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Bundesliga-Kommentar : Narben des Erfolgs

Am Boden: Die langersehnte Bundesliga wird für Greuther Fürth und Felix Klaus zum Albtraum Bild: dpa

Der Aufstieg in die Bundesliga war ein langersehnter Traum für Greuther Fürth. Nun droht die Eliteliga zum Albtraum zu werden. Die Misere war nicht unausweichlich.

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          In der Regionalliga Bayern, also genau dort, wo der Fürther Interimstrainer Ludwig Preis herkommt, gibt es eine kuriose Situation: Als kürzlich die Lizenzen für die kommende Saison beantragt wurden, stellte sich heraus, dass (fast) keiner aufsteigen will. Nicht das Führungstrio, Illertissen, Buchbach und Seligenporten, auch nicht 13 andere Klubs. Nur die U-23-Vertretungen des 1. FC Nürnberg, des FC Bayern, des TSV 1860 und der Spielvereinigung Greuther Fürth stellten beim Deutschen Fußball-Bund den Antrag für die Dritte Liga. Aufsteigen? Lieber nicht.

          Dahinter steckt die nüchterne Abwägung der sportlichen und vor allem wirtschaftlichen Chancen und Risiken. Ergebnis: In der bayerischen Diaspora fühlt man sich dem Profifußball nicht gewachsen.

          Ist so etwas auch ein oder zwei Ebenen höher denkbar? Beim bloßen Blick auf die Tabelle der Bundesliga könnte man schon die Frage stellen, ob die spätestens nach der 0:3-Niederlage gegen die TSG Hoffenheim hoffnungslos abgeschlagenen Fürther nicht einfach von vornherein überfordert waren. So sagenhaft gut die Bayern an der Spitze stehen, mit 20 Punkten Vorsprung vor dem Zweiten, so sagenhaft schlecht stehen die Fürther da. 13 Heimspiele, vier Tore, kein Sieg, das ist die kläglichste Bilanz, die es in 50 Jahren Bundesliga je gab.

          Es gibt die Chance für die Kleinen

          Zum Teil ist dieses Ergebnis gewiss Ausdruck der wirtschaftlichen Möglichkeiten. Kleinster Etat (zwölf Millionen Euro), kleinstes Stadion (18.200 Plätze) - das muss sich irgendwo in den Kräfteverhältnissen auf dem Platz wiederfinden. Und wer das eine oder andere Spiel im Ronhof besuchte, der wurde bei allem Charme des traditionsreichen Spielorts das Gefühl nicht los, dass die Bundesliga hier schon eine recht verwegene Vorstellung ist.

          Keine Chance für die Kleinen? Tatsächlich ist es andersherum. Die Bundesliga, so hochgerüstet sie in der Spitze und mitunter auch in der Breite ist, bietet immer noch die Möglichkeit, sich mit bescheidenen Mitteln zu beweisen - insbesondere, so lange woanders mit viel mehr Geld sehr viel schlechter gearbeitet wird. Ein Sieg am Samstag, und nicht die Fürther wären das Gespött der Fußballnation gewesen, sondern die Hoffenheimer, die allein in der Winterpause zehn Millionen Euro - nicht weit vom Fürther Gesamtetat entfernt - für neue Spieler ausgaben.

          Schaut bitte hin, liebe Braunschweiger!

          Dass es für Fürth am Ende nicht reichen wird, hat weniger mit der Stärke der anderen als mit eigenen Fehleinschätzungen zu tun. Im Nachhinein erscheint es blauäugig zu glauben, dass das Abenteuer Erste Liga mit zweitklassigen Strukturen zu bewältigen wäre: ohne einen Sportchef beispielsweise. Oder ohne einen Stürmer, dem eine gewisse Torgefährlichkeit zuverlässig zuzutrauen ist. Die Bundesliga verzeiht solche Fehler nicht - sie bestraft sie ziemlich hart.

          Es gab gute Gründe, einen Klub wie Fürth mit Sympathie in der Beletage willkommen zu heißen: als Erinnerung daran, dass es immer ein nächstes Freiburg oder Mainz - oder Augsburg? - geben kann. Umso ärgerlicher ist es, wie diese Chance verspielt wurde. So, wie sich die Situation am Samstag im Stadion darstellte, ist aus Fürther Sicht sogar zu befürchten, dass von einer eigentlich wunderbaren Sache vor allem Frust und Narben bleiben. Ein Aufstieg als Fluch? Bitte, liebe Braunschweiger, seht genau hin, wie man es im Fall der Fälle besser nicht macht.

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