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Bundesliga-Kommentar : Kollers verlorenes Endspiel

  • -Aktualisiert am

Bochums Trainer Marcel erhält keine weitere Bewährungsprobe Bild: ddp

Schon am sechsten Bundesliga-Spieltag standen Endspiele oder wegweisende Partien an. Marcel Koller verlor sein Finale mit Bochum, die Fans gingen auf die Barrikaden. Verdienste der Vergangenheit zählen nicht. Das merkt auch Markus Babbel.

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          So schnell kann es gehen in der Fußball-Bundesliga. Schon am sechsten Spieltag standen Endspiele auf dem Programm. Der Bochumer Trainer Marcel Koller hat sein Finale gegen den FSV Mainz 05 dabei verloren - und wie immer, wenn der VfL Bochum verliert, gingen die Fans auf die Barrikaden. Das haben sie am Samstag so eindringlich getan, dass der VfL den Coach am Sonntag entließ. Und zwar mit einem Mobbing der ganz besonderen Art.

          Eines, das der Verein kennt, das er bisher zu ignorieren verstand. Denn dass Koller den VfL in den vergangenen Jahren trotz knapper Kassen in der Bundesliga gehalten hatte, ist von den Fans noch nie goutiert worden. Klassenverbleib? Geschenkt, der Dank an den ungeliebten Trainer fiel immer bescheiden aus.

          Warum hatte es Koller in Bochum so schwer?

          Nun aber nutzten die Bochumer Fans die Abstimmung mit den Füßen, um Druck auf den Verein auszuüben. Nur 16.000 Zuschauer kamen zur Partie gegen Mainz. So viel Ablehnung kann sich kein Verein auf Dauer leisten, wobei Außenstehenden nie so ganz klar geworden ist, warum es Koller in Bochum so schwer hatte. Mit Ausnahmen eines kurzen Höhenfluges, der einmal bis in den Uefa-Pokal führte, hat der VfL auch ohne Koller immer gegen den Abstieg gespielt. Das geht für Klubs dieser Wirtschaftskraft manchmal gut, manchmal, wie in der vergangenen Saison in Karlsruhe oder Bielefeld, eben nicht.

          Vor dem Spiel lächelten beide noch - nachher nur noch einer: Zvonimir Soldo (r.) besiegte Markus Babbel

          „Ich kann nicht langfristig planen und kurzfristig verlieren“ - Otto Rehhagel hat in seiner langen Karriere sicher dümmere Sätze gesagt als diesen. In Trainer-Job zählen weder alte Erfolge noch Vorschusslorbeeren. Wer nicht gleich die Erwartungen erfüllt, gerät in die Kritik und hat wegweisende Spiele vor sich - wie der Stuttgarter Markus Babbel und der Kölner Zvonimir Soldo.

          „Da kann man leicht gegen pinkeln“

          Weil die beiden am Samstag mit ihren Teams aufeinandertrafen, steckt nun einer, Babbel, nach der 0:2-Niederlage des VfB noch tiefer im Schlamassel. Gerade noch gefeiert, weil er in der vergangenen Saison den VfB Stuttgart abgeschlagen übernahm und noch in die Champions League führte, wird nun auch im Schwabenland an ihm herumgemäkelt. Rotation wegen der vielen Spielbelastungen? Da zieht mancher die Augenbrauen hoch, als würde Babbel gegen jede Vernunft handeln, wenn er dem einen oder anderen mal eine Pause zur Regeneration gönnt. Im Sommer hätten sie ihm im Ländle am liebsten noch ein Denkmal errichtet. Aber dass dies nie eine gute Idee ist, hat schon der Trainerzyniker Hans Meyer gewusst: „Da kann man leicht gegen pinkeln.“

          Thomas Tuchel sollte das wie alles andere in seiner neuen Umgebung Bundesliga aufsaugen, vielleicht kann er es noch mal brauchen. Schließlich ist der momentan umjubelte Mainzer Trainer erst eine Woche vor dem Saisonstart aufgerückt, als Jörn Andersen plötzlich gehen musste. So schnell wie die Mainzer aber war noch keiner: Ein paar Wochen vorher war der Norweger nach dem Aufstieg noch mit Sprechchören gefeiert worden. Er bekam nicht einmal ein Endspiel.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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