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Bundesliga-Kommentar : Schuld ist nie einer allein

  • -Aktualisiert am

Wer ist Schuld? An marco Kurz jedenfalls liegt die Lauterer Misere eher nicht Bild: dpa

Wie gut ein Trainer auch arbeitet, am Ende trägt er die Schuld, an einer Krise. Denn: Eine neue Mannschaft bekommt man so schnell nicht, einen neuen Trainer schon. Also rufen die Lauterer Fans: „Kurz raus!“

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          André Villas-Boas hat schnell Nachahmer gefunden. „Schuld bin nur ich", hatte der Chelsea-Trainer in der vergangenen Woche nach der 1:3-Niederlage seiner Mannschaft in der Champions League gegen den SSC Neapel gesagt.

          Es ist für den logisch denkenden Menschen einigermaßen überraschend, dass seine mit ein paar Milliönchen pro Jahr entlohnten Spieler überhaupt keinen Anteil an so einer desolaten Vorstellung haben sollen und deshalb keinerlei Verantwortung übernehmen müssen - aber so funktioniert Fußball.

          Einerlei wie gut ein Trainer auch möglicherweise arbeitet, am Ende trägt er die Schuld, was einem wiederum eher logischen Umstand folgt. Eine neue Mannschaft bekommt man so schnell nicht, einen neuen Trainer schon, weil keine Transferbörse der Welt vorsieht, dass dieser Mitarbeiter nur bis zu gewissen Zeitpunkten gewechselt werden kann.

          Aber ist das mehr als eine Worthülse, wenn ein Trainer die gesamte Verantwortung übernimmt, so wie es nun auch der Lauterer Trainer Marco Kurz nach dem 0:4-Desaster im rheinland-pfälzischen Derby beim FSV Mainz 05 getan hat?

          Kurz stellt sich trotzdem vor die Mannschaft

          Ernsthaft etwas vorzuwerfen hat sich Kurz nicht; er hat keine taktischen Fehler begangen, er hat auch keine Millionen vor der Saison und dann noch einmal in der Winterpause wie sein Wolfsburger Kollege Felix Magath zur Verfügung gestellt bekommen, um den Kader nach seinem Geschmack umzubauen, er hat nicht einmal resigniert und sitzt alles andere als lethargisch an der Linie.

          Kurz hat vermutlich alles getan, was ein Trainer machen muss, und dann mit ansehen dürfen, dass es seinem Team an einer grundlegenden Tugend mangelte - dem kämpferischen Einsatz. Wenn der Erfolg ausbleibt, gerät immer der Trainer ins Visier, und wenn sich ein Team dann in einer prekären Lage so wie nun der 1. FC Kaiserslautern präsentiert, natürlich erst recht. Kurz hat sich danach trotzdem vor seine Mannschaft gestellt.

          Das mag man als charakterliche Stärke auslegen oder als Zeichen von Führungsqualität. Möglicherweise folgt es aber auch der Erkenntnis, dass es angesichts der Qualität des Kaders und der vorhandenen Möglichkeiten in Kaiserslautern nur geht, wenn alle im Verein einigermaßen die Ruhe und einen Sinn für die Realität behalten. „Kurz raus", so wie die Fans riefen? Er hat den 1. FC Kaiserslautern in der vergangenen Saison auf den siebten Platz geführt.

          Latente Teilnahmslosigkeit führt fast immer ins Verderben

          Dass Spieler keine Verantwortung für ihr Tun haben sollen, hat zuletzt schon der Hoffenheimer Kapitän Tom Starke negiert und all seinen Kollegen zu bedenken gegeben, dass jeder Einzelne seinen Teil zu der Entlassung von Holger Stanislawski beigetragen habe.

          Wenn Nebenkriegsschauplätze wie in Berlin mit dem Streit Preetz/Babbel eröffnet werden oder das Personal so rasch ausgetauscht wird wie in Wolfsburg, dann mag man Spieler möglicherweise frei von großer Schuld für eine bestimmte Entwicklung sprechen.

          Doch selbst dann führt eine latente Teilnahmslosigkeit des hochbezahlten Personals immer ins Verderben und nur selten direkt ins große Glück: Dass die deutsche Nationalmannschaft jetzt so gut dasteht, hat sie auch den Kollegen der EM 2000 zu verdanken, die unter Erich Ribbeck von einer Peinlichkeit in die nächste rutschten und nichts taten, um dies zu verhindern. Und erst danach setzte der DFB sein Nachwuchskonzept auch um.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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