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Bundesliga-Kommentar : PS sind nicht alles

Pure Erleichterung: Trainer Torsten Lieberknecht und die Braunschweiger Bank feiern den Sieg in Wolfsburg Bild: dpa

Eintracht Braunschweig hat doch einen Bundesligasieg zustande gebracht. Am Ungleichgewicht im Wettrennen eines normalen Sportwagens mit Fomel-1-Boliden ändert das nichts. Eine Fortsetzung des Abenteuers Bundesliga bleibt unwahrscheinlich.

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          Gut, dass der Fußball nicht immer nach den Gesetzen des Marktes und der Ökonomie funktioniert. Sonst müssten sich die Braunschweiger jetzt vielleicht echte Sorgen machen. Im Wirtschaftsleben kommt es schließlich schon mal vor, dass ein Weltkonzern einen aufmüpfig gewordenen Kleinen kurzerhand schluckt, um sich seiner auf elegante Art und Weise zu entledigen.

          Die Eintracht vor der feindlichen Übernahme? Nein, natürlich muss niemand fürchten, dass dem VfL Wolfsburg eine derart gefräßige Form von Raubtierkapitalismus in den Sinn kommt, nur weil da mal ein niedersächsisches Derby verlorengegangen ist. Einen realen Hintergrund hat das Gedankenspiel aber doch: 15 bis 20 Millionen hat der VfL kurz vor Transferschluss springen lassen, um Luiz Gustavo vom FC Bayern in die Autostadt zu lotsen. Nur ein paar Milliönchen mehr, vielleicht fünf – und sie hätten die komplette Braunschweiger Mannschaft haben können.

          Fortsetzung unwahrscheinlich

          Die Romantiker mögen das Braunschweiger 2:0 nun als Beleg dafür nehmen, dass Geld eben doch nicht alles und im Fußball immer noch vieles möglich ist. Die Realisten jedoch werden mit den Schultern zucken und sich vom Augenblick nicht täuschen lassen: Braunschweig darf sich nach dem ersten Bundesligasieg nach 10353 Tagen zu Recht feiern und (wieder) in der ersten Klasse angekommen fühlen.

          Die Wahrscheinlichkeit allerdings, dass es zu einer Fortsetzung im nächsten Jahr kommt, bleibt äußerst gering. Man frage nach bei der Spielvereinigung Greuther Fürth, die wirtschaftlich in einer ähnlichen Liga spielt wie die Braunschweiger und im vergangenen Jahr erkennen musste, dass mit kleiner Kasse nicht viel Staat zu machen ist. Oder, um es mit den Worten des Klubchefs Helmut Hack zu sagen: Man fuhr mit einem Audi A 8 gegen lauter Formel-1-Rennwagen.

          Lieberknecht hat Ziel erreicht

          Das ist nicht schlimm, man muss es sich nur immer wieder in Erinnerung rufen, um mit Anstand durch die Saison zu kommen – und in besserer psychischer Verfassung. Auch die Häme, die auf Braunschweig nach den ersten derben Niederlagen einprasselte, erinnerte an den Fürther Fall des Vorjahres. Die Lust am Rekord, und sei es der negative, trübte den Blick manches Spötters auf die (ökonomischen) Realitäten. Und vor lauter Vergleichen mit Tasmania Berlin ging völlig unter, welch unwahrscheinliche Leistung der Aufstieg eigentlich gewesen war. Bis von etwas an sich sehr Gutem nur noch ein schlechtes Gefühl übrigblieb.

          Es gab zuletzt viele Spekulationen darüber, wie die Reaktionen des Braunschweiger Trainers Torsten Lieberknecht, der nach Niederlagen mal rhetorisch wütete, mal öffentlich verzweifelte, zu werten waren: als echte emotionale Ausbrüche und somit als weitere Eskalationsstufen der Krise – oder aber als kühl kalkulierte Manöver, um die eigenen Reihen zu schließen.

          Kenner der Braunschweiger Szene vermuten eher Letzteres. Wenn dem so sein sollte, hätte Lieberknecht sein Ziel erreicht. Dass seine Mittel in dieser Hinsicht nun ziemlich ausgereizt sind, dürfte ihm ebenso klar sein wie die Aussicht, dass die nächste Niederlage nicht lange auf sich warten lassen wird. Aber neben der Genugtuung für Verein und Fans, von denen mancher fast 30 Jahre lang diesen Moment herbeigesehnt hat, war es noch etwas anderes: eine schöne Erinnerung, dass nicht immer die PS entscheiden, sondern das, was man davon auf die Straße bringt.

          Christian Kamp
          Sportredakteur.

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