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Bundesliga-Kommentar : Entlassung? Mir doch egal!

  • -Aktualisiert am

Trainer Armin Veh verlässt den Hamburger SV, der sich im Führungschaos befindet Bild: dapd

Die Trainer Armin Veh, Louis van Gaal und Felix Magath wissen, dass sie ohne ihre Vereine gut leben können, dass aber nicht sicher ist, ob diese Vereine auch ohne sie besser dastehen werden. In ihren Gesichtern steht in Zeiten des Abschieds ein souveränes Lächeln. Sie sind unabhängig, finanziell und emotional.

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          Ist mir doch egal – diese Haltung hat Konjunktur in der Bundesliga. Auch möglich in der Variante: Macht euren Kram doch selbst. Armin Veh steht für die trotzige Gelassenheit bei Trainern ohne Zukunft, zusammengesetzt aus Stolz, Ermattung und Realitätssinn. So hatte er schon seinen freiwilligen Abschied vom Hamburger SV am Saisonende angekündigt, und so dürfte er seine sofortige Absetzung am Sonntag aufgenommen haben.

          Veh verlässt einen Verein im Führungschaos, bei Kollege Louis van Gaal ist es ein Klub, der nicht weiß, was er will. Sein FC Bayern besiegte den HSV am Samstag zwar 6:0, aber auch er wird gehen – erst am Saisonende, weil die Münchner auf Anhieb keinen Besseren gefunden haben. Der Niederländer wird mit einem selbstsicheren Schmunzeln gehen, nicht deprimiert. Das verbindet ihn mit Veh, der sagte, beim HSV könne man einfach nicht arbeiten.

          In den Gesichtern steht Süffisanz, ein souveränes Lächeln, und das ist bei Felix Magath in Schalke nicht anders. Er begegnet seinem größten Problem, dem Aufsichtsratsvorsitzenden Clemens Tönnies, mit einer ähnlichen Attitüde. Alle drei wissen, dass sie ohne ihre Vereine gut leben können, dass aber nicht sicher ist, ob diese Vereine auch ohne sie besser dastehen werden.

          Wie wär's denn jetzt mit Veh?

          Diese Trainer haben eine Vita, die emotional und finanziell unabhängig macht. Zum Beispiel waren sie schon Meister. Die Schalker dagegen warten darauf seit 1958. Die Bayern leiden in ihrer verletzten Eitelkeit ja schon, wenn mal ein anderer mit dem Titelgewinn an der Reihe ist – wie in dieser Saison Dortmund. Und der HSV weiß, dass er sich solche Träume schon lange nicht mehr leisten kann. Unter den Hamburger Bedingungen geht einem Trainer das Adieu besonders leicht über die Lippen.

          Magath dagegen will gegen alle Widerstände bleiben. Und nach dem Einzug ins deutsche Pokalfinale und dem Erreichen des Viertelfinales in der Champions League gibt es eine wachsende Bewegung für ihn im Schalker Stadion. Tönnies dagegen schlägt größere Skepsis entgegen. Dafür gibt es Gründe. Magath zu holen und dessen Führungsstil später unmoralisch und sozial inkompetent zu nennen, ist erstaunlich – so als würde man David Beckham verpflichten und plötzlich ganz verblüfft sein, dass sich jetzt auch die bunten Blätter für den Verein interessieren. Magaths Art war bekannt. Entweder ahnte Tönnies nichts davon, dann wäre er unwissend gewesen. Oder er kannte sie, dann müsste er zugestehen, mit Magaths Verpflichtung einen Fehler begangen zu haben.

          Solche Opponenten machen den Abschied leichter. Bei van Gaal heißt der Tönnies Hoeneß. Der Bayern-Präsident wählte für seine öffentliche Schelte ein anderes Wort: beratungsresistent. Tönnies wie Hoeneß scheinen im persönlichen Gespräch mit ihren Trainern nicht überzeugend gewesen zu sein, sonst müssten sie ja nicht die mediale Öffentlichkeit suchen, um Druck gegen sie aufzubauen. Der Trainersucher Hoeneß steht jetzt, wie Tönnies in Schalke oder der zerrissene Aufsichtsrat in Hamburg, selbst unter Druck. Nach Ottmar Hitzfeld hat er keinen mehr gefunden, der für Kontinuität steht. Wie wär’s denn jetzt mit Veh? Nein, nein, liebe Bayern, jetzt mal ganz entspannt bleiben.

          Uwe Marx
          Redakteur in der Wirtschaft.

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