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Bundesliga-Kommentar : Mach mal Pause

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Spannung und Überraschung: Freiburg (mit Muidza) stoppt Leverkusen (mit Castro) Bild: AP

Die Meisterschaft ist entschieden. Aber langweilig ist die Bundesliga dennoch nicht. Der erste Rückrundenspieltag hat Überraschungen gebracht.

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          Der Kampf um die Meisterschaft ist nur in der schottischen Premier League noch langweiliger als in der Bundesliga. Dort führt Celtic Glasgow mit 15 Punkten vor dem FC Aberdeen und hat zudem noch zwei Spiele weniger bestritten als der schärfste Konkurrent, der kaum noch Verfolger genannt werden kann. Aber anders als Schottland bietet der Fußballstandort Deutschland durchaus seine Reize, sobald der Blick von der Position eins abgleitet.

          Der erste Spieltag des Jahres 2014 hielt mehr Überraschungen bereit als ein halbes Jahr Liga-Fußball in Schottland. Jenseits der Münchner Stadtgrenzen sind die Fußball-Verhältnisse längst nicht so zementiert, wie es viele heraufbeschwören. Die Tabelle ist nicht deckungsgleich mit der Geldrangliste, noch immer gilt – mit der hinlänglich beschriebenen Ausnahme: Jeder kann jeden schlagen. Ende Januar regt sich neues Leben im Keller der Bundesliga. Nürnberg, Freiburg und Frankfurt gewannen, die Breisgauer sogar gegen den Tabellenzweiten Leverkusen. Und das 2:2 der Augsburger in Dortmund war auch ein großer Außenseiter-Erfolg.

          Premierensiege

          Es war ein Samstag der Premieren: Erster Saisonsieg für den „Club“, erster Heimsieg für Frankfurt, erster Auswärtssieg für Hannover. Die Winterpause hatte ihr Gutes: Kräfte sammeln, Nerven beruhigen. Wenn trotz vorhandener Substanz eine Negativspirale entsteht, ist eine Pause das beste Heilmittel. Die gebeutelten Profis warten nicht mehr zittrig auf die nächste Demütigung, sie kämpfen dagegen an. Die Eintracht zum Beispiel, die in der Vorrunde häufig spielerisch überzeugte, aber in vielen Partien in den Schlussminuten die Punkte wegwarf. Gegen die Hertha lieferten die Frankfurter eines ihrer schlechtesten Heimspiele ab, aber sie brachten das 1:0 gegen Berlin sicher über die Zeit, weil sie nicht mehr vor ihrer Serie Bammel hatten.

          Auch die Nürnberger waren ihrem ersten Saisonsieg schon 2013 mehrmals sehr nahe, aber es kam immer etwas dazwischen. Mit etwas zeitlichem Abstand machten sie alles passend: Das 4:0 über Hoffenheim kann eine Initialzündung gewesen sein. In Hannover brachte in der Pause der neue Trainer Korkut neues Selbstbewusstsein.

          Top-Teams mit Rückschlägen

          Alles auf null zum Jahreswechsel: Die Leverkusener, Dortmunder, Gladbacher und Wolfsburger müssen sich ihre Sonderstellung gegenüber dem Rest der Liga in der Rückrunde wieder erkämpfen. Es ist ihnen trotz der Rückschläge zum Start zuzutrauen. Eines allerdings nicht: dass sie noch mal den Bayern gefährlich werden könnten. Aber das ist nicht gleichbedeutend mit Langeweile. Schafft es Klopp, die Dortmunder aufzurichten, so dass sie in der Champions League wieder für Aufsehen sorgen können?

          Wie kommt in Leverkusen Hyypiä mit der ersten Krise seiner Trainerkarriere zurecht? Formt Trainer Hecking in Wolfsburg aus seinem Millionen-Ensemble und Stars wie de Bruyne und Luiz Gustavo eine so schlagkräftige Truppe, dass es für die nächste Königsklasse reicht? Wann endet die unheimliche Erfolgsserie des FC Augsburg? Kann Trainer Keller in Schalke irgendwann einmal die Kritiker zum Verstummen bringen? Schafft es Trainer Streich in Freiburg doch noch alle Abgänge des Sommers zu kompensieren, nachdem das störende Europa-League-Engagement beendet ist? Die Antworten darauf sind alles andere als langweilig.

          Peter Heß
          (peh.), Sport

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