https://www.faz.net/-gtm-x5wo
 

Bundesliga-Kommentar : Lieber Toni als Berlusconi

  • -Aktualisiert am

Bayerns Talisman ist ein Wesen mit lockigem Haar und einem beseelten Lächeln - Luca Toni Bild: AP

Der FC Bayern wird im Mai seinen 21. Meistertitel einfahren - dank Luca Toni. Das Kontrastprogramm kommt derzeit aus Dortmund. Am Samstag trifft man im Pokalfinale aufeinander. Richtige Freude dürfte bei beiden Klubs nicht aufkommen.

          2 Min.

          Lieber Toni als Berlusconi. Für Freunde des Fußballs ist diese Sympathiewahl unter zwei führenden Italienern längst entschieden. Durch ein Antlitz, das diese Saison mehr prägt als alle Gesichter der Verfolger, der Gebeutelten und Beladenen der Bundesliga. Der Talisman des FC Bayern München ist ein Wesen mit lockigem Haar und einem beseelten Lächeln.

          In Frankfurt hat Luca Toni wieder zugeschlagen. Mit einem Doppelpack, wie es so vulgär heißt. Dabei sind seine Treffer, so schnörkellos sie daherkommen, immer wunderschön garniert. Mit Gesten, die nichts anderes sind als die zauberhaften italienische Momente im Münchner Meister-Patchwork. Reden wir nicht weiter um den heißen Brei herum: Natürlich fährt der FC Bayern München den 21. nationalen Meistertitel ein. Und Luca Toni wird in Krachledernen vom Rathausbalkon grüßen und dabei so häufig lachen, wie es gemeinhin nur Kinder tun.

          „Alles paletti“ und ein unvergleichlicher Augenaufschlag

          Rund 400 Mal am Tag. Beim Ärztekongress in diesen Tagen ist die Zahl genannt worden. Und eine weitere zum Vergleich: Erwachsene haben weniger zu lachen. Nur noch 15 Mal im Schnitt. „Alles paletti“, sagte Luca Toni nach seinem 20. Saisontor ins Mikrofon, schickte einen unvergleichlichen Augenaufschlag hinterher, wie ihn unsereins sonst nur aus dem Eulenhaus im Zoo kennt und sprach noch eine Grußformel in seiner Heimatsprache.

          Das Kontrastprogramm kam aus Dortmund. Jetzt verlieren sie dort schon gegen Hannover 96 und blicken in den Abgrund der Tabelle. Der Terminplan will es so, dass Borussen und Bayern einander am kommenden Samstag auf neutralem Terrain im Berliner Pokalfinale wiedersehen. Eigentlich könnten die Westfalen schon heute die weiße Fahne hissen. „Wir freuen uns trotzdem“, heißt es jetzt mannhaft aus den Reihen des BVB.

          Dortmund begrüßt schon seinen millionsten Besucher

          Bei den Bayern könnten sie ähnlich argumentieren. Der Reiz, von einem jüngst gerupften, längst geschrumpften Gegner herausgefordert zu werden, hält sich in Grenzen. So eine Art FC Getafe auf nationaler Bühne. Und was passierte dort? Richtig, Tonis Tore sorgten für die Wende, die postum zum „Wunder von Getafe“ verklärt wurde.

          In Dortmund registrierte die Geschäftsführung mit 61.400 Zuschauern übrigens den Minusrekord der Saison. 61.400! So treu ergeben ist kein anderes Publikum in der Liga. In der Summe begrüßte der BVB am Dienstag seinen millionsten Besucher dieser Spielzeit.

          Selbst bei der Euro gilt: Lieber Toni als Berlusconi

          Ob er wohl einen Präsentkorb bekommen hat, sofern er überhaupt identifiziert wurde? Verdient hätte er ihn. Wie jeder andere im Borussen-Stadion. Als Treuebonus. Als Attraktion präsentierte der Klub ein neues Gesicht im Tor: ein junger Mann namens Höttecke, der für die Bodenständigkeit der Dortmunder steht, aber mehr auch nicht.

          Für die oberen Sphären der Liga darf es schon ein wenig mehr sein. Eine Attraktion etwa wie Luca Toni, betörend treffsicher, ein Glücksfall für den FC Bayern. Im Sommer, wenn er ins Nationaltrikot schlüpft, werden wir ihn nicht gar so in unser Herz schließen können, wird uns der Torjubel vielleicht sogar nerven, wenn es „uns“ trifft. Selbst dann gilt: Lieber Toni als Berlusconi.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.