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Bundesliga-Kommentar : Tücken der Selbstüberschätzung

  • -Aktualisiert am

Mirko Slomka wird einen neuen Verein finden - fragt sich nur welchen Bild: dpa

Die Entlassung von Mirko Slomka bei Schalke 04 kam nicht völlig überraschend, aber dann doch Knall auf Fall. Um den Trainer muss man sich keine Sorgen machen, eher schon um seinen ehemaligen Verein. Slomkas Nachfolger wird es schwer haben.

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          Um Mirko Slomka braucht sich niemand zu sorgen. Der Mann hat seine Bundesligakarriere nicht schon nach seiner ersten Station hinter sich. Ob der am Sonntag nicht völlig überraschend, aber dann doch Knall auf Fall entlassene Trainer des FC Schalke 04 so schnell wieder bei einem Spitzenklub anheuern wird, ist die Frage. Mag Slomka auch auf relativ beachtliche Erfolge mit den Westfalen verweisen können, so haftet ihm doch der Ruf eines besseren zweiten Mannes an, der im Umgang mit den Schalker Stars seine Probleme gehabt habe.

          Ob der FC Schalke 04 wirklich schon ein deutscher Fußball-Starklub ist, diese Frage ist noch viel interessanter. Zweifellos hat sich der Klub in den vergangenen Jahren stetig entwickelt – zu einem teuren Unternehmen mit selbstverständlichen Spitzenansprüchen. Mehr als Platz zwei in der Bundesliga und eine glücklich erkämpfte Viertelfinal-Teilnahme in der Champions League sind dabei aber noch nicht herausgekommen.

          Der Weg ist steil und steinig , das Absturzrisiko groß

          Doch „auf“ Schalke, wo das Schauspiel Fußball mit mehr Emotionalität als an den meisten anderen Orten der Liga begleitet wird, sind die Erwartungen längst riesengroß. Sie werden mitgeschürt von Vorständlern wie dem Vereinspräsidenten Schnusenberg oder vom Aufsichtsratsvorsitzenden Tönnies, die den Klub mittelfristig hinauf in die europäische Elite führen möchten.

          Dieser Weg aber ist derart steil und steinig, dass die Etappen dorthin jederzeit das Absturzrisiko bergen. Der Nachbar Borussia Dortmund hat vorgeführt, wohin das Selbstbildnis falscher Größe und fehlender Realitätssinn führen können. Krachend wie das Dortmunder Konkurrenzmodell zum FC Bayern München muss das Schalker Erfolgskonstrukt nicht zusammenbrechen.

          Es braucht noch Jahr bis zur nächsten Meisterschaft

          Gleichwohl sind die Tücken der Selbstüberschätzung in diesem Klub, der mehr als jeder andere Bundesligaverein von seiner bodenständigen Tradition zehrt, unübersehbar. Wer auch immer Slomka beerben wird, muss sich dieser Gefahr bewusst sein. Der neue Trainer bekommt es fürs Erste mit einer Mannschaft zu tun, in der keine einzige Koryphäe des internationalen Fußballs am Ball ist.

          Wenn ein eifriger, oft übereifriger und zuletzt meist glückloser Stürmer wie Kevin Kuranyi schon als Star gilt, kann man sich ausrechnen, dass ein solches Ensemble vielleicht noch weitere Jahre braucht, um dem Klub endlich wieder eine deutsche Meisterschaft zu bescheren. Die letzte liegt fünfzig Jahre zurück. Mirko Slomka wird letztlich erleichtert sein, dem Klima des Misstrauens in die eigenen Fähigkeiten entronnen zu sein. Um ihn muss man sich keine Sorgen machen, eher schon um seinen ehemaligen Verein.

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