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Bundesliga-Kommentar : Hoffenheimer Projektwoche

  • -Aktualisiert am

Mailand, Liverpool? Roberto Firmino bleibt lieber in Hoffenheim Bild: dpa

Trotz internationaler Interessenten bleibt der Brasilianer Roberto Firmino bei der TSG Hoffenheim. Zufall? Mitnichten! Markus Gisdol hat den Klub aus dem Kraichgau wieder zu einem der spannendsten Projekte der Liga gemacht. Wohin kann der Weg führen?

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          Atlético Madrid, Inter Mailand, FC Liverpool, Zenit St. Petersburg, Chelsea London, dazu noch der VfL Wolfsburg und der FC Schalke: Gemessen an den Vereinen, die zuletzt sehr ernsthaft an einer Verpflichtung von Roberto Firmino interessiert gewesen sein sollen, ist es eine kleine Sensation, dass der 22 Jahre alte Brasilianer in dieser Woche seinen Vertrag bei der TSG 1899 Hoffenheim bis 2017 verlängert hat – bei einem Verein, der in der fußballbegeisterten Heimat von Firmino allerhöchstens deshalb bekannt ist, weil dessen Landsmann Carlos Eduardo einst auch dort kickte.

          Das war zu der Zeit, als das Hoffenheimer Projekt die größten Phantasien beflügelte und der Aufsteigerklub aus dem Kraichgau zwischenzeitlich sogar den großen Bayern die Stirn bot. Aber in Hoffenheim wurde danach die Realität ein klein wenig verkannt und die Grundstruktur zu oft verändert – es setzte nach und nach der Sinkflug ein, der in der vergangenen Saison um ein Haar in der zweiten Liga geendet wäre. Spätestens die Vertragsverlängerung des Mittelfeldstars, um den sich im Spiel der Hoffenheimer vieles dreht, ist nun aber das Zeichen, dass da einiges in Zukunft wieder zusammenwachsen könnte, was schon einmal zu großen Hoffnungen Anlass gab.

          Damals wie heute hat die TSG einen Trainer, der mit einem Konzept an die Sache herangeht und dieses auch nicht – abhängig von den Ergebnissen des Wochenendes – Woche für Woche verändert. Markus Gisdol hat Hoffenheim wieder zu einem spannenden Projekt gemacht, das die Masse der Fußballfans zwar noch nicht elektrisiert, das aber die Substanz hat, künftig eine größere Rolle zu spielen. Aufregenden Fußball spielt die TSG unter Gisdol schon in dieser Saison – für den Trainer angesichts der Tordifferenz von 60:59 Toren vermutlich eine Spur zu aufregend. Doch mit der vorzeitigen Verlängerung von Firmino – sein Vertrag wäre noch bis 2015 gelaufen – hat der Verein nicht nur den ebenfalls umworbenen Kevin Volland und Andreas Beck signalisiert, den eingeschlagenen Weg fortsetzen zu wollen. Er hat sich auch etwas Zeit erkauft, um die Mannschaft weiterzuentwickeln, um es den Konkurrenten, die mit der Trumpfkarte „internationaler Fußball“ wedeln, künftig schwerer zu machen, einen Spieler abzuwerben. Geht der Fortschritt in der nächsten Saison so rasant weiter wie in der aktuellen Spielzeit, wird Hoffenheim zu den Klubs gehören, für die eine Teilnahme an der Europa League zur Zielsetzung wird.

          Den einen Spieler aber, den Markus Gisdol am liebsten im TSG-Trikot sehen würde, wird er sicher nie bekommen. Nie mehr, muss es genauer heißen, denn Thomas Müller, Gisdols Lieblingsspieler beim Gegner an diesem Samstag, wäre 2009 von der Bayern-Reserve fast nach Hoffenheim gewechselt. Drei Millionen Euro Ablösesumme schienen aber etwas viel. Kurz danach kam Louis van Gaal, und die Profikarriere von Müller nahm einen etwas anderen Verlauf. Ein Jahr später war er der erfolgreichster Spieler bei der WM.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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