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Bundesliga-Kommentar : Leipzig spielt schon mit

So schnell kann es gehen: Leverkusen macht seine Ambitionen deutlich Bild: AFP

Wenn jemand an der Bayern-Dortmund-Dominanz rütteln kann, dann sind es am ehesten die Klubs, die sich RB Leipzig zum Vorbild genommen hat. Daher war der Bundesliga-Auftakt ein guter Anfang.

          Es waren zehn Minuten gespielt zwischen Hertha BSC und Werder Bremen, als im Olympiastadion ein durchdringendes Pfeifkonzert einsetzte, wie man es lange nicht gehört hat. Die Pfiffe unter den 60.000 Zuschauern waren so laut, dass es weh tat. Viele hielten sich die Ohren zu. Das war zum Bundesliga-Auftakt, zumindest in der Hauptstadt, der Sound der Weltmeisterliga.

          Die gellenden Pfiffe galten aber weder Werder oder Hertha, nicht dem Schiedsrichter oder dem DFB – oder überhaupt einer Aktion im Stadion. Der Protest richtete sich gegen einen gemeinsamen Gegner, der gar nicht da war, noch nicht, wohlgemerkt: RB Leipzig, der Brauseklub, Marketingteam von Red Bull, das Böse in Dosen – oder wie auch immer der an diesem Tag zwischenzeitliche Tabellenführer der zweiten Liga von seinen Gegnern genannt wird.

          Dem deutschen Profifußball ist im Osten ein neues Feindbild erwachsen. Weitere Aktionen von Fangruppen sind geplant – und dürften so schnell nicht enden. Bei aller Kritik, die sich an dem Klub festmachen lässt, fällt natürlich auf, wie der stetig wachsende Einfluss von Konzernen im deutschen Fußball ansonsten längst akzeptiert ist, selbst Millionen von Gazprom aus Putins Reich. Und wie gut, andererseits, gerade von Unternehmen oder Unternehmern gelenkte und geförderte Klubs dem Wettbewerb in der Bundesliga tun.

          Wenn spanische oder schottische Verhältnisse in Deutschland – also eine Dominanz der Bayern und Dortmund oder nur der Bayern – nach vier Jahren überhaupt wieder abgewendet werden können, dann dürfte am ehesten einer jener Klubs, die sich Red Bull ganz konsequent zum Vorbild genommen hat, an der FCB-BVB-Phalanx rütteln: Bayer Leverkusen und Wolfsburg. Vielleicht auch wieder Hoffenheim, gestern noch Feindbild, heute mehr als nur halbwegs etabliert. Und irgendwann Leipzig selbst.

          Ambitionen in Rekordzeit verdeutlicht

          Bayer Leverkusen, die Mutter aller Konzernklubs, hat dabei am ersten Spieltag den größten Spaß und Mut gemacht. Das überraschende und verdiente 2:0 in Dortmund mit einer aggressiven, quicklebendigen Spielweise unter dem neuen Trainer Schmidt war so erfrischend, wie man es sich nur wünschen kann, wenn man sich an der Spitze der Liga mehr Bewegung und Abwechslung wünscht. Mit dem schnellsten Tor der Bundesliga-Historie nach neun Sekunden durch Bellarabi hat Bayer jedenfalls in Rekordzeit seine Ambitionen deutlich gemacht.

          Und was die Profis aus dem Pharmakonzern können, das wäre beinahe auch den VW-Werbeträgern aus Wolfsburg gelungen. Wenn Malanda zehn Minuten vor dem Abpfiff nach seinem Lattenschuss den Abpraller aus einem Meter zum 2:2 ins leere Münchner Tor geschossen hätte und nicht vorbei, dann wäre wohl auch dem FC Bayern der Saisonstart danebengegangen. Aber trotz der Niederlage hat Wolfsburg ein kleines Zeichen gesetzt, dass es dem Rekordmeister diesmal schwerer fallen könnte, den Rest der Liga so abzuhängen wie in den vergangenen Spielzeiten.

          Ein guter Anfang für die Bundesliga

          Zusammen mit Bayer hat es Hoffenheim zum Samstag-Spitzenreiter des ersten Spieltags gebracht, der Privatklub von SAP-Gründer Hopp, der sich unter Trainer Gisdol weiter auf dem Weg befindet, die Liga mit attraktivem Fußball zu bereichern. Zwei Treffer gegen Augsburg waren dabei nur die Fortsetzungsgeschichte des Offensivfußballs aus der Vorsaison – aber null Gegentreffer ein großer Fortschritt. Fortsetzung spannend. Ein gutes Zeichen. Und ein Auftakt, bei dem mal nicht nur über Bayern und Dortmund geredet wird, ist für die Liga ein guter Anfang.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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