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Bundesliga-Kommentar : Druckausgleich gesucht

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Freiburgs Trainer Christian Streich: Trainieren, Spielen und drei, einen oder keinen Punkt holen Bild: dpa

Oft ist die Rede vom Druck im Profifußball. Meistens ist er konstruiert. Doch es gibt auch ein Ventil. Freiburgs Trainer Streich vertritt die Devise: Müssen muss ich gar nichts. Außer mir Mühe geben.

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          Neues aus der Hochdruckbranche Bundesliga. In kaum einem anderen Beruf ist so oft die Rede vom Druck wie im Profifußball. Der ja meistens ein angeblicher, ein konstruierter Druck ist. Das war nach dem vierten Spieltag der Saison nicht anders. Der deutsche Meister Borussia Dortmund habe demnach dem Druck nicht standgehalten, bei einem Abstiegskandidaten wie dem Hamburger SV seine Serie von 31 Spielen in der Bundesliga ohne Niederlage zu verlängern; jetzt steht in diesem Punkt also fortan das 2:3 von Samstag in der Statistik und nicht mehr das 1:2 gegen Hannover 96 am 18. September 2011. Der HSV wiederum zeigte sich druckresistent, er gewann seine ersten Punkte in dieser Spielzeit mit dem Rücken zur Wand.

          Beim Tabellenführer Bayern München hat der 40-Millionen-Einkauf Javi Martinez die vorher labilen Nationalspielern Bastian Schweinsteiger und Toni Kroos offenbar so unter Druck gesetzt, dass sie wieder ganz die Alten sind; so hat Schweinsteiger in der noch jungen Saison schon zwei Tore erzielt, Kroos beim 2:0 in Schalke sein drittes. Beim Schalker Torschützenkönig Klaas-Jan Huntelaar ist es anders herum, er trifft eigentlich immer, nur gegen die Bayern nicht. Ein typischer Fall vom Scheitern unter psychologischem Ballast?

          Dann wäre Mainz 05 ein Beispiel für den Segen einer gut dosierten Druckerhöhung. Trainer Thomas Tuchel hatte die Partie gegen den FC Augsburg zum „Richtungsspiel“ erklärt, bei einer Niederlage wäre die Hinrunde schon im Eimer gewesen, nur ein Erfolg könnte sie noch retten. Seine bis dahin sieglosen Spieler reagierten mit einem 2:0. Das alles ist aber noch gar nichts gegen die Last, die Fortuna Düsseldorf zu schultern hat, denn der Aufsteiger kann jede Minute einbrechen. Seine Serie von zuvor 360 Minuten ohne Gegentor steht im 60-Sekunden-Takt zur Disposition. Da könnte man sich auch verrückt machen. Gegen den SC Freiburg aber beeindruckte das niemanden, das 0:0 setzte die neue Marke vielmehr auf 450 Minuten.

          Müssen muss ich gar nichts

          Beim Sportclub sitzt der Vertreter einer anderen Linie auf der Bank, das Trainer gewordene Druckventil Christian Streich, der seine Spieler bei allem Ehrgeiz entlastet, wo er nur kann. Er sagt, es gebe nichts anderes als Trainieren, Spielen und entweder drei, einen oder keinen Punkt holen. Mehr sei da nicht. Er findet, sogar Niederlagen seien kein Verhängnis, solange der Einsatz stimme. Bei dieser Sicht geht es nicht darum, Serien zu verteidigen oder zu durchbrechen, Schmähungen oder gar Entlassungen zu vermeiden - sich also vom vermeintlichen Zwang zum Erfolg erdrücken zu lassen. In einem Satz zusammengefasst: Müssen muss ich gar nichts. Außer mir Mühe geben.

          Diese Haltung können sich auch Spitzenmannschaften leisten. Eintracht Frankfurt zum Beispiel. Der erste Bayern-Verfolger, wie die Münchner noch ohne Punktverlust, kann nach dem 2:1 in Nürnberg und vor dem Heimspiel am Dienstag gegen Borussia Dortmund Druckabbau betreiben. Nach vier Siegen heißt es bei der Eintracht, man habe in dieser Partie nichts mehr zu verlieren. Zumal als Aufsteiger. Und die Borussia? Zwei Niederlagen nacheinander in der Bundesliga gab es zuletzt Ende 2009, Anfang 2010. Dem 1:4 gegen Stuttgart folgte ein 2:3 - gegen Eintracht Frankfurt. Das wäre dann der Druck der Geschichte.

          Uwe Marx

          Redakteur in der Wirtschaft.

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