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Bundesliga-Kommentar : Langeweile? Von wegen

  • -Aktualisiert am

Coachen als gäbe es kein Morgen: Torsten Lieberknecht von Eintracht Braunschweig Bild: AFP

Die Bundesliga ist trotz der März-Meisterschaft der Bayern alles andere als langweilig. Denn selbst im Abstiegskampf wird mittlerweile häufig erstaunlich guter Fußball gespielt.

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          Diese Bundesliga ist langweilig, so lautete der Tenor, als die Meisterschaft des FC Bayern München am vergangenen Dienstag endgültig und historisch früh feststand. Das aber haben sich die Vereine am Wochenende nicht zweimal sagen lassen – auf allen Plätzen ging es am Samstag derart turbulent zur Sache, dass der Titelgewinn der Bayern schon gar keine Rolle mehr spielte.

          Der 28. Spieltag gab einen eindrücklichen Fingerzeig darauf, wie aufregend die Bundesliga auch ohne einen spannenden Kampf um die Meisterschaft bis zum letzten Spieltag sein kann – und er ließ durch den Hoffenheimer Punktgewinn gleichzeitig ein wenig Hoffnung aufkommen, dass auch den Münchnern beizukommen ist. Die haben, da Ziel Nummer eins abgehakt ist, natürlich inzwischen ganz andere Prioritäten, und trotzdem wirkte der Hoffenheimer Mut wie ein kleines Licht am Ende eines sehr langen Tunnels.

          Es sind eben nicht nur die Münchner, die an ihrer eigenen Legende arbeiten und dabei alle drei Titel verteidigen wollen, die sie in der vergangenen Saison zur erfolgreichsten europäischen Mannschaft gemacht haben. Auch in Braunschweig, Freiburg oder Mainz arbeiten Guardiolas Kollegen Lieberknecht, Streich und Tuchel daran, das Maximum aus den gegebenen Möglichkeiten herauszuholen.

          Ein Mainzer Einzug in das internationale Fußballgeschäft wäre ebenso eine Sensation wie der Klassenverbleib von Braunschweig und Freiburg – und ein Beleg dafür, dass auch an anderen Standorten ganz offensichtlich erstklassig gearbeitet wird. Braunschweig und Freiburg haben trotz widriger Umstände und eines miserablen Starts nie den Glauben an sich verloren.

          Coachen als gäbe es kein Morgen

          Eine Chance auf den Klassenverbleib mochte ihnen kaum jemand zugestehen, doch im Verlauf der Saison sind beide Mannschaften immer stärker geworden. Trotz der beeindruckenden Dominanz der Bayern ist die Leistung kaum geringer einzuschätzen. Für Freiburg ist der Klassenverbleib nähergerückt, für Braunschweig greifbarer denn je.

          In München trainieren sie laut Aussage von Sportvorstand Matthias Sammer jeweils so, als gäbe es kein Morgen, in Freiburg und Braunschweig coachen Lieberknecht und Streich dafür in vielen Spielen so, als gäbe es kein Morgen. Das Schauspiel aber ist nicht nur bei diesen beiden Klubs Spieltag für Spieltag zu beobachten, für die jede Partie zum Überlebenskampf Bundesliga gehört.

          Inzwischen spielen alle guten Fußball

          Auf den Vierten Offiziellen, einst auch eingeführt, um die ganze Aufregung an der Außenlinie einzufangen, prasselt von vielen Trainerbänken alles ein, was man dem Schiedsrichter in diesem Moment schon aufgrund der Entfernung nicht mitteilen kann oder besser nicht sollte. Jede kleine vermeintliche Fehlentscheidung wird ausgiebig diskutiert, und ob es sich dabei vielleicht nur um einen letztlich völlig belanglosen Einwurf an der Mittellinie handelt, spielt in der Regel keine Rolle.

          Die Trainer bemängelten einst, dass ihnen so gut wie keine Emotionen an der Seitenlinie mehr erlaubt seien. Inzwischen aber haben sich die Grenzen deutlich verschoben, da so gut wie alles kommentiert wird. Es ist an der Zeit, dass sich alle auf das besinnen, was sie offensichtlich gut beherrschen. Denn selbst im Abstiegskampf wird in der Bundesliga mittlerweile häufig erstaunlich guter Fußball gespielt.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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