https://www.faz.net/-gtm-97za2

Bundesliga-Kommentar : Schwere Fälle von Patienten-Fußball

Wolfsburger Sorgen: Josuha Guilavogui (r) und Robin Knoche wirken ratlos Bild: dpa

Die einen trifft die Grippe mit voller Wucht, die anderen weniger: Das gilt auch für die Bundesliga. Dort verwundern vor allem die Krankenakten in Hamburg und Wolfsburg.

          Für Deutschland gibt es eine gute Nachricht. Die Grippewelle, so war am Wochenende vom Robert Koch Institut zu erfahren, der zentralen Regierungsstelle in Gesundheitsfragen, hat ihren Höhepunkt überschritten, Besserung ist also in Sicht. Für Fußball-Deutschland lässt sich das leider nicht sagen. Schon während der Woche, der meteorologisch zweiten des Frühlings, konnte man ein weiteres Beispiel der wiederkehrenden spielerischen Malaise von Borussia Dortmund begutachten, und auch am Wochenende waren viele Begegnungen nicht gerade angetan, die Lebensgeister zu wecken: Vorhersehbar und mitunter auch ein wenig blutleer wurde – zumindest bis zu einem späten Spektakel am Sonntagabend – in den deutschen Stadien gekickt, von Frühlingserwachen kaum eine Spur.

          Dass sich mit einer einfallslosen Vorstellung wie der des FC Schalke 04 beim FSV Mainz Rang zwei in der nationalen Rangliste festigen lässt, sagt einiges über die Gesamtkonstitution dieses Organismus: Robust ist anders – anämische Bundesliga möchte man fast sagen, wenngleich die zentrale Fußballregierungsstelle DFL das gewiss für unverantwortliche Panikmache halten würde.

          Dass man sich um manchen Standort ernsthaft sorgen muss, ist hingegen nichts, wofür es eine zweite Meinung brauchte. Und das reicht über das fortgesetzte Siechtum des Hamburger SV hinaus, dessen Erscheinung sich von Woche zu Woche verschlimmert und bei dem an diesem Wochenende noch ein Sekundärsymptom des sportlich moribunden Auftretens zu beobachten war: morbide Parolen auf dem Stadiongelände im Volkspark, die in ihrer Geschmacklosigkeit und Grenzüberschreitung ein dringender Fall für den Verhaltenstherapeuten wären.

          Bundesliga
          ANZEIGE

          In Hamburg gibt es aber auch wirklich gar nichts, was noch Hoffnung machen könnte. Zunehmend beunruhigend allerdings sieht es auch in Wolfsburg aus, wo der auf solche Fällen spezialisierte Doktor Labbadia noch nicht zur Stabilisierung hat beitragen können. Das 0:3 in Hoffenheim legt zugleich die (nicht ganz neue) Vermutung nahe, dass die Ursachen tiefer liegen: in einer nachhaltigen Schwächung des Immunsystems – die womöglich auch auf die Überdosierung eines anderen Wirkstoffs zurückzuführen ist oder zumindest damit korreliert: Geld.

          Krankenakten in Hamburg und Wolfsburg

          Vor kurzem veröffentlichte die Uefa ihren Finanzreport für das Jahr 2016, und man durfte noch einmal ein wenig darüber staunen, dass der VfL in der Gehaltsrangliste der europäischen Klubs da auf Rang 16 auftauchte – mit 134 Millionen Euro. Diese Zeiten sind zwar auch bei der VW-Tochter inzwischen vorbei, überdurchschnittlich verdienen aber lässt sich in Wolfsburg immer noch. Damit dürfte die Gunst manches Profis erkauft worden sein, der sonst auch anderswo auf einen Karriereschritt hätte spekulieren können. Unerwünschte Nebenwirkung: In der Krise, wenn es nicht läuft wie erhofft, sind die Abwehrkräfte oftmals weit schwerer zu aktivieren als anderswo – insbesondere dann, wenn es an sportlicher Struktur und Führungsstärke mangelt.

          So betrachtet, ließe sich in den Krankenakten von Wolfsburg und Hamburg vielleicht sogar nach Parallelen forschen: darüber, warum so ein fußballerischer Virus in manchen Fällen wie eine leichte Sommergrippe vorübergeht, in anderen zumindest gut einzudämmen ist. Und es dann noch jene gibt, in denen er den Patienten mit voller Wucht von den Beinen holt.

          Weitere Themen

          B happy

          100 Jahre Bentley : B happy

          Seit 100 Jahren tüftelt Bentley an noblen Automobilen. Die Ehe mit Rolls-Royce ist längst Geschichte. Wohin steuert die Marke jetzt?

          Topmeldungen

          Der britische Öltanker Stena Impero wurde von den iranischen Revolutionsgarden beim Durchfahren der Straße von Hormuz beschlagnahmt.

          Nach Festsetzen von Tanker : Krise am Persischen Golf spitzt sich zu

          In der Straße von Hormus überschlagen sich die Ereignisse: Iran stoppt zwei britische Tanker, einer wird noch immer von Teheran festgehalten. Die Regierung in London droht mit Konsequenzen – und Washington schickt Verstärkung nach Saudi-Arabien.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.