https://www.faz.net/-gtm-169la
 

Bundesliga-Kommentar : Flasche fliegt, Löw flieht

  • -Aktualisiert am

Für einen Moment durchgeknallt: der Hamburger Paolo Guerrero Bild: dpa

Die Fußball-Bundesliga präsentierte sich wie ein bunter Osterstrauß, in dem auch eine Distel steckte. Der wuchtige Flaschenwurf des für einen Moment durchgeknallten Hamburger Profis Paolo Guerrero gegen einen pöbelnden Zuschauer verunzierte den 29. Spieltag, der reich an bestem Unterhaltungsstoff war.

          2 Min.

          Knalleffekte mit Hand und Fuß, rhetorische Spitzen von ganz oben, Rote Karten en gros, Platzwechsel und Ausweichmanöver: Die Fußball-Bundesliga hat sich am Wochenende wie ein bunter Osterstrauß präsentiert, in dem auch eine stachlige Distel steckte. Der wuchtige Flaschenwurf des für einen Moment durchgeknallten Hamburger Profis Paolo Guerrero gegen einen pöbelnden Zuschauer verunzierte den 29. Spieltag, der reich an bestem Unterhaltungsstoff war.

          Der Peruaner, eben erst von seiner rätselhaften Flugangst geheilt und nach wochenlangem Verharren in Lima nach Norddeutschland zurückgekehrt, bestritt beim trostlosen 0:0 gegen Hannover 96 wohl sein letztes Spiel für den HSV. Nun droht dem unbeherrschten Lateinamerikaner, dessen Vertrag mit dem einst für Noblesse stehenden Hamburger Traditionsklub ausläuft, eine wochenlange Sperre und Besinnungspause. Fürs Erste bestrafte ihn der HSV mit einer Geldbuße, „wie wir sie im Verein noch nie hatten“.

          Während Fehlwürfe à la Guerrero nicht zu dulden sind, bleiben „Kracher“ à la Caio erwünscht. Das aus 33,8 Metern abgefeuerte Geschoss des Frankfurter Brasilianers zum 2:2 beim 3:2-Erfolg der Eintracht über Bayer Leverkusen schlug wie ein ballistisches Wunderwerk im Leverkusener Tor ein – und war das Tor des Jahres in dieser Bundesligasaison, die bisher so fair wie seit Jahren keine Spielzeit verlief. Zum friedlichen Osterfest aber ging der Trend zur Modefarbe Rot: Sieben Platzverweise an einem Spieltag, das ist saisonübergreifend der Ligaspitzenwert. Dazu passte der 188-Sekunden-Rekord des Mainzers Ivanschitz, dem so früh wie niemandem vorher die Rote Karte vor Augen gehalten wurde.

          Geschwitzt hatte der Mainzer Andreas Ivanschitz wohl nicht - nach 188 Sekunden sah er Rot

          „Immer, wenn es darauf ankommt, sind wir eine Klasse besser“

          Es war also an einem Wochenende, an dem alle Welt auf den Schauplatz Gelsenkirchen fixiert schien, auch an anderen Standorten der Bundesliga eine Menge los. „Auf” Schalke demonstrierten die Bayern auf ihre Art, wer der wahre Platzhirsch der obersten deutschen Spielklasse ist. Trotz Unterzahl über 49 Minuten schüchterten die Münchner den westfälischen Rivalen beim 2:1-Sieg derartig ein, dass danach mancher kaum glauben mochte, dass zuvor Schalke die Nummer eins der Liga war.

          Ob der Platztausch, verbunden mit dem Minivorsprung von einem Punkt, schon eindeutig die Richtung für die Meisterschaft vorgibt? Abwarten. Grund-Sätze wie die von Uli Hoeneß („immer, wenn es darauf ankommt, sind wir eine Klasse besser als die anderen“) dienen auch der eigenen Selbstvergewisserung und als Wegzehrung vor dem nächsten Entscheidungsspiel bei Manchester United im Champions-League-Viertelfinale am Mittwochabend.

          Joachim Löw wirkt in Stuttgart deplaziert und irgendwie müde

          Dass Bundestrainer Joachim Löw im Stuttgarter Refugium beim 2:1 des VfB gegen Mönchengladbach Erholung von lästigen Fragen nach der Nationalmannschaftsrückkehr des Schalker Schützenkönigs Kuranyi suchte, war auch eine Fußnote dieser turbulenten Osterreise durch die Bundesliga. Eigentlich hätte es sich von selbst verstanden, dass Löw in Gelsenkirchen selbstbewusst wie die Bayern Flagge gezeigt hätte. So aber wirkte er in Stuttgart deplaziert und dazu irgendwie müde. Kein starker, eher ein flüchtiger Auftritt des Mannes, der in Südafrika einer ganzen Mannschaft mutig vorangehen soll.

          Topmeldungen

          In Deutschland steht der freiwilligen Instrumentalisierung des Sterbens zum guten Zweck noch einiges entgegen.

          Suizidbeihilfe in Amerika : Sterben für den guten Zweck?

          In Amerika erhoffen sich Transplanteure einen offeneren Umgang mit der Suizidbeihilfe. Sie wittern auch eine Chance, die Entnahme von Organen zu Lebzeiten zu etablieren. Taugt das als Vorbild für Deutschland?

          Wie schlimm kann es werden? : Vorbereitungen auf die Pandemie

          In Italien, Iran und Südkorea schließt sich das Fenster: An der weltweiten Ausbreitung des Coronavirus zweifelt kaum noch ein Experte. Und doch ist es zu früh, über Millionen Opfer weltweit zu spekulieren.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.