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Bundesliga-Kommentar : Gutes Zeichen in der Krise

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Die Erklärung für den Kölner Misserfolg nach dem größten Erfolg des letzten Vierteljahrhunderts liegt wohl im Verkauf des Stürmerstars Anthony Modeste. Bild: dpa

Was hat dazu geführt, dass diesmal nicht der Trainer gehen musste, sondern der mächtige, scheinbar unantastbare Geschäftsführer Schmadtke? Eine Erklärung für den Kölner Misserfolg liegt auf der Hand.

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          Der 1. FC Köln und sein Manager Jörg Schmadtke gehen getrennte Wege, bewegen sich aber nicht auf den ausgetretenen Pfaden des Fußballs; auf den Pfaden also, wo der Trainer als vermeintlich schwächster Mitspieler gehen muss, wenn es schlecht läuft. Und beim 1. FC Köln läuft es wirklich schlecht. Die Eröffnungsbilanz nach einem Viertel der Saison erinnert an Tasmania Berlin, die schwächste Mannschaft, die in mehr als fünf Jahrzehnten am Spielbetrieb der Bundesliga teilgenommen hat.

          Dennoch hat der „FC“ sich nicht von Trainer Peter Stöger getrennt, sondern von Schmadtke, dem mächtigen, scheinbar unantastbaren Geschäftsführer Sport. Gerade wenn Schmadtke selbst die treibende Kraft der Trennung gewesen sein sollte (wie manche vermuten), können die Kölner das Ende dieser lange erfolgreichen Zusammenarbeit als innovativ verkaufen. Angeblich ging der letzte, entscheidende Impuls ja vom Manager aus.

          Was aber hat dazu geführt, dass diesmal nicht der Trainer gehen musste oder wollte? Die Erklärung für den Kölner Misserfolg nach dem größten Erfolg des letzten Vierteljahrhunderts liegt wohl im Verkauf des Stürmerstars Anthony Modeste. Trüge dieser französische Ausnahmespieler noch das FC-Trikot, hätte sich die aktuelle Fallhöhe gar nicht ergeben. Modeste war nicht nur der erfolgreichste Torschütze des Klubs (zuletzt 25 Tore in einer Saison), er wurde auch zur Identifikationsfigur. Aber Schmadtke unterlag dem Irrtum, Modeste durch einen ambitionierten, aber letztlich mittelmäßigen Spieler aus Mainz, Jhon Córdoba, ersetzen zu können und dafür fast die Hälfte der Ablöse von ungefähr 35 Millionen Euro ausgeben zu sollen.

          Allerdings haben auch die Gremien des Klubs die Ausmaße dieses Verkaufsfehlers offenbar nicht erfasst. Jedenfalls ist nicht bekannt, dass jemand aus der Chefetage Schmadtke beim Modeste-Transfer ins Lenkrad gegriffen hätte. Auch andere Transfers schlugen nicht ein. Schmadtke hat sich an der Fußballbörse verzockt und muss nun, anders als viele seiner Kollegen, die einfach weitermachen wie bisher, die Konsequenzen tragen, ob er sie nun selbst gezogen hat oder vom Klub mehr oder weniger sanft dazu gezwungen wurde.

          Man könnte klischeehaft beklagen, der FC versinke wieder im Chaos wie früher. Aber genau diesem Eindruck hat Schmadtke, freiwillig oder unfreiwillig, entgegengewirkt. Der 1. FC Köln ist in der Krise, aber nicht im Chaos. Und der Trainer ist, allen vermeintlichen Mechanismen zum Trotz, noch da. Stöger kann zwar nicht in Ruhe weiterarbeiten, aber immerhin kann er, erst einmal, weiterarbeiten. Und das ist ein gutes Zeichen, das von der Kölner Krise ausgeht. Es hätte sicher gute Gründe gegeben, auch Schmadtke eine größere Kreditlinie zu gewähren und ihn zu halten, aber die ausgetretenen Pfade des Fußballs zu verlassen hat auch etwas für sich.

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