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Bundesliga-Kommentar : Ein Pfiff kann entscheiden

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Es kommt auf alles an - auch auf den Schiedsrichter Bild: dpa

Die Bundesliga steuert aufs Finale zu. Nun wiegt jeder Pfiff - und jede Fehlentscheidung umso schwerer. Und die Bayern spielen Zünglein an der Waage.

          Wer Gerechtigkeit sucht, sollte sich vom Fußball abwenden. Die Diskussion um Schiedsrichterentscheidungen ist so alt, dass sich Widerwillen regt, sie überhaupt noch einmal aufzugreifen. Aber in diesen finalen Tagen der Saison muss noch einmal daran erinnert werden, wie sehr die Vereine, ihre Mannschaften und Trainer von der Auffassungsgabe und der Interpretationsweise der Unparteiischen abhängig gewesen sind. Gerade in einer Spielzeit, in der vor dem letzten Spieltag noch sechs Klubs vom Abstieg bedroht sind. Am 33. Spieltag profitierte Hannover am meisten, als das Schiedsrichter-Gespann in Augsburg ein Handspiel Sakais nicht erkannte und den Augsburgern den Elfmeter versagte.

          „Das gleicht sich alles aus über das Jahr“, lautet eine gern zitierte Fußball-Weisheit. Aber sie stimmt nicht. Überproportional benachteiligte Klubs verfehlen ihre Saisonziele oder schneiden schlechter ab als sie es verdient hätten. Zumal ungerecht verlorene Spiele oft einen Sogeffekt haben – nach unten.

          Die Bayern sind schlagbar

          Natürlich hängt der Erfolg der Klubs mehr von den eigenen Leistungen als von Entscheidungen der Schiedsrichter ab. Paderborn wäre nie Meister geworden, so gut hätten es die Unparteiischen mit den Ostwestfalen gar nicht meinen können. Dennoch muss bei der Leistungsanalyse der Faktor Zufall und Glück einberechnet werden.

          Dabei spielt auch eine Rolle, zu welchem Zeitpunkt eine Mannschaft einen Gegner erwischt. Die Bayern sind im Moment schlagbar, sie waren es über Monate nicht. Deshalb von Wettbewerbsverzerrung zu sprechen, ist ein großes Wort. Schalker Fans beweisen ihr Gespür für Fußball, indem sie ihrer Mannschaft diese Saison nicht verzeihen, obwohl sie das Minimalziel Europa League gerade geschafft hat. Aber wie! Mit zwei Heimsiegen gegen Abstiegskandidaten, die sich jeweils durch ein Eigentor selbst schlugen! Was war Trainer Jens Keller in seiner Schalker Zeit alles vorgeworfen worden und einiges nicht zu Unrecht.

          Aber auch seinem Nachfolger Roberto Di Matteo gelang es nicht, eine Handschrift zu entwickeln und eine gewisse Konstanz in die Mannschaft zu bringen. Mit Keller kamen die Schalker immerhin in die Champions League, und mit Keller spielte Schalke wenigstens wochenweise wie ein Königsklasse-Kandidat.

          Falsch bewertet

          Damals offenbarte Schalke Führungsschwäche, indem es die Bewertung des Trainers vom jeweils letzten Ergebnis abhängig machte. In diesem Jahr schaffte es Schalke nicht, die Personalie Boateng in den Griff zu kriegen. Einen egozentrischen Star mit fast schon chronischen Kniebeschwerden zu verpflichten und ihm die Führungsrolle zu übertragen, ist an sich kein Fehler. Es kann gutgehen, ein paar Wochen lang wurde Boateng seiner Verantwortung gerecht. Aber als er es nicht mehr schaffte, hätte die sportliche Leitung früher konsequenter eingreifen müssen und sich nicht durch ein glückliche Punktgewinne beruhigen dürfen.

          Auch beim HSV wurde die Lage lange falsch bewertet. Die Vorstellung, Sportdirektor Knäbel zum Trainer machen zu können, war die abstruseste Idee. Hätten die Hamburger Bruno Labbadia ein paar Wochen früher verpflichtet, wären sie am letzten Spieltag nicht auf Glück angewiesen. Noch nicht einmal ein Sieg reicht dem Bundesliga-Dino, um den Abstieg zu vermeiden. Auch die Konkurrenz muss noch mitspielen.

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