  • -Aktualisiert am

Unüberwindbar: Péter Gulácsi wehrt alles ab, was auf sein Tor fliegt. Bild: Sven Simon

Der Leipziger Torwart wird zur unüberwindbaren Hürde für die Schwaben und hat damit großen Anteil am 2:0 in Stuttgart. RB freut sich über den ersten Auswärtserfolg seit April 2021.

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          Péter Gulácsi hat am Samstag als letzter Spieler den Rasen der Stuttgarter Arena verlassen. Der Torhüter von RB Leipzig hatte viele Hände schütteln müssen und viele verbale und nonverbale Umarmungen erfahren. Auf dem Weg in die Kabine checkte er erst einmal die Nachrichten auf seinem Mo­biltelefon.

          Bundesliga

          Viele Kurzmitteilungen hatten ihn erreicht, wie er später verriet, es waren vor allem Glückwünsche, für ihn und die Mannschaft. Kurz vor dem Eingang ins Souterrain stoppte Gulácsi noch mal ab, er blieb stehen und hielt sein Handy in die Höhe, er machte ein Selfie, ein Selbstbildnis, er wollte diesen besonderen Moment für sich festhalten. Denn das 2:0 beim VfB Stuttgart war ein besonderer Sieg gewesen für die Leipziger. Es war der erste Auswärtserfolg seit April 2021 (4:1 in Bremen).

          „Das war sehr, sehr wichtig für uns“, sagte Gulácsi. Dass der 31-Jährige großen Anteil daran hatte, verschwieg er zu­nächst. Diese Lobhudelei übernahm gern sein Trainer. „Pete“, schwärmte al­so Domenico Tedesco, „war überragend heute und hat das Spiel für uns mitentschieden. Er ist ein extremer Ruhepol, und das strahlt natürlich auf die Innen- und Außenverteidiger aus.“

          Wenn ein Torhüter so bedeutsam für den Spielausgang ist, ist das auch ein Zeichen dafür, dass die Mannschaft nicht die Dominanz hatte, die sich ein Trainer gern wünscht. Leipzig spielte or­dentlich, „aber wir hatten auch einige Phasen drin, in denen wir viel leiden mussten“, wie es Tedesco formulierte.

          „Das war ein Reflex“

          Dabei hatte die Partie gegen Leipzigs Lieblingsgegner mit vielen eigenen Ballstafetten und einem frühen Tor begonnen. In dieser Phase bekamen die 500 Zuschauer eine Ahnung von Tedes­cos Ballbesitzfußball mit kurzen, schnellen Pässen. Bereits in der elften Minute nutzte André Silva einen von Konstantinos Mavropanos verursachten Handelfmeter sicher zur Führung – es war das fünfte Tor des Portugiesen im fünften Spiel unter Tedesco. Mit drei Siegen hat der 36 Jahre alte Trainer nun die Trendwende in Leipzig eingeleitet. „Für uns war es von Anfang an klar, dass wir Zeit brauchen, um Ruhe und Struktur beim Ballbesitz reinzubringen“, sagte der Schwabe, der einst sieben Jahre Jugendtrainer beim VfB gewesen war.

          Was der neue Fußballlehrer nach der Führung aber gesehen hatte, gefiel ihm nicht mehr, wie er hinterher zugab. Das Tor machte nicht seine Spieler selbst­sicherer, sondern die Stuttgarter. Der VfB spielte mutig nach vorn und kombinierte sich bisweilen ansehnlich durchs Mittelfeld. Doch formidable Torgelegenheiten hatten die Stuttgarter erst in der zweiten Hälfte.

          Zehn Minuten nach dem Wiederbeginn erspielte sich der VfB dann fast Torchancen im Minutentakt. Es war die Phase, in der Gulácsi in den Mittelpunkt rückte und die Stuttgarter in die Resignation trieb. Vor allem der Kopfball von Sasa Kalajdzic (56.) ins kurze Eck war einer dieser sogenannten Unhaltbaren, die nur we­nige Torhüter zu halten vermögen. Gulácsi blieb stehen, nur seine rechte Hand zuckte kurz, um den Ball zu blocken. „Der Kopfball von Kalajdzic war gar nicht so leicht zu halten“, gab der Ungar zu, „das war ein Reflex.“

          Auch an der Seitenlinie verzweifelte VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo an dessen erstaunlichen Reaktionen, Gulácsi zeigte nun sein ganzes reichhaltiges Repertoire und hielt am Ende zehn Bälle – so viele, wie in dieser Saison noch kein anderer Torhüter in der Bundesliga. Den feinen Schuss von Orel Mangala wehrte er mit einer Flugeinlage ab (63.), beim Kopfball von Waldemar Anton riss er die Hand hoch (67.). Und beim Schuss von Roberto Massimo stellte er blitzartig seinen linken Fuß aus (83.). Halb ironisch, halb ernst sagte Matarazzo: „Für einen eigenen Treffer hätten wir heute einen schlechteren gegnerischen Torhüter gebraucht.“

          Und es kam dann so, wie es oft kommt im Fußball, wenn eine Mannschaft das Spiel macht, macht die andere eben das Tor. In diesem Fall traf Christopher Nkunku zum 2:0 (70.) nach einem feinen Konter. Nach dem ersten Auswärtssieg in dieser Saison sind die Dä­monen in den Köpfen der Leipziger Spieler endgültig besiegt. „Wir müssen nun nicht mehr zu viel über die Vergangenheit nachdenken“, sagte Gulácsi. Nach dem Sieg blickte der Kapitän lieber voraus. Zum Beispiel auf das Achtelfinale an diesem Mittwoch im Pokal ge­gen Hansa Rostock. „Wir haben hohe Am­bitionen.“ Denn Gulácsi und seine Mitspieler wollen auch in der nächsten Saison wieder international spielen.

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