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Bundesliga-Kommentar : Mann ohne Zukunft

Die Versäumnisse von Louis van Gaal summerien sich - kann er sich dennoch retten? Bild: dapd

Erstmals seit mehr als zehn Jahren verlor der FC Bayern drei Spiele nacheinander. Nach dem Debakel von Hannover ist Louis van Gaal ein Mann ohne Zukunft in München. Denn viele kleinere Versäumnisse summierten sich irgendwann.

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          Seit Samstag ist Louis van Gaal ein Mann ohne Zukunft beim FC Bayern. Einer, dessen Gegenwart wohl nur noch von den Schwierigkeiten seines Arbeitgebers verlängert wird, aus dem Stand einen passenden Nachfolger zu finden. Der Zeitpunkt ist ungünstig für eine Personalsuche, man ist bereits im letzten Saisondrittel. Aber gibt es das überhaupt: einen Trainer, der zum FC Bayern passt?

          Er muss eine paradoxe Fähigkeit mitbringen: David und Goliath zugleich sein. Einerseits braucht er eine imposante Erscheinung, eine solche Aura, dass ihn die Stars eines 100-Millionen-Euro-Kaders hundertprozentig respektieren. Andererseits muss er fähig und willens sein, sich klein und unscheinbar zu machen, damit er nicht mit den großen Egos in der Klubführung kollidiert.

          Diese Aufgabe ist noch komplizierter, seit Uli Hoeneß vom Manager, der im Tagesgeschäft präsent war, zum fernen, schwer durchschaubaren Präsidenten geworden ist – einem, der seine vernichtenden Blitze zweimal unvorhersehbar Richtung Trainer schoss wie Zeus vom bayrischen Olymp.

          Zwischen Wort und Tat klafft eine wachsende Lücke

          Spätestens da wusste van Gaal, dass es nur zwei Dinge gibt, die einen Trainer beim FC Bayern stützen: der Rückhalt der Mannschaft und die Ergebnisse, die sie erzielt. Kapitän Lahm und andere wichtige Spieler sollen sich auch nach dem Debakel von Hannover für van Gaal ausgesprochen haben. Doch zwischen Wort und Tat klafft eine wachsende Lücke. Auf dem Platz zeigt sich das Team von den Entscheidungen, vor allem den vielen Rochaden in der Defensive, verunsichert.

          Dass van Gaal fast alle Typen im Team, von Lucio bis van Bommel, ausmusterte; dass er den erfahrenen Torwart Butt ablöste und damit ohne Not eine neue Baustelle eröffnete; dass er keine defensiven Standards trainierte; dass er den Kader auf nur noch 17 einsetzbare Feldspieler schrumpfte; und dass er Spieler wie Schweinsteiger, Gustavo oder Badstuber durch Positionswechsel verunsicherte – all diese kleineren Versäumnisse summierten sich irgendwann.

          Anzeichen von Selbstaufgabe bei Niederlage in Hannover

          Das kostete ihn auch Kredit in seinem Team, das noch Anfang des Jahres bedingungslos hinter ihm stand. Und letzten Rückhalt im Vorstand, der schon früher an seinem leitenden Angestellten zu zweifeln begonnen hatte.

          Gegner wie Dortmund, Schalke, nun Hannover hatten zuletzt zwingende Gegenlösungen zum taktischen Schema F des Louis van Gaal. Drei Niederlagen nacheinander, erstmals seit über zehn Jahren beim FC Bayern, das war zu viel. Kann er sich trotzdem retten? Dagegen spricht, dass die ersten beiden dieser drei Niederlagen schon Ratlosigkeit im Team des scheidenden Meisters offenbart haben. Die dritte, die in Hannover, noch etwas Schlimmeres: Anzeichen von Selbstaufgabe.

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

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