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Bundesliga-Kommentar : Wachablösung mit Kawumm

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Die Wachablösung? Die 77. Minute in Dortmund Bild: REUTERS

Dortmunds sechs Punkte Vorsprung sind kein Wunder, keine Überraschung, kein Zufall, sondern gerechter Ausdruck harter Arbeit und großer Begabung. Und steht am Ende die Meisterschaft, dann hat sie der Elan zum Erfolg getrieben.

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          Man muss das Finale des Giganten-Gipfels miterlebt haben, um Borussia Dortmund noch nicht zur deutschen Meisterschaft zu gratulieren. Eigentlich ist dem BVB nach dem 1:0 über die Bayern bei sechs Punkten Vorsprung und nur noch vier verbleibenden Spieltagen der Titel nicht mehr zu nehmen.

          Aber was sich in den letzten fünf Minuten des Duells zwischen Meister und Rekordmeister abspielte, zeigte wieder einmal, dass im Fußball fast nichts unmöglich ist. Arjen Robben machte sich auf außergewöhnliche Weise um Borussia Dortmund verdient, der niederländische Nationalspieler der Bayern könnte zum Ehrenmitglied berufen werden.

          Erst verschoss er einen Foulelfmeter, und dann knallte er den Ball aus drei Metern über die Latte. Ein Treffer Robbens und der Bayern-Mythos wäre zumindest noch ein paar Spiele gewahrt geblieben, die beste deutsche Fußballmannschaft zu sein.

          So aber wurde die Wachablösung, die sich zuvor angedeutet hatte, durch das Endergebnis untermauert. Wer den attraktiveren Fußball spielte, wer die bessere Mannschaft bildete, darüber gab es schon keinen Zweifel, bevor Lewandowski das Dortmunder 1:0 erzielte.

          Die Bayern hatten keinen schlechten Tag, sie agierten konzentriert und auch aggressiv, wenn es in den Zweikämpfen darauf ankam. Doch über die 90 Minuten gesehen, hatten sie deutlich mehr Mühe, sich ihre Gegner vom Leib zu halten als die Dortmunder. Der BVB zeigte viel Talent, aber nicht mehr Talent als der FC Bayern.

          Was er mehr hatte, war Kawumm. Dieser mitreißende Elan, diese Laufbereitschaft und dieser Kampfgeist, der nicht danach fragt, ob der Aufwand in einem richtigen Verhältnis zum Ertrag steht, sondern einfach gelebt wird, all das stellt die Dortmunder über die Münchner. Trainer Jürgen Klopp ist es gelungen, diese Tugenden bei seinen Profis so tief zu verwurzeln, dass sie nicht nur in Spitzenspielen, sondern an jedem Spieltag abgerufen werden.

          Und so sind die sechs Punkte Vorsprung kein Wunder, keine Überraschung, kein Zufall, sondern gerechter Ausdruck harter Arbeit und großer Begabung. Lewandowski kann es mittlerweile mit jedem Bayern-Star aufnehmen. Der Pole paart artistische Ballbehandlung mit Zielstrebigkeit, Antizipationsvermögen und Schusstechnik. Ribéry zeigte schon in der Winterpause seinen Sachverstand, als er den Bayern riet, Lewandowski zu verpflichten.

          Diese Taktik, die gefährlichsten Gegner auf dem Transfermarkt zu schwächen, zieht im Fall von Dortmund aber nicht mehr. Es wird mittlerweile nicht mehr als schlechter empfunden in der deutschen Fußball-Hauptstadt zu spielen als bei den Bayern. Dank Klopp, dank einer unvergleichlichen Fußballbegeisterung in der Stadt und dank Hans-Joachim Watzke, dem Vorsitzenden der Geschäftsführung, der die wirtschaftlichen Möglichkeiten schuf, Bayern-Angebote zu kontern. Den Bayern bleibt ein Gegner auf Augenhöhe noch länger erhalten. Dem deutschen Fußball kann das nur gut tun.

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