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Bundesliga-Kommentar : Niemand blickt durch

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Immer Ärger mit der Hand: War das auch regelwidrig im Duell zwischen Daniel Baier (l.) und Leon Andreasen? Bild: dpa

Dem Zufall sind Tür und häufig Tor geöffnet: Die Auslegung der Handspiel-Regeln sorgt für immer mehr Unklarheit. Dabei lebt die Popularität des Fußballs von seiner Klarheit.

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          Ein ganz entscheidender Grund für die Popularität des Fußballs ist im Grunde das Regelwerk. Im Vergleich zu anderen Mannschaftssportarten wie Handball, Basketball oder Hockey gehört kein allzu großes Fachwissen dazu, um zu erkennen, nach welchen Prinzipien das Spiel funktioniert. Hat man die Geschichte mit der Abseitsregelung erst einmal verstanden, schienen die größten Probleme ausgeräumt.

          Betrachtet man diese Bundesligasaison und in weiten Teilen auch schon die vergangene Spielzeit, sind Zweifel angebracht, ob dieses Regelwerk tatsächlich noch so einfach verständlich ist. Das passive Abseits hat schon für einiges Unverständnis gesorgt, nun kommt Woche für Woche auch noch die leidige Geschichte mit dem Handspiel dazu.

          Zufall Tür und (häufig) Tor geöffnet

          Nicht nur der Zuschauer blickt nicht mehr durch, wann warum gepfiffen wird oder auch nicht, selbst die Hauptdarsteller können sich wie nun in Hannover keinen Reim darauf machen. Es liegt schließlich mehr oder weniger allein am Ermessen des Schiedsrichters, wie er das Handspiel wertet. Damit allerdings ist dem Zufall Tür und (häufig) Tor geöffnet. Eine Szene wie in Nürnberg, wo dem Torschützen Nilsson der Ball vor seinem Ausgleichstreffer deutlich an die Hand sprang, ist in vergleichbaren Fällen auch schon als Handspiel geahndet worden. Laut Regelwerk des Internationalen Fußball-Verbandes liegt ein Handspiel vor, wenn ein Spieler den Ball absichtlich mit der Hand oder dem Arm berührt oder spielt.

          Der Schiedsrichter muss dabei auf eine Bewegung der Hand (des Arms) zum Ball achten (und nicht umgekehrt), auf die Entfernung zwischen Gegner und Ball und die Position der Hand. Daraus ist in der Empfehlung des Deutschen Fußball-Bundes der unsägliche Begriff der unnatürlichen Handhaltung geworden – es wäre interessant, würde man einerseits einmal festhalten, wie viele „unnatürliche“ Handhaltungen man sich so im Alltag erlaubt und andererseits, wie selten man sich doch mit angelegten Armen fortbewegt. Dies allerdings wird zumindest von den Abwehrspielern mittlerweile erwartet, wenn sie auf Nummer Sicher gehen wollen.

          Der Fußball hat in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe von neuen Begriffen hervorgebracht, die alles verkomplizierten. Der „abkippende Sechser“, der „falsche Neuner“ etwa, aber auch „die Vergrößerung der Körperfläche“, die man früher so nicht kannte. Ein Spieler also, der mit ausgebreiteten Armen in den Zweikampf geht, muss damit rechnen, dass auf Elfmeter entschieden wird, sollte der Stürmer ihm den Ball an den Arm schießen. Mittlerweile aber hat es den Anschein, als sollten schon minimale Armbewegungen ausreichen für diese Sanktion, die zuweilen auch ganz natürlich entstehen, wenn sich ein Spieler in vollem Tempo zur Seite dreht. Der in der Regel wohl nicht zufällig an erster Stelle aufgeführte Begriff der Absicht spielt dabei scheinbar keine Rolle mehr.

          Wer immer sich diese Regelauslegung ausdachte, hatte vermutlich – wie auch beim passiven Abseits – nur Gutes im Sinn. Die Praxis zeigt aber, dass dringend Bedarf besteht, die Regel präziser zu beschreiben, um auch dem Schiedsrichter zu helfen. Im Sinne der Verhältnismäßigkeit würde es in manchen Situationen, wo weder Absicht noch grobe Fahrlässigkeit vorliegt, beispielsweise auch ein indirekter Freistoß tun.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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