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Bundesliga-Kommentar : Kleine und große Kapitulationen

  • -Aktualisiert am

Flucht vor den Fans: Kevin Pezzoni hat Köln verlassen Bild: dpa

Der Fall Pezzoni ist nur der nächste Vorfall. Die Übergriffe von Hooligans gegen Fußball-Profis müssen schärfer verfolgt werden. Und es darf keine kleinen Kapitulationen mehr geben.

          Gewalttäter haben den Kölner Fußballprofi Kevin Pezzoni aus dem Klub und aus der Stadt vertrieben. Der Aufschrei in Fußball-Deutschland ist groß und muss in den einzelnen Formulierungen nicht kommentiert werden. Was anderes als ein Höchstmaß an Empörung kann man angesichts dieser Bedrohung empfinden?

          Doch durch die Solidaritätsbekundungen mit Pezzoni und die Ächtung der Tat wird der Trend, dass sich Gewalt gegen Fußballprofis richtet, nicht gestoppt werden. Da helfen nur rigorose Strafverfolgung und ein offener Umgang mit dem Phänomen.

          Abgehandelt in zwei, drei Tagen

          Pezzoni ist nicht das erste Opfer. Vor ziemlich genau einem Jahr wurde der Magdeburger Regionalligaspieler Daniel Bauer vor seiner Wohnung von mehreren Fans bedroht. Bauer und sein Berater machten den Vorfall publik, nachdem sie den Eindruck hatten, dass der Klub die Tat herunterspielen wolle. Sie taten dies, bevor der Spieler entschied, den Verein zu verlassen. So blieb die Fanattacke über Wochen in der Stadt und im Land in der Diskussion. So wirkte die Ungeheuerlichkeit nach, im Verein wurde dadurch einiges gegen Gewalt in der Fanszene unternommen. Und Bauer wich zumindest nicht sofort der Gewalt - was auch ein Zeichen war.

          Wenn die Angaben stimmen, war der Fall Pezzoni in Köln innerhalb von zwei, drei Tagen abgehandelt. Trainer Holger Stanislawski verkündete am Freitagabend nach der Niederlage gegen Cottbus nur noch den Vollzug der Vertragsauflösung. Es besteht die Befürchtung, dass nach einer zweitägigen Betroffenheitsphase wieder zum Alltag übergegangen wird. Und dass sich die Täter bestätigt fühlen. Sie haben ja die Flucht Pezzonis erfolgreich bewirkt.

          Dabei ist der Kölner Abwehrspieler wohl schon längere Zeit von Hooligans seines Klubs verfolgt worden. Ihm wurde im Karneval das Nasenbein gebrochen. Dasselbe passierte dem Leverkusener Kadlec bei einem Discobesuch. Auch da wurde der Täter der Kölner Fußball-Gewaltszene zugeordnet.

          Kein Fan hat das Recht auf Siege seiner Mannschaft

          Es sollte also nicht so getan werden, dass es der Fußball mit einem ganz neuen Phänomen zu tun hat - und nicht nur in den drastischen Formen dieser eindeutigen Straftatbestände. Auch die Beschimpfungen und Drohungen im Internet, die Aufforderungen, sich auf dem Trainingsgelände zusammenzurotten und den Profis einen Denkzettel zu verpassen, die Sitzblockaden vor Mannschaftsbussen und Umkleidekabinen können nicht länger so hingenommen werden.

          Das sind kleine Kapitulationen, so wie Pezzonis Abschied eine große Kapitulation war. Kein Fan hat das Recht auf Siege seiner Mannschaft - und schon gar nicht das Recht, Spieler für ausbleibende Siege zu bedrohen oder zu bestrafen. Jede Bemäntelung dieser Tatsache durch Wegsehen oder gar Tolerieren macht das Leben der Fußballprofis gefährlicher.

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